Schäden an den Büschen sind erwünscht

Naturschutz auf dem Wahrberg in Hillerse

Anke Busch aus Bühle  auf dem Hillerser Wahrberg
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Bereits seit 1998 sorgt Anke Busch aus Bühle im Auftrag des Landkreises Northeim dafür, dass der Magerrasen an den Hängen des Hillerser Wahrbergs als Lebensraum für seltene Tiere und Pflanzen erhalten bleibt.

Auf dem Hillerser Wahrberg sind Ziegen als Landschaftspflegerinnen im Einsatz.

Förster versuchen, es mit viel Aufwand in ihren Wäldern zu vermeiden, doch an den Hängen des Hillerser Wahrbergs ist es ausdrücklich erwünscht: das Verbeißen von jungen Bäumen und Büschen. Der Grund dafür ist, dass der dortige, ursprünglich durch Beweidung entstandene Magerrasen, auf dem sich zahlreiche seltene Tier- und Pflanzenarten zu Hause fühlen, nur erhalten bleibt, wenn auch künftig Pflanzenfresser dort ihren Appetit stillen.

„Ohne eine regelmäßige Bewirtschaftung, würde hier wieder Wald entstehen“, erklärt Anke Busch aus Bühle, die seit 1998 im Auftrag des Landkreises Northeim den unter Naturschutz stehenden Wahrberg beweidet. „In den vergangenen Jahren habe ich am Wahrberg in Zusammenarbeit mit einem Schäfereibetrieb hauptsächlich Schafe und nur ein paar wenige Ziegen eingesetzt.

Da aber im vergangenen Jahr sehr viel Gehölz nachgewachsen ist, waren in diesem Jahr wieder ausschließlich Ziegen hier oben, weil Schafe eher Gras verbeißen.“

Buschbetont, dass keinesfalls ihre Ziegen, sondern ein Parasit, der Blütentriebe absterben lässt, für den Rückgang der unter Naturschutz stehenden Silberdisteln auf dem Wahrberg verantwortlich ist. Es sei nämlich schon mehrfach vorgekommen, dass besorgte Pflanzenfreunde entsprechende kritische Mitteilungen in Form von Zetteln hinterlassen hätten – und zwar an ihrem Zaun, mit dem sie die jeweilige Weidefläche für ihre Tiere auf dem Wahrberg begrenzt. „Die Bereiche, in denen die Silberdistel wächst, beweide ich nicht“, sagt Busch und deutet auf zwei Schutzkörbe aus Metall, um die ihr Zaun einen Bogen macht. „Die sollten ursprünglich Ameisenhaufen schützen und sind jetzt zum Schutz der Silberdisteln gedacht.“ Darunter könne man aber jetzt deutlich sehen, wie Silberdisteln ohne eine Beweidung zwischen Grasfilz und aufkommenden Rosen untergehen würden.

Das Beweidungsmanagement auf dem Wahrberg erfolgt laut Busch in Absprache mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Northeim und ist so geregelt, dass die Beweidungsrichtung jedes Jahr wechselt, damit die Tiere nicht jedes Jahr zu selben Zeit auf derselben Fläche sind. „Nach der Beweidung findet alle zwei Jahre im Winter noch eine maschinelle Nachpflege auf den Flächen statt“, erläutert Busch. „Das ist sehr wichtig, um die Gehölze zu schwächen, die von den Tieren nicht komplett verbissen wurden.“ Anschließen werde das Schnittgut dann entfernt. „Das ist alles eine harte Arbeit“, betont Busch. „Aber es lohnt sich.“

Das Ergebnis dieser Arbeiten sei in diesem Jahr recht gut im Bereich des Südhangs zu erkennen, freut sich Busch und verweist darauf, dass dieser Bereich bislang von der Aufrechten Trespe dominiert wurde, einem harten Gras, das von Weidetieren nur als junge Pflanze gern gefressen wird. Das neige dazu, einen Grasfilz zu bilden, unter dem dann eine Moosschicht entstehe, und die verhindere, dass andere Pflanzen, die auf offene Stellen angewiesen sind, keimen können.

„Seit ein paar Jahren findet dort auf Anregung eines Gutachters probehalber die Beweidung kleinräumig so früh statt, dass die Tiere die Trespe mitsamt der Blütenstände noch gut fressen“, beschreibt Busch die Vorgehensweise. Dadurch könne je nach Feuchtigkeitsangebot im Sommer auf den flachgründigen Flächen ein völlig neues Bild entstehen. „Besonders gut zu sehen ist das in diesem Jahr. Nach den Regenfällen der vergangenen Wochen blüht es dort bunt.“

Der Magerrasen sei ein Zusammenspiel von vielen Faktoren und sollte in seiner Gesamtheit als wertvoller Lebensraum betrachtet werden, meint Busch. „Bei der Bewertung der Flächen sollten Fachleute daher nicht nur ihre ganz speziellen Lieblingsarten im Auge haben.“

Ein Pflegekonzept ohne Beweidung, wäre künstlich und außerdem teurer, ist sie überzeugt. „Außerdem freuen sich die Menschen, wenn sie noch Weidetiere in der Landschaft sehen.“ Das müsse aber auch für die Tierhalter passen, gibt die 50-Jährige, die aus dem Ruhrgebiet stammt und in Göttingen Geografie studiert hat, zu bedenken. Sie sei damals von der hiesigen Landschaft so begeistert gewesen, dass sie hiergeblieben sei. Schließlich habe es sich irgendwie ergeben, dass sie als Weidetierhalterin in der Landschaftspflege gelandet sei.

Neben dem Wahrberg gehören mittlerweile auch die Magerrasenflächen auf der Weper und auf der Aschenburg bei Harste sowie Solarparkflächen und kleinere kommunale Flächen wie zum Beispiel ein steiler verbuschter Hang unterhalb der Bühler Kirche oder ein Zauneidechsenhabitat hinter dem Northeimer Bahnhof zu ihren Revieren.

„Die Arbeit mit Tieren und Pflanzen ist wunderschön“, schwärmt Busch. „Aber sie erfordert Fingerspitzengefühl und Standhaftigkeit, und das auch bei schlechtem Wetter.“

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