Valentinstag in der Kirche: Schlemmen vorm Altar

Vor den Augen der Gäste, die im Altarraum speisten, bereiteten die Köche die vier Gänge zu.

Northeim. Eher karg und vor allem von symbolischer Kraft ist das kirchliche Abendmahl. Genuss ist mit dem Verzehr einer Oblate und einem Schluck Traubensaft, der im Interesse von Alkoholkranken den Wein abgelöst hat, nicht verbunden.

Da setzte das Abendmahl, das es am Valentinstag in der Northeimer St.-Sixti-Kirche gab, ganz andere Maßstäbe. 50 Genießer, vornehmlich Paare ließen sich ein Vier-Gänge-Menü schmecken.

Der Bezug zum kirchlichen Abendmahl wurde dabei nicht vergessen. Gemeinsames Essen ist eine christliche Tradition, betonte Vikar Thorsten Buck bei der Begrüßung. Sättigungsmahl und Abendmahl, das an Jesus´ Abschiedsessen mit seinen Jüngern erinnert, waren nach seinen Worten in frühchristlicher Zeit eng mit einander verbunden.

Küche im Kirchenschiff

Mitglieder des Kirchenkreis bedienten die Gäste. Fotos:  Jelinek

Im Altarraum waren Tische edel gedeckt. Vor den Bänken hatten Koch Thomas Lumm (Wedemark) und seine Helfer ihre Küche eingerichtet.

Unter den Augen der Gäste richtete sein Team gebeiztes Lammrückenfilet an Madeiragelee als Vorspeise an, zauberte eine schaumige Suppe („Espuma“) von zweierlei Petersilie mit Jakobsmuschelspieß als Zwischengang, um anschließend die Gäste mit einem argentinischen Roastbeef auf Rotweinschalotten mit gefüllten Zucchiniblüten und jungen, kleinen Kartoffeln zu verwöhnen. Als Dessert gab es dann ein Küchlein mit einer flüssigen Schokoladenfüllung („Schmelzender Traum“) an gebratener Ananas mit Bananen-Rumschaum.

Mystisches Getränk

Sommelier Michael Kugel hatte zu jedem Gang jeweils zwei Weine ausgesucht. Hinterher fragte er die Gäste, welcher Tropfen besser zum Essen gepasst habe. Er erinnerte daran, dass Wein neben Wasser das älteste Getränk der Menschheit sei, dem wegen seiner berauschenden Wirkung einst mystische Bedeutung beigemessen wurde.

Sonst stand der Abend ganz im Zeichen der Liebe, was beispielsweise das Rezitieren entsprechender Bibelstellen untermauerte. Möglich wurde er durch das Sponsoring des Edeka-Marktes Schnabel. Es erklärt auch den Preis von 20 Euro pro Person für den Abend. Damit waren Essen und Getränke bezahlt.

Unter den Gästen wurde am Abend außerdem noch für den Kinder-Mittagstisch des CVJM gesammelt. 300 Euro kamen dabei zusammen. Sie wurden von Schnabel auf 500 Euro aufgerundet.

Kommentar: Untern Tisch gefallen

(von Olaf Weiss, Autor des Artikels)

Sprache ist ein gefährliches Werkzeug. Je einfacher ein Vorgang beschrieben wird, umso größer ist die Gefahr, dass die Darstellung falsch wird, weil Wesentliches unter den Tisch fällt. Buchstäblich unter den gedeckten Tisch ist bei meinem Artikel über das Candle Light Dinner für Verliebte in der St.-Sixti-Kirche gefallen, dass es Gebet und Segen gab. Und noch wichtiger: Ein abendliches Mahl ist rein sprachlich ein Abendmahl, aber mit Sicherheit nicht im theologischen Sinn – auch gerade dann nicht, wenn es in der Kirche stattfindet. Bei dem Essen handelt es sich, um ein Agapemahl. Das, so habe ich theologischer Laie gelernt, ist ein Essen, dass der Liebe gewidmet ist, und in dem die Wertschätzung füreinander zum Ausdruck kommen soll. Das Sakrileg fand also nicht in der Kirche, sondern in der Zeitung statt.

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