Interview: Dr. Stefan Leonhardt tritt Stelle als Sixti-Pastor an

"Schon mit Lego habe ich Kirchen gebaut"

Ab heute Hausherr in St. Sixti: Pastor Stefan Leonhardt. Foto: Gödecke

Northeim. Die evangelische Stadtkirchengemeinde St. Sixti Northeim hat seit Freitag einen neuen Pastor. Es ist der 44-jährige Dr. Stefan Leonhardt. Er tritt die Nachfolge von Matthis Burfien an, der zur Landeskirche nach Hannover gewechselt ist. HNA-Redakteur Axel Gödecke sprach mit ihm.

Herr Leonhardt, warum haben Sie sich auf die Stelle in Northeim beworben? 

Leonhardt: Nach elf Jahren war es an der Zeit, etwas Neues zu machen. Es reizt mich einfach, in eine Klein-stadt zu kommen mit einer Gemeinde, die so vielfältig aufgestellt ist. Dazu zähle ich auch die Kirchenmusik. Und mich reizt vor allem die Teamarbeit, die Zusammenarbeit mit einer Pastoren-Kollegin und so vielen Ehrenamtlichen.

Sie kommen ja von einer eher dörflich geprägten Gemeinde. Haben Sie keine Angst vor so einer großen Stadt-Kirchengemeinde wie St. Sixti?

Leonhardt: Nein. Natürlich wird das ein anderes Arbeiten. Aber ich freue mich darauf. Wie gesagt, es gibt hier ein Team und ich bin nicht mehr der Einzige, der jeden Sonntag auf der Kanzel steht. Das heißt aber auch, ich habe mehr Freiräume für andere Aufgaben und ich habe aber auch mehr Amtshandlungen wie Beerdigungen, Trauungen, Taufen auszuführen.

Was finden Sie gut an der Gemeindearbeit in St. Sixti?

Leonhardt: Dass es hier so viele Ehrenamtliche gibt, das beeindruckt mich sehr. Ich glaube, es sind an die 160 Personen, das ist ein richtiger Schatz. Außerdem gibt es hier so viele interessante andere Bereiche wie die Diakonie- und Sozialstation, den Tagestreff Oase oder auch die Sixti- Kindergärten. Und dann sind da noch die vielen kulturellen Veranstaltungen. All das ist auf einem Dorf so gar nicht möglich. Darauf freue ich mich, denn ich bin als gebürtiger Hannoveraner ja von meinem Herzen ein Stadtmensch.

Welche neuen Akzente wollen Sie setzen?

Leonhardt: Da habe ich noch keine Rezepte. Ich möchte erst einmal das Gemeindeleben kennenlernen. Ein Aspekt, der mich bewegt, ist allerdings das Thema Armut. Wie gehen wir in der Gemeinde mit dem Thema um, wie schaffen wir es auf Ärmere zuzugehen, sie zu integrieren, wie kann man sich vernetzen? Das sind Fragen, mit denen es sich aus meiner Sicht zu beschäftigen lohnt.

Was liegt ihnen besonders bei ihrer Arbeit als Pastor?

Leonhardt: Ich bin mit Leib und Seele Seelsorger. Menschen zu begleiten, ist ein wichtiger Punkt, der mir viel Spaß macht. Meine große Leidenschaft ist zudem, den Gottesdienst gut und dabei möglichst lebensnah zu gestalten. Dabei sollten auch schwierige Themen nicht ausgeblendet werden. Und natürlich sollte in der Kirche auch gelacht werden. Es gilt eben, den richtigen Mix zu finden.

Sie haben einen Doktortitel. Wovon handelt Ihre Doktorarbeit?

Leonhardt: Über den katholischen Kirchenhistoriker Ignaz von Döllinger. Er wurde 1870, als die Unfehlbarkeit des Papstes dogmatisiert wurde, zum Kritiker der katholischen Kirche, was dazu führte, dass er exkommuniziert wurde. Seine Anhänger gründeten daraufhin die altkatholische Kirche, die es auch heute noch gibt. Döllinger war zuerst ein Kritiker des Protestantismus, näherte sich diesem jedoch später immer mehr an. Diesen Wandel fand ich ebenso interessant, wie den Aspekt, die eigene Kirche aus einer katholischen Sicht zu sehen.

Wie kamen Sie zum Theologiestudium?

Leonhardt: Kirche war eigentlich nie ein Thema in meinem Elternhaus. Meine Mutter war evangelisch, aber inaktiv. Mein katholischer Vater war sogar aus der Kirche ausgetreten. Und doch haben mich als Kind schon immer Kirchen fasziniert. Ich habe sogar aus Legosteinen viele Kirchen gebaut, so dass Bekannte immer wieder scherzhaft gesagt haben: Der wird mal Pastor.

Und wie kam es wirklich dazu? 

Leonhardt: Ich hatte einen guten Religionsunterricht und auch Konfirmandenunterricht. Das hat mein Interesse geweckt. Außerdem fand ich es schon immer spannend, biblische Texte zu erarbeiten und dabei durchaus auch kritisch zu hinterfragen.

Welche Hobbies haben Sie? 

Leonhardt: Ich fotografiere wahnsinnig gern, vor allem Landschaften. Weitere Hobbies sind Wandern und Radfahren, durchaus auch längere Strecken, Lesen von Krimis und historischen Romanen. Ich lerne gerade Italienisch und ich bin ein leidenschaftlicher Saunagänger. (goe)

Zur Person

Stefan Leonhardt (44) wurde in Hannover geboren. Nach dem Abitur studierte er ab 1988 in Göttingen Theologie. Nach dem Examen 1995 absolvierte er ein Auslandspraktikum in der anglikanischen Kirche im englischen Bristol. Von 1996 bis 2000 folgte die Erstellung der Doktorarbeit an der Uni Tübingen. Sein Vikariat absolvierte Leonhardt in der Marktkirchengemeinde Clausthal im Harz, die durch die größte Holzkirche Deutschlands bekannt ist.

Dem Vikariat schloss sich das Predigerseminar in Loccum an. 2002 trat Leonhardt seine erste Pastorenstelle in Peine an, wo er zehn Jahre zunächst zwei Gemeinden betreute, und zwar die Martin-Luther-Gemeinde in der Peiner Südstadt und die dörflich geprägte Gemeinde Dungelbeck. Ab 2013 war er Gemeindepastor ausschließlich in Dungelbeck. Leonhardt hat seit 22 Jahren einen festen Partner, der in Göttingen arbeitet.

Mit ihm lebt er seit einigen Jahren in eingetragenen Lebensgemeinschaft. Der öffentliche Einführungsgottesdienst von Pastor Dr. Stefan Leonhardt findet am Sonntag, 16. Februar, ab 15 Uhr in der St.-Sixti-Kirche Northeim statt. (goe)

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