Home-Schooling: „Manchmal fühlt man sich überrollt“

Schüler aus dem Landkreis Northeim berichten über den Unterricht zu Hause

Das Bild zeigt Marie Wilp, die am Gymnasium Corvinianum die 13. Klasse besucht.
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Das Home-Schooling bestimmt den Alltag der Schüler im Landkreis. Das Bild zeigt Marie Wilp, die am Gymnasium Corvinianum die 13. Klasse besucht.

Den Unterricht zu den Schülern nach Hause zu bringen, stellt sowohl die Kinder und Jugendlichen als auch die Lehrer vor eine große Herausforderung. Wir haben mit Schülern aus dem Landkreis darüber gesprochen, wie es ihnen mit der Situation geht.

Landkreis Northeim – Weniger chaotisch als beim ersten Lockdown lief die Umstellung auf das Homeschooling allemal. Da sind sich die Schüler des Northeimer Gymnasiums Corvinianum, der Kooperativen Gesamtschule Moringen (KGS) und der Thomas-Mann-Schule (TMS) in Northeim einig. Dabei gehen die drei Schulen sehr unterschiedliche Wege.

Thomas-Mann-Schule Northeim

Fünf Schüler der Haupt- und Realschule berichten uns über ihre Erfahrungen. Lisa Lotz, Nbras Haskaan und Nasim Abdulla (alle 5. Klasse), sowie Zoe Bracht (8. Klasse) und Riwan Ali (9. Klasse) geben einstimmig die Note 3 für das Homeschooling. Weil sie alle das normale Schulleben vermissen.

Die Schule versuche zwar, einen dem Stundenplan ähnlichen Tagesablauf für die Schüler zu bieten, räumen sie ein. „Aber man kann seine Freunde nicht persönlich sehen“, beklagt Nbras Haskaan.

Das Zettel-Chaos vermissen die Schüler allerdings nicht. Über das Programm Microsoft Teams und die von der Schule gestellten Tablets können die Schüler auf alle Arbeitsblätter online zugreifen. Über Video-Anrufe werden schon am Morgen die Aufgaben für den Tag besprochen.

Über die Tablets hat sich die ganze Klasse gefreut“, erzählt Nasim Abdulla. „Viele hatten nicht mal ein Handy und plötzlich haben wir alle Tablets.“ Er war außerdem begeistert davon, dass schon alle Programme für das Homeschooling von der Schule eingerichtet waren. „Man konnte direkt loslegen.“

Da die Schüler ihre Lehrer direkt über Microsoft Teams anschreiben können, haben sie auch weniger Scheu, Fragen zu stellen, wenn eine Aufgabe unklar ist. „Die Lehrer helfen immer und antworten sehr schnell“, sagt Riwan Ali.

Zoe Bracht hat aber auch einen Verbesserungswunsch: „Manchmal stellen mehrere Lehrer gleichzeitig ihre Aufgaben, und die sollen dann innerhalb von ein paar Stunden fertig sein. Und manchmal überschneiden sich die Besprechungen zu den Aufgaben. Das ist etwas frustrierend.“

Und auch das Thema schlechte Internetverbindung hält sich hartnäckig, berichten die Schüler. Lisa Lotz hat immer wieder Internetprobleme und von Mitschülern hat sie Ähnliches gehört.

Kooperative Gesamtschule Moringen

Kim Bohne, Schülersprecherin der KGS Moringen, und ihre Mitschüler haben ebenfalls mit technischen Problemen zu kämpfen. Die KGS nutzt die Plattform IServ für ihre Lerninhalte. „Regelmäßig kann man sich nicht einloggen“, beklagt die 18-jährige.

Dadurch würde sich der Zeitplan verschieben. „Wir weichen dann häufig auf andere Portale wie Zoom aus, um uns besprechen zu können.“

Ihr Wunsch ist es, dass alle Lehrer eine Alternative zu IServ für die Konferenzen nutzen würden. Doch trotzdem würde das Beste aus der Situation gemacht werden.

„Es gibt natürlich wie überall Verbesserungsmöglichkeiten“, sagt die Zwölftklässlerin und berichtet, dass sich einige Arbeitsaufträge vonseiten der Lehrer überschneiden. „Da fühlt man sich schon manchmal etwas überrollt und überfordert.“

Aber die meisten Lehrer fragten regelmäßig nach, wie viel die Schüler aktuell zu tun hätten. „Im letzten Lockdown hat mein Klassenlehrer zum Beispiel bei jedem Schüler der Klasse angerufen und gefragt, ob alles okay ist“, sagt Kim Bohne. „So was ist schon wichtig.“

Doch Kim Bohne bemerkt bei den Mitschülern, dass nicht alle gut mit dem Alleinsein im Home-Schooling zurechtkommen. „Schule ist trotz des Lernstresses einfach ein Platz für Freude, Freunde und Glücklichsein. Das fehlt vielen einfach.“

Eltern könnten den Austausch mit den Mitschülern nicht ersetzen. „Und auch über WhatApp ist das natürlich nicht dasselbe wie die Gespräche vor Ort.“

Gymnasium Corvinianum Northeim

Laurenz Mönnecke von der Schülervertretung (SV) des Corvinianums sieht vor allem für die Schüler in der Unter- und Mittelstufe eine große Herausforderung beim Homeschooling. „Die jüngeren Schüler benötigen teilweise mehr Anleitung.“ Manche Lehrer stellen selbstgedrehte Lernvideos bereit, um die Schüler besser zu unterstützen.

Doch allgemein sieht der 19-Jährige, dass die persönlichen Interaktionen zwischen Schülern und Lehrern fehlen. „Für die Lehrer ist es natürlich schwieriger, zu bemerken, ob die Schüler etwas verstanden haben oder nicht.“

Neben der Plattform Moodle zur Organisation der Arbeitsmaterialien nutzt das Corvi zur Kommunikation untereinander BigBlueButton (BBB), allerdings ohne Video.

Dies ist laut Laurenz Mönnecke aber kein großer Nachteil, da häufig eine Präsentation gezeigt werde. „So ist der Bildschirm bereits gefüllt. Präsentation und Schüler oder Lehrer gleichzeitig anschauen würde wahrscheinlich einfach stärker ablenken.“ Das Corvi habe Schüler, die Bedarf nach Notebooks oder Headsets hatten, mit diesen versorgt, damit alle an den Konferenzen teilnehmen können.

Allgemein hält Laurenz Mönnecke jedoch fest: „Die meisten Unterrichtsmethoden sind nicht für den Online-Unterricht ausgelegt. Da gibt es noch Anpassungsbedarf.“ (William Abu El-Qumssan)

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