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Schulleitungen der Grundschulen im Landkreis Northeim beklagen Personalmangel

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Von: Niko Mönkemeyer, Rosemarie Gerhardy

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An der Schule am Sultmer musste der Ganztagsbetrieb bereits eingeschränkt werden, damit vormittags der reguläre Unterricht verlässlich laufen kann. Archi
An der Schule am Sultmer musste der Ganztagsbetrieb bereits eingeschränkt werden, damit vormittags der reguläre Unterricht verlässlich laufen kann. © Axel Gödecke

Die Unterrichtsversorgung in den Grundschulen im Landkreis Northeim wird immer schwieriger.

Landkreis Northeim – Im Schulausschuss der Gemeinde Kalefeld berichtet die Schulleiterin der Grundschule Echte, dass die Unterrichtsversorgung nur noch bei 75 Prozent liegt.

Andrea Metz, Schulleiterin der Schule im Kirchtal in Langenholtensen, sagt, die Situation sei drastisch. Die Schulleiter könnten nicht dauerhaft Stunden auffangen. Gerade an einer kleinen Schule sei es sehr schwer zu verkraften, wenn eine Lehrkraft oder ein pädagogischer Mitarbeiter ausfallen würden. Zudem müsste sie auch immer wieder Lehrer abordnen, an andere Schulen, wo es noch mehr brenne. Da nütze es nichts, wenn auf dem Papier von einer hundertprozentigen Versorgung die Rede sei. Zumal auch Lehrerinnen in der Schwangerschaft, die dann wegen der Coronapandemie ins Homeoffice wechseln, statistisch so erfasst werden, als würden sie an den Schulen unterrichten. In der Realität sei die volle Unterrichtsversorgung jedoch nicht gegeben.

Deshalb überlegten sie und einige andere Schulleiter, sich mit einem Brief an das Kultusministerium zu wenden. Sie wünscht sich einen Puffer bei den Stellen, damit die Unterrichtsversorgung tatsächlich gewährleistet werden könne.

Probleme gibt es auch an der Grundschule Schönhagen/Sohlingen im Bereich der Stadt Uslar. Dort ist es trotz Bemühung des Landesamtes für Schule und Bildung nicht gelungen, zwei vakante Lehrerstellen zu besetzen, informiert der Kreiselternrat. Eine zusätzliche Langzeiterkrankung habe dazu geführt, dass die Klassen am Schulstandort Sohlingen zusammengelegt und faktisch der Corona-Modus fortgesetzt werden musste, also die Reduzierung auf reine Schwerpunktfächer.

An der Grundschule Hardgsen ist laut Schulleiter Christopher Grupe bislang noch kein Unterricht ausgefallen. Lediglich beim Sportunterricht seien Klassen zusammengelegt worden. Die Krankheitsvertretung sei aber in jedem Fall ein Problem, weil erkrankte Kolleginnen und Kollegen eben nicht nur für ein oder zwei Tage fehlten.

An der Schule am Sultmer in Northeim haben der hohe Krankenstand und die fehlenden Vertretungskräfte inzwischen schon dafür gesorgt, dass mehrere Klassen stundenweise zusammengefasst werden mussten.

„Es war schon schwierig genug, Vertretungskräfte für Kolleginnen zu finden, die wegen Schwangerschaft ausfallen, aber jetzt kommt noch der hohe Krankenstand oben drauf“, sagt Schulleiterin Corinna Kulp-Wahmke. „Damit der Schulbetrieb am Vormittag läuft, mussten wir aber bereits den Ganztagsbereich einschränken.“ Eine kurzfristige Lösung für das Problem sei leider nicht in Sicht.

Kultusministerium

Die vorliegenden Daten beim zuständigen Regionalen Landesamt für Schule und Bildung legen nahe, dass der Pflichtunterricht im Kreis Northeim rechnerisch gesichert ist, ebenso die zusätzlichen Stunden für besondere schuleigene Schwerpunktsetzungen („Poolstunden“), teilt das Kultusministerium auf HNA-Anfrage mit.

Dennoch sei die Situation nicht rosarot, sodass es vereinzelt zu Einschränkungen im Ganztagsbereich beziehungsweise bei den Betreuungszeiten kommen kann, räumt Sebastian Schumacher als Sprecher des Kultusministeriums ein. Verschärfte Lagen können derzeit sowohl durch die jahreszeitbedingten als auch längerfristige Krankheitsfälle auftreten.

An zwei Schulen, die nicht benannt werden, sei festzustellen, dass die Versorgung signifikant schlechter ist als an allen anderen Schulen.

Dies sei einer hohen Anzahl an ärztlich verordneten Beschäftigungsverboten aufgrund von Schwangerschaften geschuldet, so das Ministerium. Diese ließen sich nicht immer kurzfristig hinreichend kompensieren.

Kreiselternrat

Der Kreiselternrat Northeim betrachtet die Unterrichtsversorgung an den Grundschulen ebenfalls mit Sorge. „Immer wieder berichten Eltern von Unterrichtsausfall oder fehlender außerschulischer Betreuung“, so Lene Garus-Jochumsen, Vorsitzende des Kreiselternrats.

Das sei problematisch, weil nach der langen Coronazeit ein großer Nachholbedarf bei den Schülern bestehe. Aus Sicht des Kreiselternrats müsse es eine andere Erfassung bei den statistischen Kennzahlen geben. Es sei wichtig, dass der Lehrerberuf familienfreundlich ausgestaltet werde, aber die Schulen, die die Lehrer in Elternzeit beschäftigen, müssten zumindest die Chance bekommen, für diese Ausfallzeiten eine Vertretung zu bekommen.

Der Kreiselternrat erwartet daher von der neuen Kultusministerin kurzfristige und unbürokratische Lösungen, um Personal für den Unterricht, aber auch die Nachmittagsbetreuung an den Grundschulen zu gewinnen. Die betroffenen Eltern dürfen nicht mit dem Gefühl allein gelassen werden, dass Grundschulen im ländlichen Raum in Qualität und Verlässlichkeit vernachlässigt würden. Es brauche Lehrer, die Lust auf Grundschule haben. Dafür müsse das Kultusministerium sorgen, fordert der Kreiselternrat.

Gewerkschaft

Die Forderung nach mehr Personal an den Schulen hat auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, erklärt Kreisvorsitzender Harald Seeger. Eine Vertretungsreserve von rund fünf Prozent stünde schon seit Jahren auf der Forderungsliste, ohne dass sich etwas ändere. Die Belastung der Lehrkräfte an den Grundschulen sei schon sehr hoch. Da gelte es den Beruf wieder attraktiver zu machen. Entlastend könnte auch die Etablierung von multiprofessionellen Teams etwa mit pädagogischen Mitarbeitern oder Sozialarbeitern sein.

Bemühungen

Der strukturelle Lehrkräftemangel, der sich in bestimmten Regionen und an spezifischen Schulformen bereits seit Längerem zeige, werde gerade verschärft durch die Auswirkungen der Corona- und Ukrainekrise. Zu erhöhten Krankenständen sind zusätzlich mehr Kinder, die in Niedersachsen als Flüchtlinge Schutz erhalten und beschult werden, mit Bildungsangeboten zu versorgen, weiß auch das Kultusministerium.

Um die zweifellos angespannte und belastende Situation abzumildern, habe die neue Landesregierung angekündigt, mit kurzfristigen Maßnahmen ebenso gegenzusteuern, wie mit mittel- und langfristigen. Um kurzfristig zu helfen, solle den Schulen die Möglichkeit eröffnet werden, zusätzliches Personal nach Bedarf einzustellen. Zudem gehe es um die Attraktivitätssteigerung. So sei eine bessere Vergütung (A 13) und Ausbildung der Lehrkräfte in Planung, nennt Schumacher einige Maßnahmen.  (rom/nik)

20 Lehrerstellen ausgeschrieben

Die Einstellungsrunde zum zweiten Schulhalbjahr wurde erst gestartet. Daher lassen sich zum jetzigen Zeitpunkt noch keine verlässlichen Angaben machen wie viele Lehrer fehlen, heißt es vom Kultusministerium. Es sei noch viel Bewegung drin, die Bedarfe änderten sich sehr kurzfristig. Für den Landkreis Northeim wurden 20 Stellen ausgeschrieben, davon sollen laut Ministerium so viele wie möglich besetzt werden. Dafür müsse es aber auch genügend Bewerber geben. (rom)

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