Schutz für Moor und Wald

Nach 30 Jahren Diskussion: Northeimer Kreistag beschließt sechs Naturschutzgebiete

Wald im Solling.
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Der Solling: Das südniedersächsische Mittelgebirge ist von Waldflächen geprägt. Weite Teile sind als Landesforsten gemeindefreies Gebiet

Gut Ding will Weile haben“ - oder auch nicht: Nach einem fast drei Jahrzehnte andauernden Verfahren hat der Northeimer Kreistag in seiner jüngsten Sitzung mehrheitlich die Verordnung für die Ausweisung von sechs Naturschutzgebieten verabschiedet, die vorwiegend im Solling liegen. Die Gebiete sind zusammen über 4000 Hektar groß.

Northeim – Der FDP-Kreistagsabgeordnete Dr. Christian Eberl (Nörten-Hardenberg), der von 2003 bis 2008 selbst Staatssekretär im niedersächsischen Umweltministerium war, versuchte noch, die Notbremse zu ziehen, scheiterte aber mit seinem Antrag auf Absetzung der betreffenden sechs Tagesordnungspunkte.

Eberl begründete den gemeinsamen Antrag der Gruppe FDP/Gemeinsam für Einbeck und dem Kreistagsabgeordneten Manfred Schön (Wolbrechtshausen) unter anderem mit Versäumnissen und rechtlichen Verstößen. So halte die Fachbehörde des Landes für Naturschutz die Ausweisung dieser Gebiete für möglich. „Dieser Hinweis entbindet den Kreis aber nicht von der gesetzlichen Verpflichtung zur Prüfung der Erforderlichkeit. Diese Prüfung hat nach unserer Kenntnis nicht stattgefunden.“

FDP-Kreistagsabgeordneter Dr. Christian Eberl

Auch dürften Naturschutzgebiete laut Gesetz außerhalb der Wege eigentlich nicht betreten werden. „Nach den Änderungsentwürfen wird hier der Ausnahmefall zum Regelfall. Wir halten das für rechtlich unzulässig.“ Eberls Fazit: Weder Mensch noch Natur bräuchten diese Naturschutzgebiete.

Landrätin Astrid Klinkert-Kittel (SPD) wies darauf hin, dass die Ausweisung auf Bitten der FDP seit 2016 mehrmals verschoben worden sei. „Ich bin sprachlos, dass die Partei wieder damit um die Ecke kommt.“ Dr. Bernd von Garmissen (CDU) verteidigte die Änderungen. Er nannte dafür das Beispiel eines Spielplatzes, dessen eine Hälfte beinahe im Naturschutzgebiet gelegen hätte.

Mit der Ausweisung der Naturschutzgebiete endet ein Verfahren, das 1992 durch die Europäische Union angestoßen wurde. Damit soll ein europaweites Netz von Schutzgebieten unter dem Namen Natura 2000 geschaffen werden.

4000 Hektar Naturschutzgebiet

Bei den Naturschutzgebieten handelt es sich um die Areale „Wald am Großen Streitrodt bei Delliehausen“ (228 Hektar), „Wälder am Schäferstein und am Hohen Rott bei Verliehausen“ (102 Hektar), „Moore und Wälder im Hochsolling“ (862 Hektar), „Wälder im östlichen Solling“ (1479 Hektar), „Wälder im Solling bei Lauenberg“ (322 Hektar) und „Wälder im südlichen Solling“ (1016 Hektar). Die Flächen sind zu 90 Prozent im Besitz der niedersächsischen Landesforsten. Hans-Peter Niesen

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