Optimismus trotz Sorgen bei der Festspielleitung

Domfestspiele in Bad Gandersheim: Spielen, um zu überleben

Von links: Geschäftsführer Thomas Groß, Bürgermeisterin Franziska Schwarz, Aufsichtsrats-Chef Uwe Schwarz und Intendant Achim Lenz an einem der Eingänge des Domfestspielgeländes.
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Wer das Festspielgelände betreten will, muss ein Drehkreuz passieren: Geschäftsführer Thomas Groß, Bürgermeisterin Franziska Schwarz, Aufsichtsrats-Chef Uwe Schwarz und Intendant Achim Lenz an einem der Eingänge.

Eine weitere wegen Corona ausfallende Spielzeit wäre für die Gandersheimer Domfestspiele wahrscheinlich das Ende.

Bad Gandersheim – Das hat der Aufsichtsratvorsitzende der gemeinnützigen Domfestspiel-GmbH, Uwe Schwarz, bei einer Pressekonferenz zum Spielzeitbeginn betont: „Das Überleben der Domfestspiele entscheidet sich in diesem Jahr.“

Er und Geschäftsführer Thomas Groß hoben dabei außerdem die Bedeutung der Sponsoren hervor, die ihr Geld im vergangenen Jahr nicht zurückhaben wollten, obwohl die Theatersaison vor der Stiftskirche coronabedingt nicht stattfand. Auch dass sehr viele Zuschauer, die 2020 Karten im Verkauf erworben hatten, auf die Rückzahlung ihres Eintrittsgeldes verzichtet und stattdessen Gutscheine akzeptiert oder das Geld gespendet hätten, sei eine große Hilfe gewesen, betonte Schwarz. Allein die Gutscheine von Kartenbesitzern des vergangenen Jahres, die nun eingelöst werden konnten und können, haben nach den Worten von Groß ein Gesamtvolumen von 420 000 Euro. Das gespendete Eintrittsgeld summiere sich auf einen „mittleren fünfstelligen Betrag“.

Zwei Sorgen treiben die Verantwortlichen bei dieser durch die Pandemie geprägten Spielzeit um. Zum einen ein möglicher Coronafall innerhalb des Ensembles. Die Folge wäre eine 14-tägige Quarantäne des Ensembles. Das, so Schwarz, ginge an die Existenz der Domfestspiele, weil die Spielzeit dann voraussichtlich beendet wäre. Zum anderen die Delta-Variante des Coronavirus. „Wenn sie hier einschlägt, wäre das für uns der Super-Gau“, sagte Schwarz. Sie würde wahrscheinlich einen starken Anstieg der Inzidenz bedeuten, die einen Abbruch der Spielzeit bedeuten würde.

Für die mit der Premiere der muskalischen Komödie „Die Drei von der Tankstelle“ am Freitag offiziell beginnende Spielzeit sind bisher rund 20 000 Karten verkauft worden. Maximal sind wegen der aus Infektionsschutzgründen auf die Hälfte reduzierte Plätze auf der Zuschauertribüne nach Schwarz’ Worten 35 000 Karten im Angebot.

Übrigens: Auch für die Premiere von „Die Drei von der Tankstelle“ sind noch ein paar Karten zu haben, die von Sponsoren nicht genutzt werden.

Intendant Achim Lenz betonte, wie groß die Freunde des gesamten Ensembles auf die Spielzeit sei. „Die Leute powern sich aus.“ Nach der Dschungelbuch-Premiere seien hinter der Bühne Freudentränen geflossen.

Angesichts der Spielfreude der Schauspieler, die froh seien, endlich wieder auf der Bühne stehen zu können, blickt Lenz optimistisch auf die Spielzeit: „Das wird großartig.“

„Es ist nicht einfach, unter diesen Bedingungen zu arbeiten“, betonte er. Die Proben unter Einhaltung der Coronabedingungen seien schwierig. Alle Schauspieler würden täglich getestet, bei den Proben hätten sie in den ersten Wochen Schutzmasken getragen.

Die durch die Corona-Schutzmaßnahmen entstandenen höheren Kosten hätten nur durch die Gewinnung neuer Sponsoren gedeckt werden können, so Groß.

Angesichts der gesunkenen Inzidenz ist die Festspielleitung im Gespräch mit dem Northeimer Gesundheitsamt, unter welchen Bedingungen eine Ausweitung der Zuschauerplätze auf 70 Prozent (700 Plätze) der vor Corona vorhandenen Plätze (999) möglich ist.

In jedem Fall wird es aber laut Geschäftsführer Groß keine generelle Ausweitung geben, sondern jeweils nur – mit drei Tagen Vorlauf – für einzelne Aufführungen. So soll unter anderem verhindert werden, dass niemand mit Eintrittskarten am Eingang abgewiesen werden muss, wenn bei einer gestiegenen Inzidenz die Besucherzahl wieder reduziert werden müsste. „Ich will nicht unseriös den Menschen etwas versprechen“, betonte Groß. Er erklärte, dass auch bei einer Erhöhung der Platzanzahl nur Mindestabstände reduziert würden, aber niemand direkt neben einem Fremden sitze werde. Es solle sich niemand bedrängt oder unsicher fühlen. (Olaf Weiss)

Namentliche Erfassung der Zuschauer

Eine Herausforderung für die Festspielleitung war, wie sicher gestellt werden kann, dass alle Zuschauer für eine eventuell notwendige Nachverfolgung namentlich erfasst werden. Gemeinsam mit dem Bad Gandersheimer Softwareentwickler Simply-X hat sie nach den Worten von Festspiel-Geschäftsführer Thomas Groß folgende Lösung entwickelt: Jeder Zuschauer muss vor Betreten des Festspielgeländes seine Karten und seinen Personalausweis an einem Terminal einscannen. Beim Betreten des Geländes durch aufgestellte Drehkreuze müssen die Zuschauer dann noch einmal ihre Eintrittskarte scannen. Damit, so Groß, wird der Zuschauer erfasst. „Dieses System gibt es sonst noch an keinem Festspielort“, betonte er. Er wolle Simply-X dabei unterstützen, es dort bekannt zu machen. (ows)

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