Tägliche Corona-Schnelltests

Altenheime „am Rande des Machbaren“ - Innere Mission fordert Bundeswehr an

Ein Mann wird gegen das Coronavirus geimpft. (Symbolbild)
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In Pflegeheimen im Kreis Northeim laufen die Impfungen schleppend, nun müssen Mitarbeiter auch noch täglich auf Corona getestet werden. Wird daher bald die Bundeswehr eingesetzt?

Mitarbeiter der Alten- und Pflegeheime im Kreis Northeim müssen täglich auf Corona getestet werden. Da dies schwer zu bewerkstelligen ist, ist die Aufregung groß.

Northeim - Seit Montag, den 25. Januar müssen in den niedersächsischen Alten- und Pflegeheimen die Mitarbeiter jeden Tag vor Dienstantritt auf das Coronavirus getestet werden. Das schreibt die neue Corona-Verordnung des Landes vor.

Frank Denecke, Chef des Seniorenheims Auetal in Echte, ist deswegen richtig empört: „Da wurde mal wieder etwas mit heißer Nadel auf dem Rücken der Pflegekräfte gestrickt“, sagte er auf HNA-Anfrage. „Ich halte die neue Vorschrift für schwer umsetzbar und übertrieben.“

Corona im Kreis Northeim: Alten- und Pflegeheim „am Rande des Machbaren“

Auch Robert Wehr, Leiter des Alten- und Pflegeheims der Inneren Mission in Northeim, ist genervt: „Wir sind jetzt am Rande des Machbaren“. Grundsätzlich begrüße er eine vermehrte Testung von Bewohnern, Angehörigen, Mitarbeitern und allen Personen, die das Haus betreten. Die Umsetzung könne aber nur mit einem hohen personellen Aufwand organisiert werden.

Die zusätzlichen Testungen aller Mitarbeitern vor Arbeitsbeginn sei ohne fremde Unterstützung nicht realisierbar. Wehr: „Gleich am Montag haben wir deswegen dringende Unterstützung der Bundeswehr angefordert, außerdem von Mitarbeitern, die über das Jobcenter vermittelt werden. Bei 145 Mitarbeitern in allen Bereichen kommen wir jetzt an die Grenze der Leistungsfähigkeit, wenn wir keine Hilfe bekommen“.

Und: Wenn jeder Mitarbeiter jeden Tag vor Dienstbeginn getestet wird, bedeutet dies einen erheblichen täglichen Mehraufwand an Arbeitszeit, da allein das Testen und die Auswertung etwa 30 Minuten dauern.

Ab sofort müssen in Alten- und Pflegeheimen Mitarbeiter täglich auf Corona getestet werden. Links Geschäftsführer Robert Wehr und Pflegedienstleiterin Heidi Lilienthal vom Alten- und Pflegeheim der Inneren Mission in Northeim.

Bundeswehr als Hilfe gegen Corona? Pflegeheime bei Northeim mit verschiedenen Ansichten

Wehr fordert, dass angesichts des weiter vorherrschenden „Pflegenotstands“ und der jetzt zusätzlich festgelegten Maßnahmen für die Einrichtungen eine schnelle Hilfestellung erfolgen müsse: „Sonst werden die Mitarbeiter trotz Motivation und unermüdlichem Einsatz für die Bewohner die Arbeit nicht mehr schaffen.“

Frank Denecke (Echte), will dagegen die Bundeswehr nicht anfordern: „Bundeswehrangehörige erhalten einen Stundenlohn von 20 Euro. Dies ist hinsichtlich der Vergütung gegenüber den Pflegekräften nicht darstellbar. Wir werden es über die Arbeitsagentur versuchen, rechnen aber nicht mit schneller Hilfe.“

Einrichtung in Echte (Kreis Northeim): Corona-Impfungen haben noch nicht gestartet

Was Denecke aber mindestens genauso ärgert, ist die Tatsache, dass in seiner Einrichtung noch keine Impfung stattgefunden hat: „Das Impfzentrum hat uns einen Termin Mitte März mitgeteilt. Diese Info haben wir erhalten, als gleichzeitig in den Medien verbreitet wurde, dass bis Mitte Februar in allen Heimen die ersten Impfungen abgeschlossen sein sollen. Das ist doch unglaublich“.

Martina Baars, Leiterin der Paschenburg in Hardegsen, bezeichnet die jetzt angeordnete Vorschrift zum täglichen Test der Mitarbeiter zum einen als sinnvoll, weil sie noch mehr Sicherheit bringe, zum anderen sei das tägliche Testen der Mitarbeiter aber auch eine organisatorische Herausforderung.

Kreis Northeim: Ausreichend Corona-Schnelltests verfügbar

In der Paschenburg wurden nach ihren Worten extra weitere Mitarbeiter eingestellt und ein Test-Team gebildet. Überstunden würden für die zu testenden rund 100 Mitarbeiter aber nicht anfallen. „Das wäre nur der Fall, wenn wir keine neuen Mitarbeiter eingestellt hätten“. Externe Unterstützung, zum Beispiel von der Bundeswehr, will die Paschenburg nach Baars Worten zunächst nicht anfordern: „Wir verlassen uns auf unsere eigene Organisation. Wir hatten jedoch auch noch keine Corona-Infektion im Haus. Sollte dies der Fall sein und Mitarbeiter ausfallen, würden wir darauf zurückgreifen.“

Positiv sei, dass ausreichend Corona-Schnelltests verfügbar seien, betonen Robert Wehr, Frank Denecke und Martina Baars übereinstimmend. In der Inneren Mission reicht der Vorrat an Schnelltests laut Wehr bis zum Ende der jetzt gültigen Verordnung am 14. Februar. 2000 Schnelltests kosten nach seinen Worten rund 14 000 Euro.

Einrichtung in Hardegsen (Kreis Northeim) hält an Corona-Schnelltests weiter fest

Frank Denecke betont, dass die Einrichtungen die Schnelltests vorfinanzieren müssen, das Geld dann aber wiederbekommen. Allerdings warte er noch auf die Erstattung für die ersten beiden Lieferungen.

In der Paschenburg in Hardegsen wird übrigens der Schnelltest für die Besucher beibehalten, auch wenn die 7-Tage-Inzidenz auf unter 50 sinkt: Es lohne nicht, ständig hin und her zu ändern, so Martina Baars, auch würde das nur für Verwirrung bei den Besuchern sorgen. In der Inneren Mission und im Altenheim Auetal sei das Test-Prozedere ab einem Wert von unter 50 bislang noch nicht abschließend geklärt. (kat)

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