Bei Sandstein-Sicherungsarbeiten finden Experten neue Erkenntnisse zur Kirchenhistorie

St. Sixti war zu früheren Zeiten rot

Bröckelig: Auch diese Kreuzblume in über zwölf Metern Höhe auf einem Sims gleich unterhalb des Daches der Northeimer Sixti-Kirche wurde bei den Arbeiten gesichert. Herunterfallen würden nun keine Steinbrocken mehr, versichern die Experten. Fotos: Gödecke

Northeim. Wer hätte das gedacht: In der Barockzeit um 1760 war die Northeimer Stadtkirche St. Sixti zumindest im unteren Fassadenbereich mit einem roten Anstrich versehen. Das ergaben Erkenntnisse des Fuldaer Restaurators Gerd Belk.

Sein Institut für Konservierung und Restaurierung (IfKR) führt derzeit im Auftrag der Landeskirche Sandstein-Sicherungs- und Restaurierungsarbeiten an dem Gotteshaus aus. „An etlichen Kalksteinquadern haben wir Pinselstriche mit roten Farbresten entdecken können“, sagt Firmenchef Belk. Dank einer unmittelbar daneben gefundenen Inschrift mit der Jahreszahl 1763 könne man die rote Phase auch datieren.

Auch in der gotischen Zeit davor war die aus Kalkstein- und Buntsandstein-Quadern bestehende untere Fassade offenbar nicht „natursteinsichtig“ wie heute, fährt der Restaurator fort. Insbesondere an den Seiten-Eingangsportalen des Kirchschiffes habe er und seine Mitarbeiterin, Suleika Behan, Pinselspuren mit ockergelben Farbresten gesichtet und dokumentiert. Die Anstriche haben die damaligen Kirchenoberen offenbar veranlasst, um der aus zwei Steinsorten bestehenden Sixti-Außenfassade ein einheitliches Bild zu geben.

Sandstein-Sanierungsarbeiten an St. Sixti

 © HNA/Goedecke
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Auch andere Entdeckungen machten Belk und Behan während der Konservierungs- und leichten Ausbesserungsarbeiten, für die Landeskirche 12 000 Euro zur Verfügung gestellt hat: Sowohl der ab 1470 entstandene Chor als auch das zwischen 1492 und 1498 gebaute Kirchenschiff sind von der selben Bauhütte errichtet worden. Dies beweisen laut Belk viele Initialen die die Baumeister der Bauhütten, darunter Meister Hans Meinecke und Lorenz von Freiburg, auf den Steinen eingemeißelt haben.

Die Sicherungsarbeiten an der Sixti-Fassade hatte die Landeskirche in Auftrag gegeben , weil während der Dacharbeiten in den vorigen Wochen Schäden entdeckt worden waren. Belk, dessen Firma auch die Sanierung der Jacobikirche Göttingen koordiniert, sichert mit seinen Experten nicht nur bröckelnde Stein- und Zierelemente. Er dokumentiert auch den Zustand der Fassadenfelder und Strebpfeiler und ermittelt die Kosten für spätere Wartungs- und Sanierungsarbeiten.

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