Landwirtschaft in der Region

Mit 600 PS über den Acker: So funktioniert die Zuckerrübenernte

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Roden im Hundegang: Um die Last des voll beladenen, an die 45 Tonnen schweren Kolosses auf dem Ackerboden möglichst breit zu verteilen, wird die Spur des dreiachsige Gefährts so verstellt, dass die Räder nicht direkt hintereinander, sondern versetzt laufen.

Mit der Kraft von 600 PS im Heck ist Burkhard Hesse auf einem Acker bei Berwartshausen im Landkreis Northeim unterwegs. Wir haben uns von ihm erklären lassen, wie die Zuckerrübenernte funktioniert.

Hesse steuert einen selbstfahrenden Rübenroder („Vollernter“). Das 21 Tonnen schwere Gefährt, das dem Maschinenring Leinetal gehört, ist in der Lage, die Rüben von sechs Reihen gleichzeitig aus der Erde zu ziehen.

Der Maschinenring mit Sitz in Northeim besitzt drei solcher Maschinen, von denen eine ohne Mehrwertsteuer über 500 000 Euro kostet. Der Geschäftsführer des Maschinenrings, Andreas Hamann, und Fahrer Hesse haben uns erläutert, wie sie funktionieren.

1. Lenken 

Der Fahrer muss sein Lenkrad vor allem bei Leerfahrten und beim Wenden auf dem Acker sowie bei Straßenfahrten benutzen. Beim Roden übernehmen das Taster, die entsprechend des Verlaufs der Rübenreihen Lenkbefehle geben. Nur bei engen Kurven und wo die Rübenreihen ineinanderlaufen, beispielsweise wenn Felder spitzwinklig auslaufen, muss der Fahrer das Steuern übernehmen.

Der Taster: Mithilfe der Flacheisen folgt der Roder dem Verlauf der Rübenreihen.

2. Häckseln und Köpfen 

Ehe die Rüben aus dem Boden gezogen werden, wird das Blattwerk abgehäckselt. Anschließend werden sie geköpft. Das heißt, die Blattstängel werden möglichst flach abgeschlagen. Weil nicht alle Rüben gleich hoch aus dem Boden gewachsen sind, sorgt auch dabei ein Taster dafür, dass jede Rübe in der richtigen Höhe geköpft wird.

Häckselwerk: Diese auf einer rotierenden Welle montierten Messer entfernen die Blätter von den Rüben.

3. Roden 

Dann wird jede Rübe von zwei Scharen erfasst und aus dem Boden gezogen. Bei günstigen Bedingungen kann man mit so einem Roder in einer Stunde die Rüben von bis zu 7500 Quadratmeter Acker roden. Das entspricht etwa der Fläche eines großen Fußballplatzes. Wegen der schlechten Bedingungen durch den vielen Regen in diesem Jahr geht es in dieser Rüben-Kampagne aber meistens deutlich langsamer.

Rodeschare: Sie heben die Rüben aus dem Boden.

4. Reinigen

Die Erde, die noch an den Rüben klebt, soll möglichst auf dem Acker bleiben. Einerseits, weil sie in der Zuckerfabrik nur stört, andererseits weil es wertvoller Boden ist, der dem Acker nicht entzogen werden soll. 

Stehwalzen: Auf diesen Förderschnecken landen die gerodeten Rüben. Sie versetzen die Rübe in Kullerbewegungen, die dafür sorgen, dass die noch anhaftende Erde abfällt.

Damit möglichst viel Erde abfällt, werden, die Rüben polternd weitertransportiert. Über Stahlwalzen und ein aus Stahlstangen bestehendes Förderband geht es für sie auf drei hintereinander angeordnete, rotierende sogenannte Siebsterne.

Siebsterne: Damit sich weitere Erde von den Rüben löst, müssen sie noch drei rotierende Siebsterne passieren.

5. Bunkern 

Von einem Elevator, einer Art Paternoster, werden die Rüben anschließend in den Bunker transportiert. Der ist 40 Kubikmeter groß. Bis zu 25 Tonnen Rüben fasst er.

Elevator: Per Förderband geht es dann für die Rüben in den Bunker des Roders.

6. Entladen

Ist der Bunker voll, wird er über ein Förderband entleert. Diese Mieten genannten lang gezogenen Rübenhaufen werden am Feldrand angelegt, damit die Lastzüge, mit denen sie später abtransportiert werden, für das Verladen nicht auf den Acker fahren müssen, sondern auf dem Feldweg oder der Straße bleiben können.

Abladen: Über ein Förderband werden die Rüben am Feldrand zu langen Mieten aufgeschüttet.

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