NS-Kontakte des Heimatdichters – Hann. Mündener Schule erwägt Namensänderung

Sohnrey sorgt für Wirbel

Im Moringer Museum: Junge Sohnrey mit Mutter. Archiv-Foto: nik

Hann. Münden/Northeim/Moringen/Uslar. Das nach wie vor ungeklärte Verhältnis des Sozialreformers Heinrich Sohnrey (1859 - 1948) zum NS-Regime wurde im Landkreis Northeim schon mehrfach öffentlich diskutiert. In Hann. Münden erwägt nun die dortige Heinrich-Sohnrey-Realschule ihren Namen zu ändern. Anlass für diese Überlegungen war der Brief eines pensionierten Lehrers an den Landkreis Göttingen, nachdem dessen neue rot-grüne Mehrheit beschlossen hatte, keine Projekte zu fördern, die Sohnreys Verstrickungen mit dem NS-Regime verharmlosen.

Lehrer und Vereinsgründer

Sollte es tatsächlich zu einer Umbenennung kommen wäre das nach Ansicht des Moringer Bürgermeisters Hartmut Schnabel kein Anlass, sich über eine Namensänderung der Moringer Sohnreystraße oder der Nienhagener Sohnreyhütte Gedanken zu machen. „Der Name Sohnrey ist im Raum Moringen eigentlich nur mit positiven Dingen verbunden“, sagt Schnabel auf HNA-Anfrage und erinnert daran, dass sich der Heimatdichter und Sozialreformer insbesondere in der Ortschaft Nienhagen als Dorfschullehrer und Gründer des örtlichen Gesangvereins für die Verbesserung der Lebensverhältnisse der Menschen eingesetzt habe.

„Die Kritikpunkte sind ja nicht neu“, sagt Eberhard Vaupel, Mitglied des Nienhagener Gesangvereins. Anlässlich des 150. Geburtstags Sohnreys im Jahr 2009 habe sich der Verein ausführlich mit dem Thema beschäftigt. Vaupel: „Für uns hat sich dabei herauskristalisiert, dass Sohnrey wohl eher vom NS-Regime ausgenutzt worden ist.“

„Nicht mit Ruhm bekleckert“

Auch nach Einschätzung von Dr. Wolfgang Schäfer, Leiter des Städtischen Museums Uslar und des Stadtarchivs, der anlässlich des 150. Geburtstages eine auch im Moringer Heimatmuseum zu sehende Ausstellung über das Leben und Wirken Sohnreys erarbeitet hat, ist der Heimatdichter nie „als Steigbügelhalter der Nazis“ hervorgetreten. Vielmehr habe sich Sohnrey an die politischen Verhältnisse angepasst, um seine ökonomische Existenz als Autor und Verleger zu sichern. In diesen Jahren habe Sonrey sich allerdings nicht „mit Ruhm bekleckert“.

Die Meinungen der Experten, die sich bislang zum Thema Namensänderungen geäußert haben gehen weit auseinander. In der Kreisstadt wird man laut Jörg Dodenhöft, stellvertrender Verwaltungschef im Northeimer Rathaus, die Entwicklung in Hann. Münden sicherlich verfolgen, denn auch in Northeim ist eine Straße nach Sohnrey benannt. „Sollte der Name der Schule geändert werden, werden wir der Politik das Thema sicherlich zur Entscheidung vorlegen“, sagt Dodenhöft auf HNA-Anfrage. (nik/kri)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.