Soja in der Schweinemast kann gut fürs Klima sein

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Jürgen Ropeter ist mit dem CO2-Fußabdruck seines Schweinemastbetriebes zufrieden.

Mit dem verstärkten Einsatz von Soja als Kraftfutter können Schweinemastbetriebe ihren sogenannten CO2-Fußabdruck verbessern.

Das ist das Ergebnis der ersten landwirtschaftlichen Betriebsberatung, die jetzt im Rahmen eines landesweiten Projektes in der Modellregion Leineweber-Sechseck (wir berichteten) stattgefunden hat.

„Voraussetzung dafür ist aber, dass zertifiziertes oder in der Europäischen Union angebautes Soja aus der Donauregion verwendet wird,“ betont Dr. Ulla Becker von der Landwirtschaftskammer Northeim. Zusammen mit ihren Kollegen Talke Heidkroß (Oldenburg) und Jochen Klostermann (Hameln) hat sie den Betrieb von Jürgen Ropeter aus Hevensen begutachtet, der sich an dem vom Land Niedersachsen geförderten Projekt beteiligt hat.

Hintergrund für diese überraschende Aussage ist laut Becker, dass bei der Bewertung des Betriebes der CO2-Ausstoß pro Kilogramm produzierten Schweinefleischs zugrundegelegt wird, und da sei Soja aufgrund seiner guten Eigenschaften als Proteinlieferant unschlagbar. „Aber natürlich nur dann, wenn dafür nicht irgendwo Wälder abgeholzt werden, sondern das Soja aus nachhaltiger Produktion stammt.“

Als eine weitere Möglichkeit, die Klimabilanz von landwirtschaftlichen Betrieben zu optimieren, bewertet das eigens für das Projekt erarbeitete Computerprogramm, mit dem die Berater der Landwirtschaftskammer jetzt landesweit Beratungen vornehmen, die Verwendung des selbst per Fotovoltaik erzeugten Stroms als positiv.

Für den Betrieb von Jürgen Ropeter ist das noch keine Option, weil es für den Strom der auf dem Dach seines Schweinemaststalls produziert wird, derzeit noch genügend Einspeisevergütung gibt. „Wenn die alten Verträge auslaufen wird das Ganze aufgrund der aktuellen niedrigen Strompreise für mich aber interessant“, sagt Ropeter.

Auch den anderen Optimierungsmöglichkeiten, die die Beratung ergeben hat, steht Ropeter positiv gegenüber – auch wenn die für ihn derzeit finanziell unter dem Strich keinen Gewinn bringen. Ropeter ist aber überzeugt davon, dass das im Falle der Einführung einer CO2-Steuer für seinen und auch für andere Betriebe der Fall wäre.

Vom Besucherraum aus können Jochen Klostermann (von links), Talke Heidkroß und Dr. Ulla Becker von der Landwirtschaftskammer den Schweinestall von Jürgen Ropeter betrachten. 

Dass sein Schweinemastbetrieb in Sachen CO2-Bilanz bereits relativ gut aufgestellt ist, hat Landwirt Jürgen Ropeter eigentlich schon geahnt – trotzdem ist seine Freude groß, als das von der Landwirtschaftskammer entwickelte Computerprogramm sein Gefühl bestätigt. Zuvor hat Talke Heidkroß von der Landwirtschaftskammer Oldenburg das Programm mit den Daten seines Schweinemastbetriebes gefüttert. 

Aus denen ging hervor, dass Ropeter im vergangenen Jahr rund 3350 Schweine produziert hat, die jeweils ein Gewicht von etwa 130 Kilogramm und einen Anteil von 78 Prozent an verwertbarem Fleisch hatten. Wenn die Schweine als Ferkel bei ihm ankommen, bringen sie lediglich rund 30 Kilo auf die Waage. Mit rund 290 Kilo Futter je Tier werden sie auf ihr Schlachtgewicht gemästet – insgesamt pro Jahr drei Durchgänge mit jeweils etwa 1200 Tieren, wobei das Futter zum größten Teil selbst auf dem Hof produziert wird. 

Ropeter hält seine Tiere in einem sogenannten Außenluftstall, in dem die gleichen Bedingungen und Temperaturen herrschen wie draußen. Es gibt also keine Heizung, was sich natürlich positiv auf den Energieverbrauch auswirkt. Pro Tier schlägt daher lediglich ein Stromverbrauch von 0,94 Kilowattstunden zu Buche. 

Besonders gut bewertet das Programm, wie Ropeter die Hinterlassenschaften seiner Schweine verarbeitet. Als die entsprechenden Daten eingegeben werden, verändert sich auf dem Bildschirm der Balken, der die CO2-Belastung darstellt, dramatisch. 

Da Ropeter seine Tiere auf Stroh hält (pro Tier werden 80 bis 100 Kilogramm verbraucht), gibt es keine Probleme mit der Entsorgung von Gülle. Allerdings fallen große Mengen an Mist an, die zu hundert Prozent für die Produktion von Biogas genutzt wird.

Wenn das jetzt auch noch gleich nebenan in der Hardegser Biogasanlage stattfinden könnte, wäre es geradezu ideal für Ropeters Klimabilanz. „Aus technischen Gründen ist die Anlieferung dort für uns aber leider nicht möglich“, sagt Ropeter. „Daher müssen wir alles mit dem Traktor nach Hillerse bringen.“

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