Nordhessische Bürgerinitiativen fordern neue Prüfung der Alternative der Kasseler Kurve

Die Sollingbahnstrecke für Güterverkehr auszubauen, bleibt im Gespräch

Am Bahnhof in Bodenfelde gibt es zwei Gleise, auf denen gerade Regionalbahnen stehen.
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Teilstück der 64 Kilometer langen Sollingbahn: Am Bahnhof in Bodenfelde gibt es zwei Gleise, auf denen gerade Regionalbahnen stehen. Als Sollingbahn wird die Strecke Ottbergen-Northeim bezeichnet.

Der Ausbau der Sollingbahnstrecke für den Güterverkehr bleibt im Gespräch.

Kassel / Northeim – Im Kreis Kassel kämpfen Bürgerinitiativen sowie Landtags- und Bundestagsabgeordnete der SPD weiter gegen den geplanten Bau der sogenannten Kasseler Kurve. Stattdessen fordern sie als schnellere Bahnverbindung für den Güterverkehr vom Ruhrgebiet nach Mitteldeutschland den Ausbau der Strecke von Altenbeken über Ottbergen, Bodenfelde und Northeim nach Nordhausen.

Die von der Deutschen Bahn präsentierten vorläufigen Investitionskosten für die fünf Trassenvarianten der Kasseler Kurve befeuern den Widerstand. Laut DB Netz AG bewegen sich die Kosten für den Kurve Kassel zwischen 200 und 665 Millionen Euro.

Die Bürgerinitiativen Vellmar, Fuldatal, Espenau, Immenhausen und Grebenstein sowie die SPD-Bundestagsabgeordnete Esther Dilcher und die SPD-Landtagsabgeordneten Wolfgang Decker, Manuela Strube und Oliver Ulloth fordern deshalb erneut die Prüfung der Trasse Altenbeken – Northeim – Nordhausen.

Der Ausbau der Sollingtrasse soll 437 Millionen Euro kosten. „Es liegen nur noch rund 200 Millionen Euro zwischen der Kurve Kassel und der Sollingtrasse. Damit hat sich der Kostenunterschied mehr als halbiert“, sagt Helga Heinemann (BI Fuldatal). Zunächst waren 80 Millionen Euro für die Kurve veranschlagt worden.

„Wenn die Bahn nur die Baukosten vergleicht, blendet sie wesentliche Fakten aus,“ sagt Klaus Werner, (BI Vellmar). Die 32 Kilometer kürzere Sollingtrasse biete Einsparungspotenziale bei Fahrzeit, Energie und Emission. „Das macht sie zur wirtschaftlich und ökologisch deutlich besseren Lösung,“ erklärt Strube.

Die Anwohner an dieser Strecke hätten beim Ausbau nicht nur einen Anspruch auf Lärmschutz, es würden sich auch Potenziale für den Ausbau des öffentlichen Nahverkehr ergeben.

„Wir waren von Anfang an überzeugt, dass der Bund auf einer illusorischen Grundlage den planungsrechtlichen Rahmen auf den Suchraum Kurve Kassel beschränkt hat“, sagt Peter Schürmann (BI Espenau).

Es gibt allerdings neben den Kosten noch einen weiteren Grund, wieso die Sollingbahn nicht weiter betrachtet wird: Ihr Ausbau ist nicht Teil des 2016 beschlossenen Bundesverkehrswegeplans. Laut des parlamentarischen Staatssekretärs im Bundesverkehrsministeriums, Enak Ferlemann (CDU), fehlt damit die gesetzliche Grundlage für eine Ausbauplanung der Strecke.

Die DB Netz AG hatte im März vergangenen Jahres beschlossen, den Ausbau der Sollingbahn nicht weiter zu verfolgen. Hauptgrund, sich auf die Kasseler Kurve zu konzentrieren, waren die Kosten. Die DB Netz hatte damals den Ausbau der Strecke zwischen dem westfälischen Altenbeken über Bodenfelde und Northeim bis nach Nordhausen mit 500 Millionen Euro veranschlagt. Die Strecke Altenbeken – Nordhaussen müsste elektrifiziert werden. Außerdem müssten unter anderem drei Tunnel (mit einer Gesamtlänge von über 1100 Metern) saniert und ein Tunnel (Länge 960 Meter) durch einen Neubau ersetzt werden. Die Tunneldecken seien zu niedrig für eine Elektrifizierung.

Die 30 Kilometer kürzere Strecke durch den Solling war für die DB Netz kein Argument. Sie verwies damals auch darauf, dass es keinen Bedarf für eine Erweiterung des Personenverkehrs auf der Strecke gebe.

Die Städte und Gemeinden im Landkreis Northeim entlang der Strecke hatten sich kritisch zu einem Ausbau der Strecke geäußert. (alh/ows)

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