Northeimer Kreistagsfraktion der Sozialdemokraten sauer über den Vorstoß nordhessischer Parteifreunde

SPD gegen den Ausbau der Sollingbahnstrecke

Auf der Sollingbahnstrecke zwischen Bodenfelde und Northeim sind fast ausschließlich Regionalbahnen unterwegs. Im Bild der Hardegser Bahnhof, wo sich auf einem Ausweichgleis der eingleisigen Strecke Triebwagen begegnen können.
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Auf der Sollingbahnstrecke zwischen Bodenfelde und Northeim sind fast ausschließlich Regionalbahnen unterwegs. Im Bild der Hardegser Bahnhof, wo sich dank eines Ausweichgleises auf der eingleisigen Strecke Triebwagen begegnen können.

Verärgert hat die Northeimer SPD-Kreistagsfraktion auf die neuerliche Forderung aus Nordhessen reagiert, statt des Baus der sogenannten Kasseler Kurve die Sollingbahnstrecke auszubauen, um den Güterzugverkehr in West-Ost-Richtung zu beschleunigen.

Northeim – „Die Versuche nordhessischer und Kasseler Politiker, dieses Projekt und damit den Güterverkehr auf die Strecke entlang des Sollings und des Südharzes zu verschieben, missbilligen wir auf das Schärfste“, betont der Vorsitzende der SPD-Kreistagsfraktion und Landtagsabgeordnete Uwe Schwarz. Dass diese Forderung neben Bürgerinitiativen von nordhessischen SPD-Landtags- und -Bundestagabgeordneten erhoben worden ist, erwähnt Schwarz dabei nicht (HNA berichtete).

Wenn man in Nordhessen die besonderen Beeinträchtigungen durch einen verstärkten Bahnverkehr beklage, dann sei dieser durch eine Verschiebung nach Niedersachsen noch lange nicht aus der Welt, sondern nur in einem anderen Bundesland, kritisiert Schwarz.

Er und Fraktionsgeschäftsführer Peter Traupe fordern die nordhessischen Parteifreunde auf, „künftig alle Versuche zu unterlassen, das Projekt in eine Region zu verschieben, in der sie keine Verantwortung tragen und sich nicht gegenüber den Wählerinnen und Wählern rechtfertigen müssen“. Die bisherige Vorgehensweise der Nordhessen, sei gegenüber anderen haupt- und ehrenamtlich Tätigen in der Politik unfair und unsolidarisch.

SPD-Kreistagsfraktiosnvorsitzender Uwe Schwarz

Ein Ausbau der Sollingbahnstrecke, den die Deutsche Bahn bereits aus Kostengründen abgelehnt hat, kommt für Schwarz und Traupe außerdem aus folgenden Gründen nicht infrage:

-   Der Güterzugverkehr würde die touristische Infrastruktur im Solling stören.

-  Der Güterzugverkehr würde unter anderem mitten durch Bodenfelde und Northeim geführt. In der Kreisstadt würde das zur Verkehrsbehinderungen führen, weil drei innerörtliche Bahnschranken dann häufig geschlossen wären.

-  Es sei außerdem zu befürchten, dass durch die Auslastung der Strecke mit Güterverkehr der Personennahverkehr auf der Strecke reduziert werden müsse.

Den Ausbau der Bahnstrecke von Altenbeken über Bodenfelde und Northeim bis nach Nordhausen hat die DB Netz AG mit 437 Millionen Euro veranschlagt.

Sie müsste vollständig elektrifiziert werden. Zwischen Bodenfelde und Northeim wäre die Vergrößerung von drei Tunneln und der Neubau eines weiteren Tunnels notwendig. Außerdem müsste in diesem Streckenabschnitt die Zweigleisigkeit wieder hergestellt werden.

Den Bau der Kasseler Kurve von der Bahnstrecke Warburg-Kassel zur Strecke Kassel-Hann. Münden ist mit insgesamt 200 Millionen Euro kalkuliert.

„Verkehrspolitik mit dem Holzhammer“

Der Regionalverband Südniedersachsen des Fahrgastverbandes Pro Bahn hofft, dass nach der Kommunalwahl am 14. März in Hessen wieder eine sachliche Diskussion um den Bahnausbau möglich ist. Der südniedersächsische Pro-Bahn-Regionalvorsitzende Gerd Aschoff nannte die nordhessische Kritik an den Bahnplanungen eine rückwärtsgewandte Verkehrspolitik. Pro Bahn könne die harsche Reaktion der SPD nachvollziehen.

Dabei erinnerte Aschoff daran, dass Pro Bahn sich für einen gleichwertigen Ausbau der Kasseler Kurve und der Bahnstrecke durch den Solling und den Südharz ausgesprochen habe. „Die Holzhammer-Methoden der Nordhessen haben unsere Bemühungen aber kaputt gemacht.“

„Wer Klimagerechtigkeit will, muss sein Schneckenhaus verlassen und mehr für den flächendeckenden Ausbau des Bahnverkehrs tun“, appelliert der Fahrgastverband in einer Pressemitteilung an alle Parteien in der Region. (ows)                         

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