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SPD und Grüne zufrieden, CDU enttäuscht

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Von: Frank Schneider, Jürgen Dumnitz, Olaf Weiss, Axel Gödecke, Niko Mönkemeyer

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Grafik: So haben die Direktkandidaten im Wahlkreis Northeim abgeschnitten.
So haben die Direktkandidaten im Wahlkreis Northeim abgeschnitten. © HNA

Northeim / Einbeck – Einen Tag nach der Landtagswahl haben die Kreisverbände der Parteien eine erste Analyse des Wahlergebnisses vorgenommen.

Grafik: So haben die Direktkandidaten im Wahlkreis Einbeck abgeschnitten.
So haben die Direktkandidaten im Wahlkreis Einbeck abgeschnitten. © HNA

Aus Sicht von Frauke Heiligenstadt, Vorsitzende des SPD-Unterbezirks Northeim-Einbeck ist der Ausgang der Landtagswahl ein deutliches Zeichen dafür, dass in der SPD der Generationswechsel geglückt ist. „Dass wir aus dem Stand mit zwei völlig neuen Kandidaten die Direktmandate in den Wahlkreisen Northeim und Einbeck gewinnen konnten, freut uns sehr, zumal die Ausgangslage hinsichtlich der aktuellen politischen Themen für uns nicht einfach war“, sagt Heiligenstadt und betont, dass bei dem zurückliegenden Wahlkampf insbesondere die jüngeren Parteimitglieder ein großes Engagement gezeigt hätten. „Unser Ziel war es, dass die SPD die stärkste politische Kraft bleibt, sowohl auf Landesebene als auch im Landkreis Northeim. Und das ist uns gelungen.“

Frauke Heiligenstadt, Vorsitzende des SPD-Unterbezirks.
Frauke Heiligenstadt, Vorsitzende des SPD-Unterbezirks. © Photothek.net

„Das Ergebnis ist sehr ernüchternd, wir hatten uns in beiden Wahlkreisen mehr erhofft“, bilanziert der Vorsitzende des CDU-Kreisverbands, David Artschwager das Wahlergebnis der CDU im Landkreis Northeim. Man habe gehofft, mit zwei jüngeren Kandidaten frischen Wind in die Landespolitik bringen zu können, aber „der Landestrend hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht.“ Das Landtagswahlergebnis sei nicht als Abstimmung über gute Arbeit der Ampel im Bund zu werten, sondern sei auf Landesthemen und die Beliebtheit des amtierenden Ministerpräsidenten, Stephan Weil, zurückzuführen, so Artschwager.

David Artschwager, Vorsitzender des CDU-Kreisverbands.
David Artschwager, Vorsitzender des CDU-Kreisverbands. © Roland Schrader

Für den Kreisverband der Grünen ist die Vorsitzende Marion Christ „sehr erfreut darüber, dass wir in allen zwei Wahlkreisen zweistellige Ergebnisse erzielt haben“, sagte die Einbeckerin am Montag. Sowohl Joel Birmann als auch Urs Liebau hätten gute Ergebnisse eingefahren. Eine Chance, über die Landesliste in den Landtag einzuziehen, hatte beide nicht. Sie hatten keine Listenplätze.

Die Stimmverteilung bei den Zweitstimmen im Wahlkreis Northeim.
Die Stimmverteilung bei den Zweitstimmen im Wahlkreis Northeim. © HNA

Christ sieht für die Grünen in Niedersachsen seit der Wahl 2017 deutliche Gewinne und hofft, dass sich schnell eine rot-grüne Landesregierung bildet.

AfD sieht in Nichtwählern Potenzial für sich

AfD-Kreisvorsitzender Maik Schmitz
AfD-Kreisvorsitzender Maik Schmitz. © Hubert Jelinek.

„Fast 13 Prozent in den Städten Northeim und Einbeck und sogar 15 Prozent in Moringen sind herausragende Resultate für uns“, freut sich AfD-Kreisvorsitzender Maik Schmitz über das Abschneiden seiner Partei. Bis auf Hardegsen habe die AfD überall zweistellige Ergebnisse erreicht.

Die Stimmverteilung bei den Zweitstimmen im Wahlkreis Einbeck.
Die Stimmverteilung bei den Zweitstimmen im Wahlkreis Einbeck. © HNA

Dass die Partei vom rechten Rand ihre Stimmenanteile in ihren Hochburgen fast verdoppeln konnte, zeigt aus Schmitz‘ Sicht, dass die AfD das Potenzial zur Volkspartei habe. Angesichts der niedrigen Wahlbeteiligung sieht er für seine Partei noch viel Potenzial. „Die Altparteien müssen anfangen, mit uns ins Gespräch zu kommen“, fordert er. „Wir sind immer bereit, mit jedem zu reden.“

Der Kreisvorsitzende der Partei Die Linke im Landkreis Northeim, Klaus-Wilhelm Depker.
Der Kreisvorsitzende der Partei Die Linke im Landkreis Northeim, Klaus-Wilhelm Depker. © Hans-Peter Niesen

Von einem frustrierenden Ergebnis spricht Klaus-Wilhelm Depker (Fredelsloh), Vorsitzender des Northeimer Kreisverbands Die Linke. Da gebe es nichts schönzureden, sagt Depker, der die internen Diskussionen der Linken als Ursache für den Misserfolg bei der Landtagswahl sieht. Mit der gesamten Partei müsse nun das Ergebnis analysiert, diskutiert und ein Weg gefunden werden, wie man mehr Menschen überzeugen kann, für mehr Soziales und Gerechtigkeit einzustehen.

Depker forderte einen heißen Herbst gegen nach seinen Worten die unsoziale Ampel-Regierung in Berlin.

(Axel Gödecke, Niko Mönkemeyer, Jürgen Dumnitz, Frank Schneider, Olaf Weiss)

Grascha (FDP): „Hatte die Hoffnung, dass es reicht“

Maßlos enttäuscht vom Wahlausgang ist Christian Grascha. Der Kreisvorsitzende der FDP verliert sein Landtagsmandat, da seine Partei an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert ist.

14 Jahre hat er dem Landesparlament in Hannover angehört. Auf Listenplatz 5 der Liberalen platziert, galt sein Wiedereinzug als sicher – wenn die FDP weiter dem Landtag angehört. Angesichts der Ergebnisse der Wahlumfragen sei klar gewesen, dass es knapp werde, sagte Grascha am Montag. Er habe aber die Hoffnung gehabt, dass es reichen würde. Zumal er die Stimmung im Wahlkampf als nicht so negativ erlebt habe als bei der Bundestagswahl 2013, „als wir aus dem Bundestag geflogen sind“.

Christian Grascha, FDP-Kreisvorsitzender
FDP-Kreisvorsitzender Christian Grascha. © Grascha

Das landesweite Ergebnis seiner Partei bei der Landtagswahl bezeichnete er als bittere, totale Niederlage. Dass er persönlich als Direktkandidat im Wahlkreis Einbeck mit 8 Prozent fast doppelt so gut abgeschnitten hat wie seine Partei (4,5 Prozent), ist da kein echter Trost. Die Ursache für das schlechte Abschneiden der FDP sieht auch Grascha in der Ampelkoalition auf Bundesebene. Die Landespolitik habe im Wahlkampf praktisch keine Rolle gespielt. Das Dreier-Bündnis mit SPD und Grünen sei der FDP-Stammwählerschaft nur schwer vermittelbar, betonte der FDP-Kreisvorsitzende. Zwar sei es in den vergangenen Wochen in Berlin besser gelungen, liberale Inhalte auf Bundesebene deutlich zu machen, doch das habe nichts mehr genutzt.

Grascha gratuliert den beiden gewählten Direktkandidaten Sebastian Penno und René Kopka von der SPD. Er wünsche, dass sie den Kreis gut in Hannover vertreten.

Wie es für ihn persönlich weitergeht, weiß Grascha noch nicht. Als parlamentarischer Geschäftsführer der FDP im Landtag müsse er zunächst in den kommenden vier Wochen die Fraktion abwickeln, ebenso sein Wahlkreisbüro in Einbeck. Erst wenn diese Arbeit erledigt sei, werde er sich konkretere Gedanken über seine Zukunft machen. (ows)

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