Ein Jahr nach schwerem Unfall im Solling

Spektakulärer Lkw-Crash-Test wirft noch viele Fragen auf

Soll mehr als 50 km/h schnell gewesen sein: Laster beim Crash-Test im Mai 2017 im Solling.

Fürstenhagen. Der illegale Crash-Test mit einem Lkw im Solling wirft auch nach einem Jahr noch Fragen auf. Bei dem spektakulären Unfall wurde der Lkw-Fahrer schwer verletzt. Es wird weiter ermittelt. 

Über ein Jahr ist der schwere Unfall bei einem privaten Lkw-Crash-Test in Fürstenhagen im Solling her, bei dem der 48-jährige Fahrer des Lkw schwer verletzt wurde. Ein Unternehmer aus Uslar wollte eine von ihm entwickelte, so genannte „Nizza-Sperre“ testen und hatte dafür einen Lastwagen umbauen lassen.

Die Staatsanwaltschaft Göttingen hatte nach dem Crash-Test Ermittlungen gegen den Unternehmer wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung und des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr eingeleitet. Doch die Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft dauern noch immer an. 

Es gibt offensichtlich viele Fragen, die noch geklärt werden müssen: War der Test auf einer öffentlichen Straße von den Behörden genehmigt worden? Welche Rolle spielten die vielen anwesenden Feuerwehrleute bei dem Test? Offiziell hieß es, die Feuerwehr sei an dem Tag bei Fürstenhagen zu einer „technischen Hilfeleistung“ verabredet gewesen.

Auch scheint es bei der Frage, welche Fahrgeschwindigkeit beim Aufprall auf den Prototyp der Sperre zwischen Unternehmer und Testfahrer vereinbart worden war, sehr unterschiedliche Aussagen zu geben. Viele Zuschauer hatten den Vorfall damals mit ihren Handys gefilmt, wenig später waren erste Videos im Internet aufgetaucht. Auch der Unternehmer hatte den Crash-Test mit einer Drohne filmen lassen und die Aufnahmen auf seiner Homepage zu Werbezwecken benutzt.

Der bei dem Unfall schwer verletzte Fahrer musste über Wochen und Monaten behandelt werden. Wie es ihm heute geht, ist nicht bekannt.

In die Kritik geraten war auch die Uslarer Polizeichefin, die den Vorfall fast zwei Wochen unter Verschluss gehalten hatte, angeblich, um die Familie des Fahrers zu schützen. Erst durch den Druck der Medien wurde der schwere Unfall dann öffentlich gemacht.

Andreas Buick, Oberstaatsanwalt und Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Göttingen, sagte auf HNA-Anfrage, dass die Ermittlungsakte zu dem Crash-Test „immer unterwegs ist“. Gerade erst habe der Anwalt des Unfallopfers  noch einmal um Akteneinsicht gebeten. 

Ein weiterer Grund für die seit einem Jahr dauernden Ermittlungen sei, dass zahlreiche Zeugen vernommen werden müssen. Das sei Aufgabe der Polizei. Zudem gebe es von beiden Seiten – den Anwälten des Testfahrers und des Uslarer Unternehmers – immer wieder Stellungnahmen. 

Buick: „Beide Seiten müssen ausreichend gehört werden“. Erst dann könne entschieden werden, ob Anklage gegen den Unternehmer erhoben wird, oder nicht. Wann das der Fall sein könnte, vermag der Staatsanwalt nicht zu sagen. 

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