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Spielhallen im Kreis Northeim unter Druck

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Von: Michael Caspar

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Betreibt vier Spielhallen, darunter je eine in Moringen und Nörten-Hardenberg: Dennis Rüter, Geschäftsführer der Eichsfelder Münzspiel GmbH.
Betreibt vier Spielhallen, darunter je eine in Moringen und Nörten-Hardenberg: Dennis Rüter, Geschäftsführer der Eichsfelder Münzspiel GmbH. © Michael Caspar

Die Pandemie hat bei den Kommunen im Kreis Northeim die Vergnügungssteuer-Einnahmen einbrechen lassen. In den Vorjahren waren sie im Zuge einer Umstellung der Steuerberechnung dagegen stark gestiegen.

Landkreis Northeim – In Northeim hat der Rat die Versteuerung in den vergangenen zehn Jahren von zehn auf inzwischen 20 Prozent erhöht. So legten die Einnahmen von 396 000 Euro in 2011 auf 897 000 Euro in 2017 zu. Seither sind sie aber rückläufig. 2020 lagen die Einnahmen laut Mitteilung der Stadtverwaltung bei fast 575 000 Euro, 2021 bei 324 000 Euro.

In Hardegsen, wo der Stadtrat 2016 von einer pauschalen Versteuerung der Geräte auf eine Besteuerung der Einspielergebnisse überging, hatten sich die Einnahmen damals auf 46 000 Euro verdoppelt, so Bürgermeister Lars Gunnar Gärner (SPD). Ein weiteres Mal verdoppelten sie sich 2019, als der Steuersatz von 10 auf 17 Prozent erhöht wurde. In den Corona-Jahren 2020 und 2021 lagen sie mit 51 000 und 47 000 Euro dann wieder auf dem Niveau von 2016.

In Moringen brachte die Umstellung der Versteuerung 2017 eine Verdreifachung der Einnahmen, so Bürgermeisterin Heike Müller-Otte (parteilos). 2019 lagen sie bei 64 000 Euro. Im ersten Pandemiejahr sanken sie wegen der Eröffnung einer zweiten Spielhalle aber nur leicht auf 63 000 Euro. Im vergangenen Jahr gingen die Einnahmen dann auf 51 000 Euro herunter, so Müller-Otte.

Sogar verfünffacht hatten sich die Steuereinnahmen in Nörten-Hardenbeg, wo die Versteuerung 2019 umgestellt wurde, erläutert Bürgermeisterin Susanne Glombitza (parteilos). Während der ersten beiden Corona-Jahre lagen die Einnahmen dann viel niedriger, „aber immer noch doppelt so hoch, wie vor der Umstellung“, so Glombitza.

„Die starke Anhebung der Steuern in Nörten-Hardenberg konnte ich nur deshalb tragen, weil mir der Flecken zusätzlich zu den acht bereits vorhandenen Spielautomaten die Aufstellung von vier weiteren Geräten erlaubte“, berichtet Dennis Rüter, Geschäftsführer der Eichsfelder Münzspiel GmbH in Lindau.

Aber die 2020 ausgebrochene Corona-Pandemie sei für sein Geschäft „eine absolute Katastrophe“. Wegen der Inflation sitze das Geld bei vielen ohnehin nicht mehr so locker, so Rüter. Auch die steigenden Nebenkosten treffen ihn hart. Aktuell beschäftigt Rüter in dem Anfang der 90er gegründeten Familienunternehmen 25 Mitarbeiter.

Suchtpotenzial und Sperrdatei

Spielautomaten bergen ein hohes Suchtpotenzial, weiß Stefan Jagonak von den Northeimer Lukas-Werk Gesundheitsdiensten. Spielsüchtige würden oftmals viele Stunden vor den Automaten verbringen, dafür Berufs- und Privatleben stark vernachlässigen und in eine „finanzielle Schieflage“ geraten, so Jagonak. Positiv sei, dass Spielhallenbesucher sich mittlerweile ausweisen müssen. Ihre Namen werden mit einer Sperrdatei abgeglichen, die Spielsüchtige erfasst. (Michael Caspar)

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