Bei einem Herzinfarkt kommt es auf jede Sekunde an

Warnzeichen ernst nehmen!

Ernst nehmen: Plötzlich auftretende, starke Schmerzen im Bereich der Brust können auf einen Herzinfarkt hindeuten. Deshalb sollten Betroffene in einer solchen Situation nicht zögern und sofort den Notarzt herbeirufen. Foto: PantherMedia / Hriana

Interview
Dr. Michael Bömeke, Chefarzt Kardiologie am St. Martini Krankenhaus in Duderstadt, Facharzt für Innere Medizin, Schwerpunkt Kardiologie, Zusatzqualifikation Rettungsmedizin

Schmerzen im Brustkorb machen vielen Betroffenen Angst. Denn auch wenn es dafür viele Ursachen gibt, sind sie sehr häufig in einer Erkrankung der Herzkranzgefäße begründet. Eine schnelle zuverlässige Diagnose und Behandlung ist daher wichtig, weiß Dr. med. Michael Bömeke, Chefarzt der Kardiologie am St. Martini Krankenhaus in Duderstadt.

Abgesehen von einer koronaren Erkrankung, was kann Schmerzen im Brustkorb außerdem auslösen?
Rücken und Bauchleiden können Thoraxschmerzen ebenso auslösen wie schwerwiegende Erkrankungen. Außer eines Herzinfarktes können das eine Lungenembolie oder auch ein Pneumothorax sein, bei dem Luft zwischen Brustkorb und Lunge gelangt und die Atmung massiv behindert. Schmerzen im Brustkorb sollten daher immer ernst genommen und schnellstmöglich abgeklärt werden.

Gibt es Begleiterscheinungen, die Betroffenen helfen könnten, das Symptom einzuschätzen?
Außer den Schmerzen im Brustkorb klagen Patienten bei einem Herzinfarkt auch über Übelkeit, Atemnot oder Angstgefühlen, mitunter schwitzen sie sehr stark. Bei einem Pneumothrorax geht der Schmerz mit Atemnot einher. Viele Patienten klagen jedoch häufig nicht über weitere Symptome. Daher gilt es bei Patienten mit akuten Thoraxschmerzen so schnell wie möglich diese Erkrankungen auszuschließen beziehungsweise zu diagnostizieren.

Warum ist der Faktor Zeit so wichtig?
Wenn ein Herzinfarkt die Ursache für die Schmerzen ist, kommt es auf Minuten an. 20 bis 30 Prozent der Betroffenen sterben innerhalb der ersten Stunde nach dem Auftreten des Schmerzes. Je früher der Infarkt behandelt werden kann, desto besser sind die Heilungschancen. Um zu vermeiden, dass wertvolle Zeit verloren geht, nehmen wir Mediziner alle Symptome sehr ernst und schließen dann nach und nach Erkrankungen aus. Erst wenn akut lebensbedrohliche Diagnosen nicht infrage kommen, ziehen wir in weiterführenden Untersuchungen andere Ursachen in Betracht.

Wie kann man sich dieses Ausschlussverfahren vorstellen, welche diagnostischen Verfahren wenden Sie an?
 Wir beginnen unsere Untersuchung mit den am schnellsten verfügbaren Methoden. So kann zum Beispiel auch bereits der Notarzt für seine Arbeitsdiagnose die Vitalwerte bestimmen und ein sogenanntes 12-Kanal-EKG erstellen. Damit kann er bereits erste Erkrankungen ausschließen und ein geeignetes Krankenhaus auswählen. Bestätigt sich der Verdacht auf einen Herzinfarkt, wird der Patient umgehend in eine Einrichtung mit einem Herzkatheterlabor, wie das St. Martini Krankenhaus in Duderstadt, eingeliefert.

Hier erfolgt die weitere Diagnose und die Therapie?
Richtig. Angenommen, der Verdacht auf eine Erkrankung der Herzkrankgefäße erhärtet sich, untersuchen wir den Patienten bei uns zunächst in unserem Herzkatheterlabor. Stellen wir dann zum Beispiel einen Verschluss eines Herzkranzgefäßes fest, können wir diesen mit einem Ballonkatheter öffnen. Darüber hinaus können wir aber auch Stents oder Defibrillatoren implantieren.

Patienten mit einer möglichen Herzerkrankung sind bei Ihnen also gut aufgehoben.
Ja, uns stehen eine moderne Funktionsdiagnostik und eine hervorragend ausgerüstetes Herzkatheterlabor zur Verfügung. Sollten wir im Laufe der Untersuchungen eine akute lebensbedrohliche Erkrankung ausschließen können, stimmen wir uns eng mit unseren weiteren Fachabteilungen und der Intensivstation ab.

Eine letzte Frage: Gibt es etwas was Sie jedem Einzelnen empfehlen können?
Warten Sie nicht ab! Plötzlich auftretende Schmerzen im Brustkorb können in jedem Alter auftreten und ihre Ursache in einer lebensbedrohlichen Erkrankung haben. Im Zweifel rufen Sie den Notarzt oder kommen Sie zu uns ins Krankenhaus. Denn wenn es wirklich Herzinfarkt ist, kommt es auf jede Sekunde an. (nh)

Das Duderstädter Krankenhaus St. Martini ist seit 2014 unter Leitung von Geschäftsführer Markus Kohlstedde gegen den bundesweiten Trend gewachsen: bei den Planbetten, den stationären und ambulanten Behandlungen.

Kontakt:
Dr. med. Michael Bömeke
Chefarzt Kardiologie
Facharzt für Innere Medizin
Schwerpunkt Kardiologie
Zusatzqualifikation Rettungsmedizin
St. Martini Krankenhaus Duderstadt
Telefon 05527 842-380
E-Mail: hkl@kh-dud.de
www.krankenhaus-duderstadt.de

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