Landesbischöfin Käßmann spricht bei Benefizabend zugunsten der Hospizstiftung

„Sterben nicht verdrängen“

Volles Haus: Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann (rechts) hielt den Festvortrag bei der Benefizveranstaltung zugunsten der Hospizstiftung in der mit über 400 Besuchern gefüllten Northeimer Stadthalle. Foto: Gödecke

Northeim. „Es braucht mutige Menschen, die das Tabu-Thema in Worte fassen. Mit Menschen über das Sterben sprechen, vertieft die Beziehung.“ Mit diesen Worten leitete Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann ihren Vortrag zum Thema „Ethik am Lebensende“ bei der Benefizveranstaltung der Hospizstiftung Niedersachsen ein. Über 400 Besucher waren in die Stadthalle gekommen, um die Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche Deutschlands zu hören.

Die machte ihrem Ruf als geschliffene Rednerin und zugleich eine Frau, die die Dinge beim Namen nennt, alle Ehre. So dankte Käßmann nicht nur den vielen ehrenamtlichen Helfern des ambulanten Hospizdienstes, den es im Kirchenkreis Northeim schon seit 2002 gibt, sondern sie nutzte den Abend auch, um Forderungen zu stellen und klar Stellung gegen die aktive Sterbehilfe zu beziehen.

So forderte die promovierte Theologin eine bessere Ausbildung von Ärzten und Pflegekräften in der Palliativmedizin, dem Medizinspektrum der Sterbebegleitung. Zugleich ermutigte sie Angehörige, ihren geliebten Menschen die Möglichkeit zu geben, in Würde zuhause sterben zu dürfen. Hier könne der ambulante Hospizdienst wertvolle Hilfen geben.

Eine klare Absage erteilte die Bischöfin Initiativen, aktive Sterbehilfe oder den assistierten Suizid legalisieren zu wollen. In Deutschland, so Käßmann, werde der richtige Ansatz verfolgt. Der liege in der Möglichkeit, Patientenverfügungen zu verfassen und hierin unter anderem festzulegen, in welchen Fällen keine lebensverlängernden medizinischen Maßnahmen gewünscht sind.

Geschäfte mit Sterbehilfe

Käßmann: „Ich halte die assistierte Sterbehilfe für höchst problematisch.“ Nicht nur, dass mit ihr Geschäfte gemacht würden. Tötung auf Verlangen sei auch eine Gratwanderung, weil oft Depressionen Auslöser solcher Gedanken seien, diese Krankheit aber behandelbar sei. „Ich plädiere dafür, die passive Sterbehilfe in den Vordergrund zu stellen,“ fuhr die Bischöfin fort. Diese umfasse die Schmerzlinderung ebenso wie die Behandlung der Seele bei der Sterbebegleitung.

Friedhöfe pflegen

Zuletzt mahnte die Landesbischöfin, Friedhöfe zu erhalten. „Wir brauchen die Friedhöfe, um zu wissen, dass der Tod ein Teil unseres Lebens ist. Die Namen unserer Verstorbenen zu erinnern, ist Teil unserer Kultur.“

Die unter der Schirmherrschaft von Northeims Bürgermeister Harald Kühle stehende Veranstaltung in der Stadthalle brachte einen Erlös von 1800 Euro. Die Summe kommt den Hospizstiftungen Leine-Solling und Niedersachsen zu gleichen Teilen zugute. Der Veranstaltung schloss sich die Eröffnung der Foto-Ausstellung „End-lich Leben“ an. (goe) ARTIKEL UNTEN

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