Stöckheimer lässt deutschlandweit die Puppen tanzen

Lässt die Puppen tanzen: Gernot Hildebrand aus Stöckheim tritt mit seinen Marionetten vor allem in Seniorenheimen auf. Unser Foto zeigt ihn mit einer Szene aus dem Grimmschen Märchen „Der Fischer und seine Frau“. Foto: Schaffner

Stöckheim. Mit Marionetten durch die Republik: Puppenspieler Gernot Hildebrand aus Stöckheim hat sich vor fünf Jahren mit Unterstützung des Arbeitsamtes selbstständig gemacht. Inzwischen tritt er bundesweit auf.

Angefangen hat alles in einem Souvenir-Shop in Prag. „Ich habe bei einem Straßenhändler eine Marionette gesehen, die mich optisch an Abraham aus der Bibel erinnert hat“, sagt der 47-Jährige, der sich nebenbei in der Baptisten-Gemeinde Northeim engagiert. „Als ich die Abraham-Figur sah, kam mir die Idee, Kindern damit spielerisch die Bibel näherzubringen.“

Gesagt, getan: Er besorgte sich immer mehr von den sogenannten böhmischen Marionetten, heute besitzt er 60 Stück. Um mit seinem Hobby vor Publikum auftreten zu können, baute er 1999 eine alte Spielzeugtruhe zu einer kleinen Theaterbühne mit Lichtanlage um und schnitzte sich Requisiten.

Im Unterschied zu den Figuren aus der berühmten Augsburger Puppenkiste verfügen seine traditionell in Tschechien gefertigten Marionetten nicht nur über Fäden und bewegliche Glieder, sondern auch über einen Kupferdraht, mit dem sich der Holzkörper bewegen lässt. „So kann ich vier Puppen gleichzeitig spielen“, sagt Hildebrand, der stets als Alleinunterhalter auftritt.

Im August 2010 machte er sein Hobby dann zum Beruf: Dank eines Existenzgründungs-Zuschusses vom Arbeitsamt machte er sich als Puppenspieler selbstständig und gründete eine Ich-AG - mit Erfolg.

Vor fünf Jahren hat mir die Gesellschaft etwas gegeben, inzwischen gebe ich zurück“.

Pro Jahr spielt er mittlerweile 250 Vorhänge, wie er seine Auftritte nennt, der nächste freie Termin ist erst 2016. Seit kurzem beschäftigt er seine Frau über einen Minijob in seinem kleinen Unternehmen. „Vor fünf Jahren hat mir die Gesellschaft etwas gegeben, inzwischen gebe ich zurück“, sagt Hildebrand.

Der gebürtige Thüringer spielt in Gottesdiensten Bibeltexte nach, tritt mit seiner Theatertruhe in Seniorenheimen, Krankenhäusern und vor Kindern auf. Neben vier Stücken aus der Bibel hat der Autodidakt auch sechs Märchen im Programm. Ein Auftritt dauert zwischen fünf und 45 Minuten.

Da Hildebrand seine Puppen hauptsächlich vor alten oder kranken Menschen tanzen lässt, sieht er das Spiel mit den Marionetten in erster Linie als sozial-kulturelles Betreuungsprogramm: „Viele ältere Menschen verbinden mit den Puppen Kindheitserinnerungen“, sagt er.

Um von seiner Arbeit leben zu können, lässt sich Hildebrand zwar natürlich mit Geld bezahlen. „Der schönste Lohn für meine Arbeit ist aber das Lächeln und Leuchten in den Augen der Menschen“, sagt er.

www.marionettentruhe.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.