Streit um Waldstillegung

Northeimer Kreistag will bei Beschlüssen Klimafolgen berücksichtigen

Ein Waldstück im Solling: Es wird befürchtet, dass eine Stilllegung zu weniger Holz für die Energiegewinnung führt. (Archivfoto)
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Ein Waldstück im Solling: Es wird befürchtet, dass eine Stilllegung zu weniger Holz für die Energiegewinnung führt. (Archivfoto)

„Konsequent“ verfolgen will der Landkreis das Ziel der Klimaneutralitität bis 2040. Das hat der Kreistag auf Antrag der FDP beschlossen.

Northeim – Er nimmt zudem bei seinen Beschlüssen und Verordnungen künftig immer deren Folgen für die Klimabilanz in den Blick. Ein Workshop soll sich mit der Frage befassen, welche Teile des Sollings der Landkreis im Regionalen Raumordnungsprogramm als Klimaschutzwald festlegen soll.

Im Workshop wird es nicht zuletzt auch um die Energieholznutzung gehen. Die FDP fürchtet, dass durch die anstehende „Stilllegung“ von Waldflächen in Wildnisgebieten weniger Holz für die Energiegewinnung zur Verfügung steht, führte Christian Eberl aus.

Christian Eberl

Dann müssten, um die Klimaschutzziele zu erreichen, mehr Windräder aufgestellt werden. Das wolle die FDP nicht. Die Verwaltung erwiderte, dass die Forschung das Heizen mit Holz „zunehmend“ kritisch sehe (Feinstaub). Eberl betonte weiter, dass durch die Waldbewirtschaftung der Artenreichtum steige.

Um das beurteilen zu können, fehle den meisten Kreistagsabgeordneten das Fachwissen, räumte Stefan Fiege (SPD) ein. Deshalb solle es den Workshop mit Experten geben.

Erfreut über das Engagement der FDP für den Klimaschutz zeigte sich Karen Pollok (Grüne). FDP und Grüne seien sich zwar nicht „in allen Punkten“ einig, sie freue sich aber auf „die inhaltlichen Diskussionen“ in der kommenden Legislaturperiode.

Für die AfD sei der Einsatz für den Erhalt des deutschen Waldes eine Sache des „Heimatschutzes“, sagte Jens Kestner (AfD). Er nutzte die Gelegenheit, um für den „bürgerlichen Landratskandidaten“, Christian Grascha (FDP), zu werben.

Weil er damit nicht mehr zum Tagesordnungspunkt sprach, gab es einen Tadel der Kreistagsvorsitzenden, Frauke Heiligenstadt (SPD).

Kreisnaturschutzbeauftragter Gert Habermann will mehr Naturwälder

Gegen einen vermehrten Einsatz von Holz als Brennstoff hat sich der Naturschutzbeauftragte des Landkreises, Gert Habermann, ausgesprochen. Er reagiert damit auf die Argumentation des FDP-Kreistagsabgeordneten Christian Eberl, dass Holz zur Energiegewinnung gebraucht werde, um die Klimaziele zu erreichen, ohne vermehrt Windkraftanlagen zu errichten.

Gert Habermann, Naturschutzbeauftragter des Landkreises Northeim

„Ich mag mir nicht vorstellen, welche Waldverluste die zurzeit diskutierte Umstellung von Kohlekraftwerken in holzbefeuerte Anlagen zur Folge hätte“, sagt Gert Habermann. Bereits jetzt würden über 50 Prozent der gesamten Holzmasse als Pellets oder Scheite verfeuert.

Habermann spricht sich stattdessen dafür aus, mehr Waldflächen in Naturwälder umzuwandeln. Die Reduzierung des schädlichen Treibhausgases erfolgt nach seinen Worten überwiegend im Rahmen der Fotosynthese. Diese wiederum sei abhängig von der vorhandenen Blattmasse, die in mehrschichtigen alten, reifen Naturwäldern am dichtesten sei.

Naturwälder, die es nach den Worten des Naturschutzbeauftragten in Deutschland kaum noch gibt, seien mehrheitlich dicht geschlossen, mehrschichtig und hätten eine weite Altersspanne mit einem hohen Anteil von Bäumen in der Alters- und Zerfallsphase, erläutert Habermann. „Die hier vorkommenden Arten mit ihrer sehr speziellen Habitatprägung sind allesamt stark gefährdet und vom Aussterben bedroht“, betont er dabei die Naturschutzfunktion dieser Wälder.

Ein positives Beispiel dafür sei das Waldschutzgebiet „Einbecker Märchenwald“. In dem 160 Jahre alten Mischwald sei ein hoher Anteil gefährdeter, im angrenzenden Wirtschaftswald kaum noch vertretener Arten nachgewiesen, berichtet er. (von Michael Caspar und Olaf Weiss)

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