Betreiber sind froh, dass sie nicht schließen mussten

Tankstellen in der Corona-Krise: Weniger Umsatz mit Kraftstoff, aber mehr mit Tabak

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Tanken in Coronazeiten: Viele Tankstellenbetreiber im Kreis Northeim müssen Umsatzeinbußen in Kauf nehmen.

Northeim - "Wir sind bislang noch ganz gut durch die Krise gekommen“, bilanziert Pächterin Monika Reuter von der gleichnamigen Classic-Tankstelle am Northeimer Harztor die aktuelle Situation in ihrer Tankstelle.

Die Nachfrage nach Kraftstoff sei trotz extrem niedriger Spritpreise um über ein Drittel eingebrochen, dafür sei aber das Geschäft mit Tabakwaren deutlich gestiegen. Unter dem Strich ersetze allerdings die Umsatzsteigerung beim Warenverkauf aus dem Shop, wo seit dem Shutdown von Kunden auch etwas mehr Getränke eingekauft worden seien, nicht den Absatzverlust bei Diesel und Benzin. 

„Wir haben uns entschlossen, auch in der Coronazeit unsere alten Öffnungszeiten beizubehalten, das haben nicht alle Tankstellen so gemacht,“ fährt Monika Reuter fort. So sei ihre Tankstelle weiterhin werktags von 6 bis 21 Uhr geöffnet, an Samstagen ab 7 Uhr und sonntags von 8 bis 20 Uhr. Sie hofft, die Kunden so noch mehr an sich binden zu können, denn schließlich sei so für die Kunden die Möglichkeit größer, auch die günstigen Preiszeiten fürs Tanken nutzen zu können. „Ich glaube, viele merken sich das auch für später“. 

Hinter Plexiglas: Pächterin Monika Reuter von der Classic-Tankstelle am Harztor in Northeim. Sie hat rund ein Drittel weniger Umsatz beim Kraftstoff durch die Coronakrise.

Für den krisenbedingten Verdienstausfall hat Reuter Zuschussanträge bei Land und Bund gestellt. „Schließlich laufen die Fixkosten für die Anlage und die fünf Mitarbeiter ja weiter“, betont die Tankstellenpächterin. Eine Antwort habe sie aber noch nicht bekommen. 

Beeindruckt zeigt sich die Tankstellenpächterin von der Disziplin der Kunden, die alle penibel selbst darauf achteten, dass nur maximal zwei Kunden im Shop seien und dass sie selbst die Masken anlegten. „Das klappt super,“ fährt sie fort. Und dabei störe es auch nicht, dass zusätzlich noch die Paketannahme für den Hermes-Versand weiterlaufe. 

38 Prozent weniger Kraftstoff umgesetzt

Auch bei der Northeimer Shell-Tankstelle an der Göttinger Straße hat die Corona-Krise ihre Spuren deutlich hinterlassen. „Wir haben 38 Prozent weniger Kraftstoff verkauft, weil die Leute einfach weniger mit dem Auto unterwegs sind“, bilanziert Inhaber Bernd Gall die Umsatzeinbußen an den Zapfsäulen. „Wir bekommen zwar nur 1,5 Cent pro Liter, aber bei 150 000 Litern, die wir sonst in einem Monat verkaufen, merkt man das dann trotzdem deutlich."

Dank der stärkeren Nachfrage im Tankstellenshop nach Zigaretten und anderen Artikeln ist Bernd Gall, Inhaber der Northeimer Shell-Tankstelle, jedoch zuversichtlich, letztendlich mit „plusminus Null“ durch die Krise zu kommen.

„Die Menschen ändern ihr Kaufverhalten“, habe er festgestellt. „Viele, die sonst jeden Tag kommen, um sich eine Schachtel Zigaretten zu kaufen, kommen jetzt weniger, kaufen aber gleich eine ganze Stange.“

Erfreulich sei, dass das Waschgeschäft auf normalem Niveau weitergelaufen sei. Lediglich die Außendienstler, die sonst regelmäßig ihre Wagen zum Reinigen bringen, kämen derzeit weniger.

Öffnungszeiten verkürzt

„Das ist auch für uns eine schwere Zeit“, sagt Jens Schwan, der die TAS-Tankstelle in Höckelheim betreibt. Natürlich werde weniger Kraftstoff verkauft, weil auch viel weniger gefahren werde, vor allem am Wochenende.

„Wir sind aber trotzdem froh, dass wir von Anfang an unsere Tankstelle geöffnet lassen konnten“, so Schwan. Zwar habe er die Öffnungszeiten pro Tag um einige Stunden verkürzt – von 6.30 bis 19 Uhr –, trotzdem werden die drei Teilzeitkräfte weiter beschäftigt. „Ich will nicht, dass wegen Corona einer meiner Mitarbeiter arbeitslos wird“, sagt der Tankstellen-Betreiber.

Schwan sei durch die Dauerbaustelle auf der Autobahn 7 mit zahlreichen Sperrungen auch der Anschlussstelle Northeim-West oft gleich doppelt betroffen: Denn dann fehle der Durchgangsverkehr, was natürlich auch finanzielle Einbußen zur Folge habe.

Besonders ärgerlich sei für ihn, dass in den vergangenen Wochen Autofahrer durch eine falsche Beschilderung in Northeim darauf hingewiesen worden seien, dass die Anschlussstelle Northeim-West bei Höckelheim gesperrt ist – obwohl sie geöffnet war. Mehrere Anrufe bei der zuständigen Stelle hätten trotz Zusage leider nichts genützt, so Schwan.

„Aber jetzt stimmen die Schilder ja wieder“, sagt er mit einem leicht ironischen Unterton: Seit ein paar Tagen ist die Autobahn-Anschlussstelle bei Höckelheim wieder gesperrt.

Die Pendler fehlen

„Es fehlen einfach die Pendler“, sagt Andreas Busch, Pächter der Esso-Tankstelle in Katlenburg. Er danke den Stammkunden, die ihm die Treue halten, „denn ohne sie wäre es schwierig“. Denn auch so sei trotz der historisch niedrigen Spritpreise der Verkauf von Diesel und Benzin um ein Drittel zurückgegangen.

Erfreulicher laufe das Geschäft mit den Autowäschen, und auch Brötchen und Zigaretten würden weiterhin gut gekauft.

Manche Kunden kommen nach seiner Erfahrung gern in den Tankstellenshop, weil sie dort keinen Einkaufswagen brauchen, erklärt er das Kaufverhalten der Kunden. Dennoch, die Personalkosten würden weiterlaufen, deshalb habe der Tankstellenpächter die Öffnungszeiten verkürzt. Die Tankstelle schließe nun bis auf Weiteres jeden Abend um 22 Uhr.

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