Wald betreten künftig verboten?

Teile des Sollings sollen Naturschutzgebiete werden

+
Der Solling: Das südniedersächsische Mittelgebirge ist von Waldflächen geprägt. Weite Teile sind als Landesforsten gemeindefreies Gebiet.

Northeim – Der Landkreis Northeim plant alle bisherigen FFH-Gebiete, die noch nicht in Landschafts- und Naturschutzgebiet umgewandelt sind, zu Naturschutzgebieten zu erklären.

Die dafür notwendigen Beschlüsse sollen bis Mitte Juli vom Kreistag gefällt werden. Das bestätigte Landkreis-Pressesprecher Dirk Niemeyer auf Anfrage. Grund ist eine Weisung des niedersächsischen Umweltministeriums.

„Die Landesregierung macht mit ihrer fachaufsichtlichen Weisung Naturschutz mit der Brechstange“, kritisiert FDP-Kreistagsmitglied Dr. Christian Eberl, der von 2003 bis 2008 selbst Staatssekretär im niedersächsischen Umweltministerium war. Dass Niedersachsen das einzige Bundesland sei, das die Sicherung der „Flora Fauna, Habitat“-Gebiete (FFH) noch nicht gemäß EU-Recht fertiggestellt hat, sei nicht die Schuld der nun per Weisung zur Eile gezwungenen Landkreise.

Dr. Christian Eberl, FDP-Kreistagsmitglied

Die Ursache liege darin, dass Niedersachsen als einziges Bundesland drauf beharrt habe, zunächst die Schutzverordnungen zu erlassen und erst dann mit den betroffenen Grundeigentümern über die notwendigen Schutzmaßnahmen zu verhandeln. Dabei verweist der Liberale auf die Nachbarländern Hessen und Thüringen, wo es gelungen sei, das Verfahren schneller und weitgehend im Konsens mit den Betroffenen zu regeln.

Eberl kritisiert außerdem das Vorgehen von Landrätin Astrid Klinkert-Kittel (SPD). Sie hatte die Ausweisung der neun noch nicht unter Schutz gestellten FFH-Gebiete als Naturschutzgebiete damit begründet, dass das Verfahren so einfacher und schneller abzuwickeln sei. Eine Ausweisung von Teilen der Areale als Naturschutzgebiete, der übrigen aber als Landschaftsschutzgebiete würde länger dauern.

Astrid Klinkert-Kittel (SPD), Landrätin 

Das Vorgehen des Landkreises, so Eberl, widerspreche den FFH-Richtlinien, wonach bei der Unterschutzstellung neben dem Naturschutz auch die Anforderungen von Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur berücksichtigt werden müssten. Dabei erinnert er daran, dass beispielsweise in einem Naturschutzgebiet ein Betretungsverbot gilt. Das heißt, jedermann darf dort zwar auf den Wegen spazieren gehen, die Wege aber zu verlassen, beispielsweise um Pilze zu sammeln, ist verboten.

Die Kreisverwaltung verteidigt das Vorgehen. Die Ausweisung der FFH-Gebiete entspreche der Auffassung des zuständigen Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten und Naturschutz (NLWKN). „Für die Ausweisung als Naturschutzgebiete spricht auch die Tatsache, dass das Land als Ausgleich für Eigentümer und Nutzungsberechtigte in Naturschutzgebieten, einen sogenannten finanziellen Erschwernisausgleich für etwaige Einschränkungen bei der land- und forstwirtschaftliche Nutzung gewährt“, betonte Pressesprecher Niemeyer. Für Landschaftsschutzgebiete gelte diese Regelung dagegen nicht.

Neun Naturschutzgebiete in Planung

Folgende FFH-Gebiete im Landkreis Northeim sollen in Naturschutzgebiete umgewandelt werden: 

-Laubwälder und Klippenbereiche im Selter (bei Greene), 1522 Hektar groß; . Moore und Wälder im Hochsolling (zwischen Dassel und Neuhaus), 1430 Hektar groß (teilweise im Landkreis Holzminden); 

- Ilme (zwischen Einbeck und Dassel), 706 Hektar; . Wälder im südlichen Solling (westlich von Nienover) 1030 Hektar; 

- Wälder im östlichen Solling (nördlich von Eschershausen und Delliehausen), 1458 Hektar; 

- Wälder im Solling bei Lauenberg (zwischen Lauenberg und Hilwartshausen), 322 Hektar; 

- Schwülme und Auschnippe (Gebiete an den Bachläufen bis zur Mündung in die Weser, teilweise im Landkreis Göttingen), 352 Hektar; 

- Wald am Großen Streitrodt bei Delliehausen, 225 Hektar; 

- Brenke und Wald am Hohen Rott bei Verliehausen, 103 Hektar. 

In seiner jüngsten Sitzung hat der Kreistag mit Mehrheitsentscheidung außerdem bereits das bisherige FFH-Gebiet Weper, Gladeberg und Aschenburg, das sich als schmaler Streifen von Fredelsloh bis Harste erstreckt, zum Teil als Landschaftsschutzgebiet (574 Hektar) und teilweise als Naturschutzgebiet (267 Hektar) ausgewiesen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.