Telefone stehen nicht still

Aufhebung der Impf-Priorisierung: Ansturm auf Praxen im Landkreis Northeim

Diana Jasinski nimmt die zahlreichen Anrufe entgegen und koordiniert die Impftermine.
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Diana Jasinski nimmt die zahlreichen Anrufe entgegen und koordiniert die Impftermine.

Ab Montag (07.06.2021) fällt die Impfpriorisierung in Deutschland. Im Kreis Northeim führt das bereits vorab zu einem Ansturm auf Arztpraxen.

Landkreis Northeim – Die Telefone in den Arztpraxen stehen seit der Ankündigung, dass die Impfpriorisierung ab Montag, 7. Juni, wegfällt nicht mehr still. „So viel habe ich noch nie telefoniert“, berichtet Diana Jasinski, Medizinische Fachangestellte, in der Moringer Gemeinschaftspraxis von Wolfgang Boldt, Markus Kubitza und Anne Wucherpfennig.

Insbesondere mit Blick auf Erleichterungen für den Urlaub wollten nun viele schnell gegen Corona geimpft werden, sagt Jasinski, die 100 bis 150 Impftermine in der Woche koordiniert.

Ende der Impf-Priorisierung in Deutschland: Telefone im Kreis Northeim stehen nicht still

Man müsse viel reden und erklären, so Jasinski über ihren Alltag. Denn in der Praxis würde nach wie vor versucht, nach Priorität zu impfen. Man habe eine Warteliste, die dann je nach Impfstofflieferung abgearbeitet würde. „Wir rufen aktiv unsere Patienten an“, erklärt sie. Doch sie hätte auch zunehmend Anrufe von Menschen, die normalerweise bei anderen Hausärzten betreut würden, die hofften, vielleicht schneller als im Impfzentrum oder beim eigenen Arzt dranzukommen. Und nicht jeder Hausarzt würde impfen.

Doch diesen Anrufern müsse sie klarmachen, dass die Warteliste noch immer sehr lang sei und man deshalb aktuell nur eigene Patienten impfe. Nicht immer, aber meistens würde das verstanden. Ihr Chef und Ärztesprecher Wolfgang Boldt weiß auch von Arztpraxen in Einbeck, Northeim und Kreiensen, wo die Mitarbeiter sogar angefeindet und aggressiv angesprochen worden sind. Manchmal seien es gerade die ehemaligen Impfskeptiker, die nun mit Blick auf den Urlaub noch dringend geimpft werden möchten und dabei sehr fordernd auftreten würden. Im Kreis Northeim sinken aktuell die Corona-Fallzahlen und der Inzidenzwert.

Impf-Priorisierung fällt: Wartelisten im Kreis Northeim trotzdem lang

Noch wenige Nachfragen gibt es hingegen von Eltern, die ihre Kinder impfen lassen möchten. Vereinzelt hätten sich Jugendliche erkundigt, berichtet die Nörtener Kinder- und Jugendärztin Hella Dammeier. Sie hält aber Impfungen bei Kindern und Jugendlichen ohne Vorerkrankungen für nicht zwingend erforderlich, weil deren Verläufe meist leicht seien. Sie impft aktuell vor allem Eltern, Großeltern und Partner von Schwangeren. (Rosemarie Gerhardy)

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