Modellprojekt verzögert sich coronabedingt im Kreis Northeim

Telemedizin startet im Landkreis Northeim erst später

Ein Telenotfallmediziner vor Bildschirmen, auf denen die Patientendaten stehen, die er für eine Diagnose benötigt.
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Der Telenotfallmediziner kann auf seinen Bildschirmen alle Daten sehen, die er zur Beurteilung des Patientenzustands und für eine Diagnose benötigt. Er ist ständig mit dem Notfallsanitäter vor Ort in Kontakt.

Die Rettungssanitäter im Landkreis Northeim müssen voraussichtlich bis Juli warten, ehe sie medizinische Unterstützung aus der Ferne bekommen.

Northeim – Der Start des Modellprojektes Telenotfallmedizin, das eigentlich bereits im April beginnen sollte, verzögert sich pandemiebedingt. Das hat Landkreis-Sprecherin Anna-Madeleine Feg der HNA auf Anfrage mitgeteilt.

Der Start des bundesweiten Modellprojektes im Kreisgebiet, bei dem die Landkreise Northeim und Goslar mit dem Klinikum Oldenburg zusammenarbeiten, hängt nach ihren Wortern davon ab, dass vorher erforderliche Fortbildungen stattfinden können. Diese müssen nach Ansicht des Ärztlichen Leiters Rettungsdienst, Dr. Bodo Lenkewitz, als Präsenzveranstaltungen stattfinden. Aus Infektionsschutzgründen war es nach Fegs Worten in den vergangenen Monaten nicht möglich, die Angehörigen verschiedener Rettungswachen bei Fortbildungen miteinander in Kontakt zu bringen.

Im Landkreis Goslar hat das Projekt planmäßig bereits im Januar begonnen.

Ein Rettungssanitäter kann nach den Worten von Lenkewitz eigenverantwortlich nur eine begrenzte Menge an Behandlungen am Patienten vornehmen. Ein Telenotfallmediziner kann dem Sanitäter darüber hinaus weitere Schritte anordnen und Hinweise geben.

Bei Einsätzen, bei denen kein Notarzt vor Ort sein muss, berät der Telenotfallmediziner die Notfallsanitäter. Das genügt beispielsweise bei einer lebensbedrohlichen Unterzuckerung eines Diabetes-Patienten, die durch das Spritzen von Glukose beseitigt werden kann. Der konventionelle Notarzt bleibt dadurch für andere Notfälle frei.

Hat der konventionelle Notarzt eine weite Anfahrt, kann der Telenotfallmediziner beispielsweise bei einem Patienten mit Verdacht auf Herzinfarkt, der starke Schmerzen hat, anhand eines digital übermittelten EKGs die Diagnose stellen, die Gabe von starken Schmerzmitteln anordnen, die ein Sanitäter eigenverantwortlich nicht verabreichen darf.

Später bleibt der Telenotfallmediziner während des Transports ins Herzkathederlabors die ganze Zeit mit dem Sanitäter verbunden. Die Therapie beginnt so schneller als mit einem konventionellen Notarzt.

Er kann außerdem einen konventionellen Notarzt unterstützen. So ist laut Lenkewitz beispielsweise bei einem Notfall mit Kind die Umrechnung von Dosierungen kritischer Medikamente an einem ruhigen Telearbeitsplatz leichter fehlerfrei möglich als in einer hektischen Einsatzsituation vor Ort.

In jedem Fall sei der Telenotfallmediziner kein Konkurrent des konventionellen Notarztes, sondern ist laut Lenkewitz als Ergänzung zu sehen, von dessen Arbeit nicht nur Patienten in dünn besiedelten Gegenden wie dem Solling und dem Oberharz profitieren sollen.

Das Klinikum Oldenburg ist ins Projekt eingebunden, weil es Telenotfallmedizin für das Servicepersonal von Offshore-Windkraftanlagen und für Inseln in der Nordsee seit Jahren anbiete. Es liefere laut Mitteilung für das Projekt nicht nur technisches Know-how.

Die Uni Oldenburg werde das Projekt außerdem wissenschaftlich begleiten. (Olaf Weiss)

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