Trend auch im Landkreis Northeim: Einkauf ohne Bargeld

Kartenzahlung hat in der Pandemie stark zugelegt

Kartenzahlung wird auch beim Bäcker immer beliebter: Heike Geiger Filialleiterin bei der Bäckerei Thiele im Northeimer Marktkauf (links) und Mitarbeiterin Andrea Brandt.
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Kartenzahlung wird auch beim Bäcker immer beliebter: Heike Geiger Filialleiterin bei der Bäckerei Thiele im Northeimer Marktkauf (links) und Mitarbeiterin Andrea Brandt.

In der Corona-Pandemie haben viele Kunden das Bezahlen mit Karte oder Smartphone für sich entdeckt. Bargeld wird immer weniger für den Einkauf benutzt, selbst bei Kleinstbeträgen wie beim Bäcker wird schnell die Karte gezückt, um die Backwaren zu bezahlen.

Northeim – Knapp 20 Prozent der Kunden zahlen inzwischen bargeldlos, so Jan Philipp Gresens, Geschäftsführer der Feinbäckerei Ruch. Eine Steigerung sei seit Corona deutlich zu spüren. Er würde sich wünschen, dass die Quote bei 100 Prozent liegen würde. Denn das bargeldlose Zahlen hätte viele Vorteile: Der Kassiervorgang geht schneller und ist hygienischer, man müsse kein Geld zählen und zur Bank bringen, zudem wäre dann auch ein Diebstahl nicht mehr möglich.

Diese Vorteile nennt auch Ilna Steinberg, Prokuristin der Feinbäckerei Thiele. „Wir bieten das bargeldlose Zahlen bereits seit 2018 an, seit der Pandemie ist ein deutlicher Zuwachs festzustellen“, so Steinberg, die davon ausgeht, dass sich das Zahlungsverhalten langfristig ändern wird. Dennoch hätten viele Kunden noch von früher im Kopf, dass man erst ab fünf oder zehn Euro bargeldlos zahlen könnte, was aber längst nicht mehr so sei.

Tobias Schnabel, Inhaber Edeka-Markt Schnabel

Auch Tobias Schnabel bemerkt in einem Edeka-Markt in Northeim eine Zunahme an Kartenzahlungen. Rund 60 Prozent der Kunden nutzen nun das bargeldlose Zahlen. Davon wiederum würden circa 15 Prozent mit Smartphone bezahlen.

Vermutlich würden noch mehr Kunden die bargeldlose Option nutzen, wenn er nicht bereits seit 2017 einen Zahlautomaten an der Kasse etabliert hätte. Dort könnte ebenfalls hygienisch bezahlt werden. Kunden würden hier gern ihr Kleingeld loswerden. Das habe während der Pandemie zugenommen, da sonst fast überall um bargeldlose Zahlung gebeten werde. Zudem gebe es auch Kunden, die sich sorgten, dass das Bargeld ganz abgeschafft und somit ihr Kaufverhalten gläsern werde.

Dennoch, ein deutlicher Drang zum Zahlen mit Plastikkarte sei zu verspüren. Denn es sei praktisch und ginge auch schneller an der Kasse.

Die Volksbank Kassel-Göttingen verzeichnete laut Pressesprecher Peter Mühlhaus im Coronajahr 2020 bei den Transaktionen mit der Girocard (Kartenzahlung) an den Verkaufsstellen ein Plus von 15 Prozent auf jetzt rund fünf Millionen. Dabei ist der Anteil der kontaktlosen Transaktionen von 50 Prozent 2019 auf 75 Prozent 2020 gestiegen. Ganz sicher eine Auswirkung der Corona-Pandemie – aber auch der Limiterhöhung für kontaktlose Bezahlvorgänge ohne PIN von 25 Euro auf 50 Euro, so Mühlhaus. Auch die Installierung von digitalen Karten auf Smartphones, Smart-Watches und Tablets habe sich um über 100 Prozent erhöht.

Ein ähnliches Bild auf bei der Kreis-Sparkasse Northeim (KSN): Im Vergleich zu 2019 haben die Kartenzahlungen 2020 bei den von der KSN ausgegebenen Sparkassen-Cards und Kreditkarten um 22 Prozent zugenommen (von 2,2 auf 2,7 Millionen). Während die Karten-Zahlungen im Internet leicht rückläufig waren (von 190 000 auf 165 000), haben die Kartenzahlungen an physischen Zahlungsterminals um über 25 Prozent zugelegt, bestätigt Gernot Bollerhei, Pressesprecher der KSN. Knapp 25 Prozent seien davon kontaktlose Kleinstbeträge ohne Eingabe der Pin-Nummer.

Das Thema Kartenzahlungen sei aber nur eine Facette, so Mühlhaus. Corona habe Auswirkungen auf alle digitalen Dienstleistungen der Bank. Außergewöhnlich gut würden die digitalen Zugangswege zur Bank angenommen. Immer mehr Kunden wickelten ihre Geschäfte Online ab, die stationären Filialen hingegen würden weniger genutzt.

Was Experten für die nächsten drei bis vier Jahren vorausgesagt hätten, habe sich innerhalb eines Jahres vollzogen. „Corona wirkt wie ein Digitalisierungs-Booster“, betont Mühlhaus. (Rosemarie Gerhardy)

Bargeld verliert an Bedeutung

Der Umfrage der Deutschen Bundesbank zufolge sind im vergangenen Jahr 30 Prozent der Käufe an der Ladenkasse, in der Freizeit und im Onlinehandel mit einer Karte bezahlt worden. 2017 lag der Wert noch bei 21 Prozent. Gleichzeitig zahlen weniger Verbraucher ihren Einkauf in bar. Nur noch 60 Prozent aller Einkäufe sind 2020 bar bezahlt worden, drei Jahre zuvor waren es noch 74 Prozent. Mit dem Smartphone zahlen laut Umfrage nur 13 Prozent mobil an der Kasse.

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