Der Trick mit dem Streifenwagen

Erinnerungen: Der scheidende Leiter der Polizeistation Nörten-Hardenberg, Mario Anke, mit dem Originalmanuskript seiner Selbstverteidigungsfibel und einem seiner Bücher. Foto:  Niesen

Nörten-Hardenberg. Nörtener Polizeichef geht in den Ruhestand. Mario Anke hat in seiner Dienstzeit viele Impulse gesetzt und so manche List angewendet.

Eine Ära geht zu Ende, wenn der Leiter der Polizeistation Nörten-Hardenberg, Mario Anke, sich morgen von seinen Kollegen und Wegbegleitern verabschiedet und in den Ruhestand wechselt. „Vom ältesten Kollegen zum jüngsten Pensionär - eine schöne Verwandlung“, scherzt der 62-jährige Beamte. Er hat seinen Beruf nicht nur mit Liebe und Leidenschaft ausgeübt, sondern ihm auch viele Impulse gegeben.

Zu den großen Verdiensten von Mario Anke gehört die Entwicklung der so genannten Einsatzbezogenen Selbstverteidigung (ESV). Ziel ist dabei, im Einsatz Verletzungen von Polizisten und deren Gegenüber so gering wie möglich zu halten, wenn es zu handgreiflichen Auseinandersetzungen kommt. 1986 entstand daraus die ESV-Fibel für die Ausbildung von Polizeibeamtinnen und -beamten. Vier weitere Bücher erschienen. Darüber hinaus entwickelte sich eine Lehr- und Seminartätigkeit für Polizisten in Südniedersachsen und für Menschen, die von Berufs wegen mit gewalttätigen Reaktionen rechnen müssen.

Auftritte im Fernsehen

Die öffentliche Aufmerksamkeit war groß. Auftritte in Fernseh-Talkshows folgten, unter anderem beim Auslandsfernsehen der Deutschen Welle. „Bekannte haben einen Beitrag darüber im kanadischen Toronto gesehen“, erinnert sich Mario Anke.

Viele Gedanken haben sich der Polizeihauptkommissar und seine Kollegen auch um andere Aspekte gemacht. So haben sie die Einführung des so genannten Springlichts bei Einsatzfahrzeugen angestoßen. Dabei blitzen die Scheinwerfer der Streifenwagen rhythmisch, um eine zusätzliche Warnwirkung neben Sirene und Blaulicht zu erzeugen.

Zeitersparnis

Auch in Sachen Bürokratie war Mario Anke aktiv: Er regte mit einem Kollegen zusammen die Einführung von Locher- und Knickmarkierungen auf Polizeivordrucken an, die zu einer erheblichen Zeitersparnis führten. „Ich probiere gerne Neues aus.“

Im Mittelpunkt stand natürlich die Polizeiarbeit, die er mitunter simpel, aber wirkungsvoll löste. So erinnert er sich an eine Häufung von Verkehrsunfällen auf der Bundesstraße 3 bei Nörten im Jahr 1998, die den Beamten damals viele Sorgen bereitete. Um die Zahl der Unfälle zu senken, stellten sie deshalb einfach regelmäßig einen unbemannten Streifenwagen auf Feldwege. Es dauerte nicht lange und die Zahlen normalisierten sich.

Zu den jährlichen Höhepunkten in Nörten zählt Mario Anke die Burgturniere mit ihrem internationalen Flair. Aber auch andere Ereignisse blieben haften.

König Carl Gustav

So der Besuch des schwedischen Königs Carl Gustav im Burghotel oder als er als junger Mitarbeiter der Autobahnpolizei in Hildesheim dem Schlagersänger Billy Mo („Ich kauf mir lieber einen Tiroler Hut“) einen Strafzettel über 40 Mark verpassen musste. „Billy Mo gab mir noch eine Autogrammkarte mit der Widmung Alles Gute“.

41 Jahre und 149 Tage stand Mario Anke im Dienste der Polizei. Jetzt freut er sich auf seine beiden Enkelkinder. Im „Unruhestand“ hat er noch viel vor. Er möchte wieder Trompete spielen, Seminare für Selbstverteidigung machen und sich weiter im Judo-Club Northeim engagieren. So wird er 2017 wieder das legendäre Pfingstlager in Lauenberg mit organisieren. Es findet bereits zum 50. Mal statt.

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