Kreisbrandmeister warnt

So wirkt sich die Trockenheit aus: Erheblich mehr Wasser verbraucht - Kippen sorgen für Brände

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Mehr als genug Trinkwasser: Unser Bild zeigt das Wasserwerk Streitföhr der Stadtwerke Northeim. Die Menschen in der Region verbrauchen deutlich mehr Wasser als sonst.

Northeim. Der Sommer hat die Region bei Temperaturen von über 30 Grad wieder fest im Griff. Die starke Trockenheit wird jetzt allerdings insbesondere für Raucher eine brenzlige Gefahr, warnt Kreisbrandmeister Bernd Kühle.

Gleich zweimal mussten die Brandschützer aus Northeim am Montagnachmittag zu Feuern ausrücken, bei denen nach ersten Informationen Raucher ihre Zigarettenkippen entweder in Blumenkübeln auf dem Balkon ausgedrückt oder in sie hineingeascht hatten. „Das ist aufgrund der Trockenheit brandgefährlich“, warnt Kühle. In beiden Fällen hatten die Blumenkübel Feuer gefangen, einer ist vom Balkon gefallen.

Kühle warnt davor, dass sich bei solchen Feuern die Flammen schnell auf den ganzen Balkon und anschließend in die Wohnung ausbreiten können. Außerdem kann ein brennender Balkonkasten, der von Mehrfamilienhäusern in die Tiefe stürzt, schwerwiegende Folgen haben.

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Grillen "brandgefährlich"

Die Feuerwehren beobachten laut Kühle außerdem immer wieder Menschen, die in der freien Natur grillen. Davon ausgenommen sei auch nicht der Bereich rund um den Kiessee. Dies sei bei den weiter anhaltenden hohen Temperaturen ebenfalls „brandgefährlich“, mahnt Kühle. Grillen sei ausschließlich auf dafür ausgewiesenen Plätzen erlaubt. Aufgrund der vollkommen trockenen Grünflächen könne sich ein Feuer in kurzer Zeit auf weiten Strecken ausbreiten.

Die Feuerwehren im Landkreis sind aufgrund der Hitze immer wieder im Einsatz. Zuletzt hatte es am Dienstag bei Echte an der Autobahn 7 und an der Bundesstraße 241 bei Lütgenrode gebrannt. Am Sonntag gab es Feuer im Bereich des Bahnhofes Nörten-Hardenberg sowie bei Fredelsloh. Nach dem zeitweisen Heruntersetzen nach den Regenfällen im Kreis war die Waldbrandgefahr in der Region erneut auf Stufe 4 von 5 angestiegen.

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

Auswirkungen der Trockenheit

Nach einer kurzen temperaturmäßigen Verschnaufpause klettert das Thermometer wieder auf teils über 30 Grad. Die hohen Temperaturen werden auch in der kommenden Woche noch anhalten. Was das für Auswirkungen auf die Region hat und was man selbst tun kann, haben wir hier zusammengefasst.

Wasserverbrauch steigt: Die Stadtwerke Northeim haben aktuell einen erheblichen Mehrverbrauch. Waren es im Juli 2017 noch 4300 Kubikmeter durchschnittlich pro Tag, sind es aktuell rund 5000. So ist der Monatsverbrauch von 135.000 Kubikmetern im Juli 2017 auf voraussichtlich 153 000 in diesem Monat gestiegen, sagt Thorsten Buschjost, Leiter Technik bei den Stadtwerken, im Gespräch mit der HNA. Engpässe gebe es allerdings nicht.

Das Wasser, das die Kunden aus der Leitung bekommen, hat übrigens einen 30 Jahre langen Weg hinter sich. so lange dauert es, bis der Regen seinen Weg durch die Gesteinsschichten bis letztlich in die Hochbehälter der Stadtwerke gefunden hat.

Pflanzenwelt leidet: Um seinen Pflanzen und Stauden im Garten zu helfen, sollte man sie morgens und abends ordentlich wässern, rät Mila Rohde von der Baumschule Rohde aus Moringen. Große Bäume mit tiefem Wurzelwerk saugen alles verfügbare Wasser im Boden auf, um die Trockenheit zu überstehen. Für andere Pflanzen um den jeweiligen Baum bleibe dann meist nicht viel übrig. Das tiefe Wurzelwerk sei aber auch Grund dafür, warum ein oberflächliches Gießen dieser Bäume kaum Wirkung zeige. Frisch angepflanzte Bäume hingegen sollte man mit mindestens 20 Litern versorgen. „Die Zeit ist sehr hart für die Pflanzenwelt, aber sie werden sich auch wieder berappeln“, macht Rohde Mut.

Straßenmeistereien helfen: Niedersachsenweit sind Straßenmeistereien im Einsatz, um Bäume zu gießen. Das trifft auch auf die Straßenmeisterei in Northeim zu. Sie versorgt frisch gepflanzte Bäume am Hermann-Teuteberg-Kreisel in der Kreisstadt regelmäßig mit Wasser. Bei Kontrollfahrten werden die Straßenbäume immer wieder in Augenschein genommen. An weiteren Stellen musste die Meisterei bislang aber noch nicht tätig werden, heißt es auf Nachfrage der HNA.

Ernteeinbußen beim Obst: Viel Sonne ist für Obstbauern grundsätzlich eine gute Nachricht. „Es ist aber viel zu trocken“, sagt Christian Wedemeier vom Obstbau Wedemeier aus Iber im Gespräch mit der HNA. Zwei Brunnen, die das Unternehmen seit 38 Jahren verwendet, sind trocken gelaufen. Deshalb sei man jetzt auf Stadtwasser angewiesen. „Wir haben kilometerlange Tropfschläuche im Einsatz“, erklärt Wedemeier. Die Bäume lassen dennoch bereits die Äpfel fallen und man rechne mit Ernteeinbußen, unter anderem wegen Sonnenbrand bei Äpfeln. Das sei vor zwei Jahren bereits ein Problem gewesen – jetzt rechne man wieder damit. Beim sogenannten Sonnenbrand wird die der Sonne zugewandte Seite der Äpfel braun und verfault.

Ältere Patienten betroffen: Einen deutlichen Anstieg an Patienten in der Notaufnahme der Helios Albert-Schweitzer-Klinik in Northeim gibt es nicht, allerdings ist eine bestimmte Personengruppe betroffen. „In diesen sehr heißen Tagen kommen einzelne Patientinnen und Patienten zu uns in die Notaufnahme, die hitzebedingt erkrankt sind. Es handelt sich fast ausschließlich um ältere Menschen“, teilt Christine Trowitzsch, Sprecherin der Helios Verwaltung Niedersachsen GmbH mit.

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