Trotz Todes-Bomben ein Stück Brot

Lockere Plauderei: Auto Harold Nash (links) im Gespräch mit dem Fredelsloher Pastor Peter Büttner. Foto: Niesen

Schnedinghausen. Sympathisch, witzig und - wenn es wichtig wurde - ernst und philosophisch religiös. So erlebten die Zuhörer der zweiten Veranstaltung der Schnedinghäuser Literaturkirche am Sonntagnachmittag den Engländer Harold Nash aus Birmingham, den früheren Navigator eines britischen Bombers im Zweiten Weltkrieg.

Der am 8. August 90 Jahre alt gewordene Mann war als 18-Jähriger freiwillig zur Luftwaffe gegangen, um sein Land gegen Hitler-Deutschland zu verteidigen, nahm am Flächenbombardement deutscher Städte teil, wurde abgeschossen und erlebte das Ende des Krieges als deutscher Kriegsgefangener.

Seine Erlebnisse ließen ihn zum Pazifisten werden. Jetzt hat er sie in seinem autobiographischen Roman „Nach den Sternen greifen“ verarbeitet. Die Literaturwissenschaftlern Zsuzsanna Bényei-Büttner und der Autor lasen in der übervollen Kapelle wechselweise aus dem Werk, dazwischen sprach Fredelslohs Pastor Peter Büttner mit ihm über seine Erfahrungen und Ziele.

Die Form des Romans wählte Nash, der erst vor sechs Wochen eine Tour durch sieben Städte Deutschlands vor über 300 Gymnasiasten in Darmstadt abgeschlossen hat, weil man mit „Dichtung Wahrheit besser ausdrücken kann als mit der Realität“.

Sein Schüsselerlebnis, das ihn zum Pazifisten machte, entspricht jedoch den Tatsachen. Schon nach den ersten Angriffsflügen war er gegenüber den Flächenbombardements skeptisch geworden, weil sie unter der Zivilbevölkerung vor allem unter Frauen und Kinder zigtausende Opfer verursachten. „Keine Bombe hat auch nur ein Problem gelöst.“

Hannover bombardiert

Auf dem Rückflug von einem Angriff auf Hannover wurde dann sein Flugzeug abgeschossen. Nur mit Glück konnte er sich mit dem Fallschirm retten. Er wurde festgenommen und unter Bewachung im Zug nach Frankfurt/Main transportiert. Dort saß er in einem Abteil mit drei Frauen in Trauerkleidung. Er hatte Hunger und Durst und die Frauen konnten an seiner Uniform erkennen, dass ihnen ein britischer Flieger gegenüber saß. „Plötzlich bot mir eine der Frauen ein Stück Brot an - mir, der versucht hatte, sie und ihre Landsleute zu töten. Brot, das Symbol des Lebens.“

Das war für ihn die innerliche Umkehr: „Die stärkste Waffe gegen einen Feind ist die Liebe. Diese Frauen haben mir die andere Wange zugewandt.“

Nach dem Krieg wurde Harold Nash Lehrer für Französisch und Deutsch und setzt sich seitdem für Verständigung und Frieden ein.

Im Mittelpunkt der dritten Veranstaltung der Schnedinghäuser Literaturkirche am Sonntag, 11. November, um 16 Uhr stehen die Gedichte des Germanisten und pensionierten Gymnasiallehrers Lutz Städter aus Northeim. (zhp)

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