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Bürgertests jetzt kostenpflichtig: Unsicherheit in Northeimer Testzentren

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Von: Kathrin Plikat, Axel Gödecke, Rosemarie Gerhardy

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Nicht nur wer als Besucher in eine Klinik oder ein Pflegeheim will, braucht weiterhin einen Coronaschnelltest.
Nicht nur wer als Besucher in eine Klinik oder ein Pflegeheim will, braucht weiterhin einen Coronaschnelltest. © Britta Pedersen/dpa

Seit Donnerstag sind Corona-Bürgertests kostenpflichtig – 3 Euro müssen gezahlt werden. In den Testzentren im Kreis Northeim herrscht Verunsicherung, teils auch Enttäuschung.

Landkreis Northeim - Während Betreiber Thomas Junge das Testzentrum Stadthalle Northeim ab Freitag schließt, will Fouad Cherif, Geschäftsführer vom Citavis-Testzentrum in der Alten Brauerei, den Selbstbehalt für die Drei-Euro-Tests übernehmen.

Thomas Junge
Thomas Junge, Testzentrum-Betreiber in Northeim © Kathrin Plikat

„Ich weiß nicht, wie ich die neue Testverordnung von Mittwochnachmittag ab Donnerstag umsetzen sollte“, sagt Thomas Junge vom Testzentrum Stadthalle. Auf jeden Fall sei der Verwaltungsaufwand viel zu hoch: Um Geld zu kassieren, brauche er eine „Finanzamt konforme Kasse“, außerdem sei unklar, wie er kontrollieren soll, ob ein Besucher zu der Gruppe gehört, die zahlen muss, oder zu der, die weiterhin kostenlos getestet wird. Auch wie er die entsprechenden Nachweise verwalten soll, habe ihm bisher niemand erläutert.

Die zahlreichen PCR-Tests, die täglich im Testzentrum Stadthalle gemacht wurden, fallen somit auch weg. Das sei angesichts der steigenden Zahl an Corona-Infektionen im Kreis Northeim ein echtes Problem: „Allein an diesem Montag hatten wir 80 positive Testergebnisse“, so Junge.

Manche Testzentren übernehmen die Zuzahlung

In der Alten Brauerei in Northeim sind die Tests dagegen weiterhin für viele Besucher kostenlos: Nur Menschen, die nach der neuen Verordnung keinen Anspruch mehr auf einen Bürgertest haben, zahlen 9,90 Euro, so Cherif.

„Wir haben die ganze Nacht die Verordnung genau geprüft“, sagt er, denn sein Unternehmen betreibe an anderen Orten in Südniedersachsen weitere Testzentren. Die Telefone stünden nach seinen Worten nicht mehr still, viele Menschen seien wegen der neuen Regelungen verunsichert. In der Alten Brauerei werde man aber die Öffnungszeiten und das Testangebot nicht verändern, sagte Cherif zu.

Weil noch zu viele Fragen unbeantwortet sind, schließt der Kulturbahnhof Uslar in Allershausen ab sofort vorübergehend sein Corona-Testzentrum. Der Grund: Es gebe noch keine Informationen, wie es ab Freitag weitergehen soll.

Änderungen beim Bürgertests

Bei dem neuen Anspruch auf Bürgertests gibt es drei Personengruppen: 1. die, die Anspruch auf einen kostenfreien Test haben (Kinder, Schwangere, Besucher von Gesundheitseinrichtungen, etc); 2. die, die 3 Euro Selbstbeteiligung zahlen müssen, dazu gehören Kontaktpersonen über 60 Jahre, Personen, die Veranstaltungen besuchen wollen oder eine Warnung über die Corona-App erhalten haben und 3. die, die weder zu 1 und 2 gehören und den Test voll zahlen müssen.

Testzentren bekommen weniger Geld

Laut der neuen Verordnung des Bundesgesundheitsministeriums bekommen die Testzentren für die Schnelltests nun weniger Geld erstattet. Statt bislang 11,50 Euro pro Test sind es künftig nur noch 9,50 Euro. Das bestätigte auch der Landkreis Northeim.

Nicht jeder muss bezahlen

Seit gestern müssen drei Euro Zuzahlung geleistet werden. Aber es gibt Ausnahmen. Dazu Infos in Fragen und Antworten:

Für wen ist der Bürgertest kostenlos weiter?

Einen Anspruch auf kostenlose Bürgertests haben weiterhin: Kinder unter 5 Jahren, Personen, die sich nicht impfen lassen können, Schwangere im ersten Trimester, Personen, die sich „freitesten“ wollen sowie Besucher, Patienten oder Bewohner in Kliniken und Heimen. Folgende Einrichtungen betrifft das unter anderem: Krankenhäuser, Reha- und Pflegeeinrichtungen, Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen, Dialysezentren, ambulante Pflege, ambulante Dienste, Tageskliniken, ambulante Hospizdienste. Auch pflegende Angehörige und Haushaltsangehörige von nachweislich Infizierten sind weiter frei.

Wie weise ich nach, dass ich Anspruch auf einen kostenlosen Bürgertest habe?

Man muss sich bei der Teststelle ausweisen und einen Nachweis erbringen: Bei Kleinkindern Geburtsurkunde oder Kinderreisepass, bei Schwangeren der Mutterpass. Wer nicht geimpft werden kann, braucht ein Attest. Wer sich freitesten will, legt den PCR-Test vor, ebenso Haushaltsangehörige von Infizierten.

Und wie sieht das bei Besuchern von Kliniken und Heimen aus?

Bei Besuchen in Pflegeheimen oder Kliniken kann ein kostenloser Test vor Ort gemacht werden oder der Besuch wird der Teststelle gegenüber glaubhaft gemacht. Dafür kann das auf der Internetseite des Bundesgesundheitsministeriums (zu.hna.de/bescheinigung) eingestellte Musterformular genutzt werden.

Muss ich einen Nachweis bringen, damit ich den 3-Euro-Bürgertest bekomme?

Für Bürgertests mit Eigenbeteiligung muss man Anspruch nachweisen. Das geht zum Beispiel mit der Eintrittskarte für eine Veranstaltung, dem Vorzeigen der Corona-Warn-App oder bei Kontakten mit Risikopatienten einer Selbstauskunft, die auf einem Formblatt oder bei einem digitalen Registrierungsvorgang festgehalten wird.

Kann ich mich auch weiterhin ohne Grund testen lassen?

Ja. Wer keinen Anspruch auf einen kostenlosen oder einen 3-Euro-Bürgertest hat, kann sich in Testzentren testen lassen, muss dann aber den Test voll selbst bezahlen.

Ich habe Symptome, ist der Test für mich kostenlos? Wo soll ich hingehen?

Patienten mit Symptomen sollten sich beim Hausarzt testen lassen.

Welche Personen erhalten einen kostenlosen großen PCR-Test, also mit Laborauswertung?

Fällt ein Antigen-Schnelltest positiv aus, hat man Anspruch auf einen kostenlosen PCR-Test zur Bestätigung des Ergebnisses. Dies gilt auch bei Vorliegen eines positiven Selbsttests. Eine Warnmeldung der Corona-Warn-App reicht nicht mehr aus.

Gibt es eine Meldepflicht bei einem positiven Antigen-Schnelltest?

Ja, positive Ergebnisse von Antigen-Schnelltests sind meldepflichtig.

Gibt es eine Meldepflicht bei einem positiven Selbsttest?

Nein, eine Meldepflicht gibt es nicht. (Axel Gödecke/Kathrin Plikat / Rosemarie Gerhardy)

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