Fragen und Antworten rund ums Düngen

Unterwegs mit Bauern: So wird in der Region mit Gülle gedüngt

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Schwere Technik: Mit vollem Tank bringt es das Fahrzeug auf 45 Tonnen. Um die Last auf dem Feld gleichmäßig zu verteilen, sind beide Achsen lenkbar, sodass jedes Rad auf dem Feld seine eigene Spur zieht.

Das tierische Kot-Urin-Gemisch Gülle ist für die Landwirtschaft ein wertvolles Düngemittel. Wir erklären, wie das Gärsubstrat aus Biogasanlagen ausgebracht und eingesetzt wird.

Gülle ist ein Reizwort. Die Mischung aus Kot und Urin von Kühen, Schweinen oder Geflügel ist für viele vor allem als Ursache für die Nitratbelastung im Grundwasser ein Begriff. In der Landwirtschaft ist sie vor allem eins: wertvoller Dünger, aber auch Energielieferant in Biogasanlagen. Darüber, wie die Gülle beziehungsweise das Gärsubstrat aus Biogasanlagen als Dünger ausgebracht und eingesetzt, sprachen wir mit Landwirt Jörg Gebauer von der Ahletal KG (Sohlingen) und dem Leiter der Landwirtschaftskammer-Bezirksstelle Northeim, Dr. Karsten Möller. Die Ahletal KG, zu der sich Gebauer und seine Kollegen Heinrich Wasmund und Ernst Warnecke zusammengeschlossen haben, hat 280 Milchkühe sowie 300 Färsen („Kuh-Teenager“) und Kälber. Sie betreibt eine Biogasanlage. Nach der Gasgewinnung wird das Gärsubstrat als Dünger eingesetzt.

Woraus besteht das Gärsubstrat?

Es ist eine Mischung aus Gülle, Mist, Mais- und Grassilage.

Gibt es in Bezug auf die Düngewirkung einen Unterschied zwischen Gülle und Gärsubstrat?

„Die Nährstoffe, die wir hineingeben, holen wir auch wieder raus“, sagt Gebauer über die Biogasanlage. Der Substanzverlust von zwei Prozent durch die Methangewinnung spiele dabei keine Rolle.

Auf wie viel Hektar Grünland beziehungsweise Ackerfläche wird das Gärsubstrat ausgebracht?

520 Hektar Fläche hat die Ahletal KG, davon 140 Hektar Wiesen, die für die Futtergewinnung gemäht werden. Die Weiden, auf denen die Nachzucht gehalten wird, werden nicht mit Gärsubstrat gedüngt.

Wie oft im Jahr wird Gärsubstrat ausgebracht?

Auf den Ackerflächen je nach dem, was angebaut wird, ein- bis zweimal, auf den Wiesen dreimal.

Werden die Flächen außerdem noch mit Mineraldünger gedüngt?

Ja, es gibt eine ergänzende Stickstoffdüngung mit Mineraldünger.

Können die Landwirte beliebig stark düngen?

Nein. In einer Düngeverordnung, die gerade verschärft wurde, ist genau geregelt, wie viel Stickstoff und Phosphat pro Jahr ausgebracht werden dürfen. Darin werden auch Vorgaben gemacht, wann und mit welcher Technik Gülle beziehungsweise Gärsubstrat auf den Feldern verteilt werden darf. Im Durchschnitt aller seiner Flächen darf ein Betrieb nicht mehr als 170 Kilogramm/Hektar ausbringen.

Streifenmuster: Deutlich ist zu sehen, welcher Bereich des Feldes bereits gedüngt wurde. Der Bereich links am Weg darf nicht gedüngt werden, weil dort gelegentlich Wasser fließt. 

Ist der Stickstoffgrenzwert überall gleich?

Nein. Die Menge, die auf einem einzelnen Feld ausgebracht werden darf, richtet sich danach, was angebaut wird. Bei Pflanzen, die einen höheren Stickstoffbedarf haben, darf mehr gedüngt werden. Auch der an einem Standort zu erwartende höhere Ertrag bedeutet einen Stickstoffaufschlag. Je nachdem, was im Vorjahr auf dem einzelnen Feld angebaut wurde, kann es dagegen einen Abzug geben.

Für die Landwirte bedeutet das nach den Worten von Landwirtschaftsbezirksstellenleiter Dr. Karsten Möller eine aufwendige Rechnung, bei der auch der Stickstoffgehalt im Boden vor der ersten Düngung berücksichtigt wird.

Wird die Einhaltung der Regeln kontrolliert?

Ja, rechnerisch. Jeder Landwirt muss dokumentieren, wie viel Gülle pro Jahr anfällt. Pro Kuh sind das beispielsweise 20.000 Liter, entspricht bei einer Kuh, die 10.000 Liter Milch im Jahr gibt, 133 kg Stickstoff. Dazu kommt die Menge des gekauften Mineraldüngers (und damit des enthaltenen Stickstoffs). Ebenso muss er festhalten, wann er wo wie viel Gülle und Mineraldünger ausgebracht hat. Bei einer Überschreitung droht ein Bußgeld.

Welche Vorschriften enthält die Düngeverordnung sonst noch?

Mehr als man hier aufzählen kann. Hier einige der Wichtigen:

• Die Düngung mit Stickstoff (und damit das Ausbringen von Gülle) ist auf Ackerflächen nach der Ernte im Herbst erst wieder ab dem Februar des Folgejahrs erlaubt. Ausnahme: Ein Feld darf bis zum 1. Oktober gedüngt werden, wenn dort gleich wieder etwas angebaut wird.

• Auf Grünland gilt eine Sperrfrist zwischen dem 1. November bis zum 31. Januar.

• Auf sehneebedeckten oder gefrorenen Böden darf auch danach keine Gülle verteilt werden.

• Zu Gewässern muss beim Düngen ein Abstand von einem Meter (bei präziser Ausbringungstechnik) und von vier Metern (bei Standardtechnik) eingehalten werden.

• Auch die Ausbringungstechnik wird vorgeschrieben. So darf Gülle nicht mehr im hohen Bogen breit verteilt werden. Auf Äckern darf ab 2020 Gülle nicht mehr verspritzt werden. Sie muss dann über sogenannte Schleppschläuche, die an einem breiten Gestänge hängen, direkt auf den Boden ausgebracht werden. Für Wiesen gilt diese Vorschrift erst ab 2025.

• Jeder Betrieb muss Lagerkapazität für die Güllemenge vorweisen, die innnerhalb einem halben Jahr anfällt.

Scharfe Scheiben: Sie erzeugen die wenige Zentimeter tiefen Rillen, in welche die Gülle aus den Schlitzen fließt.

Wie bringt die Ahletal KG das Gärsubstrat aus ihrer Biogasanlage aus?

Der von ihr beauftragte Lohnunternehmer setzt dafür Maschinen ein, die noch über das hinausgehen, was auf Wiesen ab 2025 vorgeschrieben ist. Die Verteilung erfolgt mit einem 600 PS starken Tankwagen. Dieser ist mit einer Drilleinrichtung ausgestattet, die den Boden mit Scheibenrädern aufschlitzt. Über Schläuche fließt die Gülle in die entstandenen Rillen.

Was sind die Vorteile dieses aufwendigen Verfahrens?

Nach Gebauers Worten sichert dieses Verfahren die bestmögliche Ausnutzung des Substrats als Dünger. Werde es einfach aufs Feld gespritzt, bleibe einiges des Substrats an den Halmen hängen. Die darin enthaltenen Nährstoffe können dann nicht zu den Wurzeln gelangen.

Auch der Stickstoffverlust durch starke Sonneneinstrahlung werde so minimiert. Auch die Geruchsbelästigung (die allerdings bei Gärsubstrat minimal ist) wird so stark reduziert.

Nitrat und Nitrit

Nitrate sind die Salze der Salpetersäure. Sie gehören zu den Hauptnährstoffen im Boden, wo sie durch Mikroorganismen aus Luftstickstoff oder stickstoffhaltigen organischen Verbindungen gebildet werden.

Die Gefahr von Nitrat liegt in einer möglichen Reduktion zu Nitrit im menschlichen Organismus oder in nitrathaltigen Lebensmitteln bei längerer Lagerung. Nitrit greift die roten Blutkörperchen an, die für den Sauerstofftransport im Körper verantwortlich sind. Das kann insbesondere für Babys und Kinder gefährlich sein.

Nitratwerte im Landkreis unbedenklich

Die Grundwasserbelastung mit Nitrat im Landkreis Northeim ist unbedenklich. Nach Angaben des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz gibt es keinen Bereich, der über 37,5 Milligramm/Liter Nitrat aufweist. Die meisten Bereiche weisen Werte unter 25 mg/l auf. Der Grenzwert liegt bei 50mg/l. Dabei müsse man bedenken, dass Grundwasser nicht gleich Trinkwasser sei, betont Dr. Karsten Möller, Northeimer Bezirksstellenleiter der Landwirtschaftskammer. Grundwasserproben würden aus relativ flachen Bereichen unter der Oberfläche gezogen. Die Trinkwasserbrunnen ziehen das Nass aus tieferen Schichten.

Die Nitratwerte im Trinkwasser des Landkreises:

Northeim: 22,5 mg/l;

Uslar: 4,2 mg/l;

Bodenfelde: 16,6 mg/l;

Nörten-Hardenberg:zwischen zwei und 26 mg/l;

Hardegsen: zwischen drei und 41 mg/l;

Moringen: 5,5 mg/l;

Katlenburg-Lindau: zwischen 8,5 und 32,8 mg/l;

Kalefeld: zwischen zehn und 33mg/l.

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