Die Überraschung ist groß

Unverständnis im Landkreis über Corona-Osterregelung

Tobias Schnabel in seinem Supermarkt in Northeim
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Auch Tobias Schnabel, Inhaber des gleichnamigen Edeka-Markts in Northeim, zeigte sich von den Beschlüssen überrascht.

Von Gründonnerstag bis Ostermontag soll der Alltag nahezu stillstehen, so sehen es die neuen Vereinbarungen nach den Bund-Länder-Gesprächen vor. Bei den Einzelhändlern und Gastronomen im Landkreis Northeim herrscht weitgehend Unverständnis und Frustration vor.

Landkreis Northeim – Die Ergebnisse des Bund-Länder-Gipfels stellen die Einzelhändler, die Kirchen, das Gastgewerbe und Ärzte im Landkreis Northeim, besonders mit Blick auf die Osterfeiertage, erneut vor Herausforderungen.

Einzelhandel

Leider sei es wohl kein Aprilscherz, erklärt Tobias Schnabel, Inhaber des Edeka-Marktes Schnabel, dass er sein Geschäft am Gründonnerstag, 1. April, wohl geschlossen haben muss. Dann werde es voraussichtlich von Montag bis Mittwoch einen Ansturm geben, das würde dann unter den Corona-Auflagen für alle eine Herausforderung.

Unklar war für ihn gestern Vormittag auch noch, was die Formulierung der Landesregierung „Der Lebensmittelhandel im engeren Sinne wird am Ostersamstag geöffnet“, bedeuten soll. Da warte er noch auf Konkretisierung. Allerdings müsse diese bald erfolgen, da er rechtzeitig frische Ware ordern müsse.

Den Frust über die Einschränkungen des Einzelhandels merkt man auch Axel Francke von Geschäft Francke Wohn- und Tischkultur in Northeim an. Die Hängepartie für den Facheinzelhandel ginge weiter, die Ungleichbehandlung setze sich fort. So sei es immer schwerer, Vertrauen aufzubauen und in der Sichtbarkeit der Kunden zu bleiben.

Auch Michael Böhnert, Hausleiter im Modehaus Magnus, kritisiert, dass die Regelungen kaum noch für Kunden nachvollziehbar seien. Er bedauert, dass die Geschäfte nun am Gründonnerstag und Karsamstag wieder die Pforten geschlossen halten müssen. Er verweist aber darauf, dass in den Tagen zuvor noch Gelegenheit besteht, per Soforttermin Ostereinkäufe im Modehaus und im Outlet zu erledigen.

Gastgewerbe

Tilman Bruckschen, Pächter des Hotels Deutsches Haus in Northeim, kritisiert die Beschlüsse. Es sei ein Schlag ins Gesicht, dass man im eigenen Bundesland nicht verreisen dürfe, aber Urlaub auf Mallorca erlaubt sei, so Bruckschen. „Ich verstehe, dass man das Infektionsgeschehen steuern muss. Aber so ergibt das für mich keinen Sinn.“ Übernachtungen über die Osterfeiertage seien schon mehrere storniert worden.

Als „unbefriedigend“ ordnet Eckhard Höche, Inhaber des Hotel-Restaurants Fröhlich Höche in Uslar-Schönhagen, die Ergebnisse ein. Die Übernachtungen seien auch ein wichtiges Standbein, dass jetzt auf unbestimmte Zeit weiter wegfalle. Und auch für den Restaurantbetrieb gebe es immer noch keine dauerhafte Lösung. „Ich habe aber auch gar keine großen Erwartungen gehabt, da die Zahlen ja wieder ansteigen“, sagt Höche. Worüber er aber gern Klarheit hätte, ist der Außerhaus-Verkauf an Ostern. Dafür gebe es laut Höche noch keinen Fahrplan. „Wir haben Vorbestellungen. Zumindest das Geschäft möchten wir natürlich gerne mitnehmen.“

Kirche

Die Superintendenten, Stephanie und Jan von Lingen, vom Kirchenkreis Leine-Solling waren überrascht von der Empfehlung der Bundesregierung, die Gottesdienste an den Osterfeiertagen nicht vor Ort stattfinden zu lassen. Viele Veranstaltungen seien bereits geplant, inklusive Abstand und Hygienekonzepten. Einige Kirchengemeinden würden aber bereits Videogottesdienste planen. Genaueres könne man aber noch nicht sagen: „Wir warten noch auf das Ergebnis eines Gespräches zwischen den niedersächsischen Kirchen und der Landesregierung sowie auf die aktuelle Corona-Verordnung des Landes“, so die Superintendenten.

Dechant Andreas Pape von der katholischen Kirchengemeinde Northeim und Chef des katholischen Dekanats Nörten-Osterode war ebenfalls überrascht. Genaueres wisse er aber erst nach einer Besprechung mit Bischof Dr. Heiner Wilmer, die am heutigen Mittwochabend stattfindet. Dabei werde über das weitere Vorgehen im Bistum entschieden.

Arztpraxen

Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen geht davon aus, dass Ärzte und Psychotherapeuten systemrelevant sind und deshalb an Gründdonnerstag geöffnet haben, teilt Ärzte-Sprecher Wolfgang Boldt mit. Welche Bereiche aber tatsächlich eine Sondererlaubnis bekommen würden, sei noch unklar. (Rosemarie Gerhardy und William Abu El-Qumssan)

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