Kapelle in Markoldendorf soll erstes Kolumbarium der Landeskirche Hannover werden

Urnen-Stätte in St. Marien

Lehm und Bronze als Baustoffe: Kirchenvorstandsmitglied Susanne Schuchart und Pastor Gunnar Jahn-Bettex vor Entwürfen für die Umgestaltung der Marienkapelle zu einer Grabeskapelle. Foto:  Niesen

Markoldendorf. Die theologische Genehmigung der evangelisch-lutherischen Bischofskonferenz liegt vor, jetzt müssen noch die letzte Finanzierung und die notwendigen rechtlichen Voraussetzungen angepasst werden:

Wenn diese Probleme geklärt sind, könnte noch in diesem Jahr die Marienkapelle Markoldendorf zur ersten Urnenbegräbnisstätte der hannoverschen Landeskirche in einem Kirchengebäude umgestaltet werden.

Die Schaffung dieses so genannten Kolumbariums ist für Pastor Gunnar Jahn-Bettix und dem Kirchenvorstand ein Weg, einerseits das Gebäude als Grabeskapelle weiterhin von der christlichen Gemeinschaft zu tragen und andererseits ihre bauliche Erhaltung im Herzen des knapp über 2000 Einwohner zählenden Fleckens zu sichern. Die Kapelle bliebe ein Ort christlicher Verkündigung, denn Grabeskirchen stehen für die christliche Botschaft der Auferstehung.

Die Idee wurde von Kirchenvorstandsmitglied Ulrich Sievert aus Hoppensen und seinen Mitstreitern aus der Not geboren. Denn für den Erhalt der Marienkapelle gibt es schon seit 15 Jahren kein Geld mehr, andere Möglichkeiten der Finanzierung müssen gefunden werden angesichts der demografischen Entwicklung und der Tatsache, dass die Marienkapelle im Schatten der repräsentativen Martinskirche steht. Jahn-Bettex: „Eigennutzung geht vor Fremdnutzung.“

Zehn Entwürfe

Als feststand, dass die Gemeinde die Umgestaltung zum Kolumbarium realisieren wollte, entwickelten Studenten der Fachhochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Holzminden zehn Entwürfe, die auf den Baustoffen Lehm und Bronze beruhen - Lehm als christliches Symbol für Erde, „von der wir genommen und zu der wir wieder werden“, und Bronze als Bild für die Unvergänglichkeit.

Die Studenten entwickelten Entwürfe, die vom Stelen-Wald bis zu Kombinationen von flachen und hohen Wandbereichen reichen, in denen rund 600 Urnen ihren Platz finden können. In einer Ausstellung in der Marienkapelle wurden die Entwürfe jetzt der interessierten Öffentlichkeit präsentiert. Welcher Entwurf das Rennen macht, ist zurzeit noch offen. Die Umgestaltungskosten werden auf rund 500000 Euro veranschlagt.

Die Kirchengemeinde entspricht mit dem Kolumbarium auch dem Trend zur Feuerbestattung, der selbst in den ländlichen Regionen wie die Stadt Dassel, zu der Markoldendorf gehört, inzwischen auf 44 Prozent gestiegen ist, und dem Wunsch nach einer individuellen Bestattungsform.

Mit dem Kolumbarium kommt die Kirchengemeinde zudem dem Wunsch vieler Menschen nach, nach ihrem Tod ihren oftmals entfernt lebenden Verwandten nicht zur Last fallen zu wollen. Gleichzeitig gibt es aber für sie einen Ort der Trauer mit der christlichen Symbolik.

Die Grabeskapelle soll nicht in Konkurrenz mit den örtlichen Friedhöfen treten, ist sich die Gemeinde einig. „Die letzte Ruhestätte wird teurer sein als auf den örtlichen Friedhöfen“, sagt Pastor Gunnar Jahn-Bettix. Menschen aus ganz Südniedersachsen könnten sich dort bestatten lassen. Um die Finanzierung zu stemmen, ist es denkbar, dass Urnenplätze bereits vorzeitig verkauft werden. Kolumbarien bestehen beispielsweise bereits in Erfurt, Aachen und Marl. (zhp)

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