Ursprung der islamischen Wendeltreppe in der Fredelsloher Kirche bleibt ungeklärt

Geheimnisvolle Treppe: Arno Schelle zeigt auf der Wendeltreppe stehend eine Zeichnung, die die bauliche Besonderheit der Konstruktion verdeutlicht. Die islamische Treppe befindet sich in dem mittleren Aufgang der Westfront (Pfeil). Foto: Mönkemeyer

Fredelsloh. Die Diskussion um das kürzlich am Fredelsloher Klosterhof abgerissene Haus hat verdeutlicht, dass es sich bei der im Stiftskirche im Zentrum des Töpferdorf um ein besonderes historisches Gebäude handelt. Nur den wenigsten dürfte allerdings bekannt sein, dass sich in dem Gotteshaus sogar eine einzigartige architektonische Kostbarkeit verbirgt:

eine islamische Wendeltreppe aus dem 13. Jahrhundert.

Der Fredelsloher Heimatforscher Arno Schelle hat in seinem kürzlich veröffentlichen Buch „Fredelsloher Fundstücke und Fragmente“, dieser Treppe ein ausführliches Kapitel gewidmet. Demnach ist bis heute nicht endgültig geklärt, wie die Treppe nach Niedersachsen gelangte.

Dass es sich bei dem westlichen Aufgang zur Kirchenempore tatsächlich um eine Konstruktion handelt, wie sie für die Türkei typisch ist, wurde Ende der 70er Jahre von Professor Friedrich Mielke entdeckt, der in Fachkreisen als der deutsche Treppenprofessor gilt.

Der engagierte Denkmalpfleger, der an der TU Berlin lehrte, schreibt 1979 hierzu in einem wissenschaftlichen Fachartikel: „Die ehemalige Stiftungskirche St. Blasii und St. Mariae, (...) in Fredelsloh besitzt eine Eigenart (...): Zwischen den beiden Türmen der Westfront gibt es eine Wendeltreppe, deren Gehäuse etwa zur Hälfte über die Mauerflucht hinausragt.“ Eine genaue Vermessung der Treppe habe ergeben, dass es sich um eine „verdeckte Doppelwendeltreppe“ handele, und Mielke äußert die Vermutung, dass diese Konstruktion möglicherweise benutzt wurde, um in dem doppelten Boden eine Art Schatzkammer einzurichten.

Wer als Besucher die Fredelsloher Kirche über den Westeingang betritt und die Treppe hinauf zur Empore besteigt, bemerkt zunächst gar nicht die Besonderheit der Stufenkonstruktion. Erst bei genauerem Hinsehen, wird klar, dass man nicht wie bei einer üblichen Wendeltreppe unter den Stufen entlang geht, die man nach der nächsten Windung dann betritt, sondern Stufen über sich hat, die niemand betreten kann.

„Von außen als Halbzylnder sichtbare Treppengehäuse gab es vielfach in der Baugeschichte.“

Darüber, wie die islamische Bauweise nach Niedersachsen gelangen konnte, kann bislang nur spekuliert werden. In einem Interview, das der Treppenprofessor 1986 dem „Stern“ gab, äußert er die Vermutung, dass es schon damals Gastarbeiter gegeben haben mag, die bei deutschen Baumeistern beschäftigt waren und ihre Kenntnisse entsprechend eingebracht haben. Und die Frage, wo denn die für ihn aufregendsten Treppe in Deutschland zu finden sei beantwortete Mielke dem Stern damals mit den Worten: „In der bescheidenen kleinen Kirche St. Blasii in Fredelsloh.“

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