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Zeuge an der deutsch-österreichischen Grenze festgenommen

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Von: Heidi Niemann

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Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand.
(Symbolbild) © David-Wolfgang Ebener/dpa

Rumäne wollte einreisen, um vor dem Amtsgericht auszusagen, wurde aber aber an der Einreise gehindert.

Rosdorf/Hardegsen – Der Prozess gegen zwei frühere Mitarbeiterinnen der Justizvollzugsanstalt Rosdorf dauert länger als ursprünglich geplant. Grund: Das Gericht wollte am Montag eigentlich einen ehemaligen JVA-Insassen, der zwischenzeitlich in sein Herkunftsland Rumänien abgeschoben wurde und inzwischen in Österreich lebt, als Zeugen vernehmen.

Da der 32-Jährige seit seiner Abschiebung mit einer Wiedereinreisesperre belegt ist, hatte das Amtsgericht Göttingen einen Fahndungsvermerk verschickt, damit die Behörden die Einreisesperre für seine Zeugenladung aufheben.

Als der 32-Jährige am Wochenende von Österreich nach Deutschland einreisen wollte, wurde er jedoch in Bayern am Grenzübergang im Landkreis Traunstein festgenommen. Jetzt steht das Gericht vor der kniffligen Frage, ob und wie man einen Zeugen freibekommen kann, der nur deshalb in Haft gelandet ist, weil er einer Ladung des Gerichts folgen und als Zeuge aussagen wollte.

Als zum Beginn der Verhandlung am Montag die Festnahme des Zeugen bekannt wurde, herrschte erst einmal allgemeine Ratlosigkeit. So einen Fall habe man noch nicht gehabt, hieß es unisono bei den Prozessteilnehmern.

Da der 32-Jährige in dem Verfahren keine unwichtige Rolle spielt, würde das Gericht nur ungern auf dessen Vernehmung verzichten wollen. Der Prozess wurde auf Mitte Dezember verschoben. Bis dahin wollen die Verfahrensbeteiligten klären, wie der Zeuge zu der Verhandlung nach Göttingen reisen kann, ohne am Grenzübergang festgenommen zu werden.

Der Festgenommene hat in der JVA Rosdorf wegen sexuellen Missbrauchs eingesessen. Das Landgericht Göttingen hatte den bereits einschlägig vorbestraften Rumänen im Januar 2019 zu insgesamt drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt, weil er die Tochter seiner Lebensgefährtin missbraucht hatte.

Eine der beiden angeklagten früheren JVA-Mitarbeiterinnen soll verbotenerweise eine Liebesbeziehung zu ihm gehabt haben, inzwischen ist die 29-Jährige mit ihm verheiratet. Nachdem im September 2020 in seiner Zelle ein Smartphone sichergestellt worden war, soll die 29-Jährige ihre mitangeklagte Kollegin dazu veranlasst haben, die Dateien von dem Handy zu löschen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass sie ihren inhaftierten Freund vor einem neuen Strafverfahren und einer neuen Verurteilung bewahren wollte.

Eine Woche nach der Sicherstellung seines Handys wurde der 32-Jährige in sein Heimatland Rumänien abgeschoben. Zu diesem Zeitpunkt hatte er seine Haftstrafe noch nicht vollständig verbüßt. Die Vollstreckung der Reststrafe wurde unter der Maßgabe ausgesetzt, dass er nicht wieder nach Deutschland einreist.

Die 27-jährige Mitangeklagte hatte am ersten Prozesstag eingeräumt, auf Bitten ihrer 29-jährigen JVA-Kollegin die Daten auf dem sichergestellten Smartphone des 32-Jährigen gelöscht zu haben. Die 29-Jährige bestreitet dagegen, sie dazu angestiftet zu haben.

Die 27-Jährige soll ebenfalls eine Beziehung zu einem Häftling gehabt haben, der in Rosdorf wegen Mordes einsaß. Das Landgericht Göttingen hatte ihn im Oktober 2017 zu lebenslanger Haft verurteilt, weil er seine Ex-Freundin in Hardegsen (Kreis Northeim) mit elf Messerstichen getötet hatte.   (pid)

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