Schloss Oldershausen ist seit mehr als 20 Jahren verlassen

Der Verfall der Hustenburg

Noch steht das Schloss: Ludolf von Oldershausen genießt den Anblick des alten Familiensitzes von seinem Park aus. Die Familie wurde 1945 von den britischen Besatzern aus ihrem Wohnsitz verdrängt. Fotos: Hühne

Oldershausen. Ein Dornröschenschlaf legte sich einst über das Schloss Oldershausen und ließ Stille einkehren. Der Verfall des ehemaligen Prachtbaus schreitet jedoch mit rasanter Geschwindigkeit voran.

„Als Kinder machten wir immer einen Bogen um die Hustenburg, wie wir das Schloss nannten“, erzählt Ludolf Freiherr von Oldershausen, der im Amtshaus, dem heutigen Stammsitz der Familie, aufwuchs. Er selbst habe keine Beziehung zu dem Schloss, da die Familie sich von den britischen Besatzern entwurzelt fühlte, die das Schloss 1945 beschlagnahmten.

Emotionale Bindung fehlte

Die von Oldershausens mussten in das nahegelegene alte Amtshaus ziehen, das 1781 erbaut worden war. „Für uns war das Schloss negativ besetzt. Wir sahen immer, wie die tuberkulosekranken, keuchenden Patienten hinein- und die Toten wieder herausgetragen wurden“, erzählt der heute 70-jährige von Oldershausen. Das sei auch der Grund, warum die Familie das neugotische Schloss 1974 endgültig verkaufte. Die Nachkommen hatten keinen emotionalen Bezug mehr zu der früheren Residenz und aus wirtschaflicher Sicht, sei das Schloss zusätzlich zu den von der Familie bewohnten Immobilien kaum tragbar gewesen.

„Das Schloss war auch nie wohnlich und einladend mit seinen über fünf Meter hohen Decken“, erinnert sich von Oldershausen.

Die Familie von Oldershausen wurde erstmals 1291 urkundlich erwähnt. Damals lebte Herman I. von Olderhausen mit seiner Familie auf einer Burg, deren Bestehen allerdings nur durch ein Gemälde überliefert worden ist. Bis 1945 residierte die Familie von Oldershausen in dem Schloss. Später diente das Schloss 25 Jahre als Krankenhaus für Lungenkranke.

Seit Ende 1980 liegt das Bau nun in einem Dornröschenschlaf und verfällt jeden Tag mehr.

Der Verfall schreitet voran

Vor Jahren stürzte der in der zweiten Bauphase erweiterte Turm ein - die Statik hätte unter dem Umbau gelitten, vermutet der heutige Eigentümer Eckhart Otto. Doch bei dem Einsturz hat seiner Meinung nach jemand nachgeholfen. Das beim Einbruch zerstörte Dach habe den Verfall noch beschleunigt.

„Das Schloss war auch nie wohnlich und einladend mit seinen über fünf Meter hohen Decken.“

Ludolf Freiherr von Oldershausen

Otto kaufte das Anwesen 2005, weil er sich beim Anblick des Schlosses in das unter Denkmalschutz stehende Gebäude verliebt hatte. Noch fällt es leicht, dessen einstige Pracht zu erahnen, doch von dem morbiden Charme, der das Schloss umgibt, geht die größte Anziehungskraft aus.

Das Schloss verfällt, viele Böden sind nach Angaben des Besitzers schon eingebrochen. Doch das alles grundsanieren zu lassen würde immense Kosten mit sich bringen. Otto, der sich selbst als Advokat des Schlosses bezeichnet, möchte das Objekt gerne erhalten. Ihm fehle jedoch ein vernünftiges Nutzungskonzept, das diesen finanziellen Aufwand rechtfertigen würde.

Das Hauptproblem sieht Otto in der Zerstückelung des Anwesens. Das sechs Hektar große Grundstück ist auf vier Parteien aufgeteilt, Otto kaufte nur das Hauptschloss. Der Schlosshof und das gegenüberliegende Kutscherhaus (um 1900 erbaut) sowie große Bereiche des Schlossparks wurden vor dem Verkauf abgetrennt.

Schloss soll fortbestehen

„Noch ist das Schloss nicht verloren, aber bevor an eine Grundsanierung zu denken ist, müssen zumindest die einzelnen Gebäude wieder zusammengefügt werden“, erklärt der Eigentümer aus Wiesbaden.

Die Natur hält Einzug

Anderer Meinung ist Ludolf von Oldershausen, wenn er aus seinem Park zu dem Gemäuer seiner Ahnen aufblickt. Er glaubt nicht, dass es noch zu einer Sanierung kommt.

Den Ausblick auf das alte Familienschloss genießt er trotzdem. Als El Dorado für Fledermäuse und Schleiereulen sieht er die Zukunft des Schlosses.

Von Sina Hühne

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