Verhaltener Neustart in Northeimer Cafés

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Im Northeimer Café „Mein Lieblingsplatz“ gehörte gestern Manfred Peters zu den ersten Gästen. Die Hälfte der Sitzplätze bleiben aber bis auf Weiteres aufgrund der Corona-Pandemie gesperrt.

Seit Montag können im Landkreis Northeim wieder Restaurants und Cafés geöffnet werden.

Viele Menschen nutzten gestern gleich die Möglichkeit, und nahmen die gesetzlich vorgeschriebenen Einschränkungen gern im Kauf, um seit Mitte März erstmals wieder mit einem Frühstück in ihrem Stammcafé in den Tag starten zu können.

„Unsere Kunden waren froh und erleichtert, dass wir unsere Plauderstube wieder öffnen durften, denn für viele Menschen ist ein Besuch im Café ein wichtiger Teil ihrer sozialen Kontakte“, sagt Anita-Maria Rolf von der Northeimer Bäckerei-Konditorei Rolf an der Breiten Straße.

Dort dürfen derzeit allerdings nur zwei Tische genutzt werden, damit der vorgeschriebene Mindestabstand gewährleistet werden kann. Auch das Bestellen und die Bedienung laufen anders ab als gewohnt.

„Die Kunden müssen am Tresen ihre Bestellung aufgeben und dabei ihren Namen, ihre Adresse und ihre Telefonnummer hinterlassen“, beschreibt Rolf das Prozedere. „Und wenn unsere Mitarbeiterinnen dann servieren, müssen sie einen Mundschutz tragen.“ Aus Sicht von Holm Fröchtenicht, der erst Anfang März sein Café „Mein Lieblingsplatz“ neben der Alten Wache in Northeim eröffnet hat, war von der aktuellen Lockerung der Corona-Auflagen nicht viel zu spüren. „Wir hatten bis zum Mittag 28 Gäste im Cafébetrieb“, zog er gestern Nachmittag enttäuscht Bilanz. „Das war bislang der drittschlechteste Montag, den wir überhaupt hatten. Vor Corona hatten wir an manchen Tagen 500.“

Die Menschen seien derzeit noch sehr verunsichert, ähnlich wie bei der Einführung der Maskenpflicht. „Viele wissen nicht, dass sie bei uns nicht reservieren müssen und einige stört es auch, dass sie ihre Kontaktdaten hinterlassen müssen“, so Fröchtenicht. Er hofft aber, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis sich die Menschen an die neuen Bestimmungen für die Gastronomie gewöhnt haben und sich die Verhältnisse trotz der Einschränkungen langsam aber sicher wieder normalisieren.

Wenig Freude kommt bei Dominik Paris vom Café Ahrens auf. Dabei hatten seine Frau und er sich sehr auf die Wiedereröffnung gefreut. Doch die Regelungen von zwei Metern Abstand zwischen den einzelnen Tischen und von 1,50 Meter zwischen Gästen, die nicht aus einem Haushalt kommen, lassen sich aufgrund des schlauchförmigen Zuschnitts in seinem Café kaum umsetzen. 

„Wenn jemand zur Toilette geht, kommt er näher an den anderen Gästen vorbei“, sagt Paris. Allerdings hätte er beim Landkreis den ganzen Montagvormittag versucht Auskunft zu erhalten, ob das im Rahmen des möglichen sei, oder nicht. Doch niemand habe ihm eine rechtsverbindliche Auskunft geben wollen, ob er unter diesen Bedingungen öffnen darf oder nicht.

Bei der zunächst angekündigten 50-Prozent-Regelung hätte er 25 Gästen Platz in seinem Café bieten können, jetzt seien wohl nur noch drei Tische möglich. „Dann rechnet sich alles nicht mehr“, stellt er betrübt fest. Seine Frau und er seien sogar bereit, ohne Verdienst zu arbeiten, aber bei drei Tischen könne er noch nicht mal die Fixkosten für Einkauf, Miete und Personalkosten decken. Die angekündigte Mehrwertsteuersenkung würde auch erst ab Juli greifen, ihm also zurzeit noch nichts bringen. „Das ist für uns alles eine Katastrophe“, stellt er fest und wünscht sich nur, dass er wieder „vernünftig arbeiten kann“. 

Bislang sei sein Betrieb immer sehr gut bei Kontrollen bewertet worden, da tue es weh, dass die Gastronomie als „Virenschleuder“ dargestellt würde.

 Auch Chris Steckel aus Gladebeck ist im Zusammenhang mit den Lockerungen für die Gastronomie nicht gut auf den Landkreis Northeim zu sprechen. Er hat seinen Cafébetrieb im Dorfladen „Alte Molkerei“ noch nicht wieder aufgenommen, weil er bislang noch keine Informationen über die geltenden Auflagen erhalten hat. „Deshalb bleiben alle 30 Sitzplätze im Cafébereich nach wie vor gesperrt“, sagt er.

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