Mittwoch soll das Urteil verkündet werden

Kindesmissbrauch: Nebenkläger fordern lange Haftstrafe für Angeklagten aus dem Solling

Justizia hält eine Waage
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(Symbolbild)

Im Missbrauchsprozess gegen einen 49-jährigen Mann aus einem kleinen Ort im Solling vor dem Landgericht Göttingen haben die Nebenklagevertreter und die Verteidigung ihre Plädoyers gehalten.

Northeim / Göttingen – Der Göttinger Rechtsanwalt Steffen Hörning, der drei Nebenklägerinnen vertritt, beantragte für den Angeklagten eine Gesamtfreiheitsstrafe von achteinhalb Jahren und plädierte dafür, die Anordnung der Sicherungsverwahrung vorzubehalten. Die Staatsanwaltschaft hatte am vorherigen Verhandlungstag sechs Jahre und neun Monaten gefordert hatte.

Rechtsanwältin Helen Wienands schloss sich als Nebenklagevertreterin eines weiteren mutmaßlichen Opfers den Ausführungen der Staatsanwaltschaft an und stellte keinen eigenen Antrag. Der dritte Nebenklagevertreter Rechtsanwalt Tobias Börsch habe den Antrag gestellt, für die Straftat zum Nachteil seiner Mandantin eine Freiheitsstrafe von vier Monaten zu verhängen, teilte ein Gerichtssprecher mit.

Die Staatsanwaltschaft hält den 49-jährigen Angeklagten in insgesamt vier Fällen des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern für schuldig, zweimal davon in Tateinheit mit dem Erwerb einer kinderpornografischen Schrift. Außerdem habe sich der 49-Jährige des sexuellen Missbrauchs von Kindern in sieben Fällen, der sexuellen Belästigung in vier Fällen sowie des Erwerbs einer kinderpornografischen Schrift schuldig gemacht. In den übrigen Fällen sei der Angeklagte freizusprechen.

Der Verteidiger beantragte, den Angeklagten wegen sexuellen Missbrauchs, Herstellung zweier pornografischer Schriften und sexueller Belästigung in vier Fällen zu einer Gesamtfreiheitsstraße von zwei Jahren zu verurteilen, die zur Bewährung ausgesetzt werden sollte. Im Übrigen sei der Angeklagte freizusprechen und der Haftbefehl aufzuheben.

Der Angeklagte war im März vergangenen Jahres festgenommen worden, seitdem sitzt er in der Justizvollzugsanstalt Rosdorf (Kreis Göttingen) in Untersuchungshaft. Der Prozess fand unter weitgehendem Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Erst zur Urteilsverkündung am Mittwoch, 23. Juni, ist die Öffentlichkeit wieder zugelassen.

Das Verfahren hatte unter anderem deshalb größere Beachtung gefunden, weil der 49-Jährige auch Kontakt zu dem Haupttäter des aufsehenerregenden Missbrauchsfalls auf dem Campingplatz im westfälischen Lügde gehabt haben soll.

Außerdem hatte der Fall eine politische Dimension bekommen. Landespolizeipräsident Axel Brockmann hatte im Innen- und im Sozialausschuss des Landtages der Northeimer Polizei im Zusammenhang mit den Ermittlungen in diesem Fall Versäumnisse vorgeworfen. Die Polizei hätte möglicherweise weitere Fälle von Kindesmissbrauch verhindern können, wenn sie nach Hinweisen des Jugendamtes gleich die Staatsanwaltschaft Göttingen eingeschaltet hätte.

Die Staatsanwaltschaft konnte dagegen keine strafrechtlich relevanten Versäumnisse der Polizei erkennen. Auch Nebenklagevertreter Steffen Hörning hat nichts an der Arbeit der Polizei auszusetzen: „Die Sonderkommission hat super gearbeitet, ich sehe da überhaupt kein Fehlverhalten“, sagte er am Donnerstag.  (pid)

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