1. Startseite
  2. Lokales
  3. Northeim

Führen Windkraftanlagen zu Erderwärmung und Dürren?

Erstellt:

Von: Olaf Weiss

Kommentare

Sonnenuntergang hinter drei Windrädern
Windparks können Einfluss auf das lokale Klima haben. Unter Wissenschaftlern ist allerdings strittig, in welchem Umfang. © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Befürworter des massiven Ausbaus der Windkraft führen vor allem den durch fossile Energieträger wie Öl, Gas und Kohle beförderten Klimawandel als Argument ins Feld. Kritiker der energiespendenden Rotoren halten dagegen, dass auch Windkraftanlagen negative Klimaveränderungen zur Folge haben.

Northeim – So hat uns jüngst eine Leserzuschrift von Petra Ohlmer aus Moringen erreicht, dass durch Windkraftanlagen abgeschöpfter Wind dazu führt, „dass dieser Wind an immer mehr Standorten in den regionalen und globalen Windsystemen fehlt, was katastrophale Folgen hat. Das kann zu Temperaturerhöhungen und Trockenheit in den Regionen führen“.

Internationale Studien würden das belegen. Auch würde die durch Windkraftanlagen entzogene Windenergie nicht mehr für die Entstehung von Wolken zur Verfügung stehen.

Die von der Politik angestrebte Verdreifachung der Zahl der Windkraftanlagen würde ein ökologisches Desaster bedeuten: Dürre, Waldsterben und Ernteeinbußen. Die Politik müsse sich den zeitlichen Zusammenhang zwischen dem exponentiellen Ausbau der Windkraft und den Dürren in Deutschland bewusst machen und entsprechende Schlüsse ziehen.

Dazu ein Faktencheck in Fragen und Antworten:

Stimmt es, dass Windparks zu einer Erderwärmung führen?

Ja, aber nach Ansicht einiger Wissenschaftler nicht generell, sondern nur lokal – und auch das ist nicht unumstritten. In einer Studie der Universität Harvard aus dem Jahr 2018 kommen beispielsweise die Forscher Lee M. Miller und David W. Keith zu dem Ergebnis, dass Windkraftanlagen zu einer Erwärmung der Umgebung führen.

Der Erwärmungseffekt entstehe, weil die Rotoren der Windräder erdnahe Luftschichten durchmischten und Wärme und Feuchtigkeit umverteilten. Sie reduzierten die Windgeschwindigkeit und entzögen der Atmosphäre Bewegungsenergie. Das könne regional zu Trockenheit und Dürren führen und Flora und Fauna beeinflussen. Keith und Miller betonen aber, dass auf lange Sicht Windkraft enorme Vorteile gegenüber fossilen Energieträgern habe. Die Politik solle die Ergebnisse dennoch ernst nehmen und sich überlegen, welchen Anteil Wind an der Stromerzeugung haben soll, und eventuell mehr auf Solarenergie setzen.

Kritik an ihrer Studie kommt von John Dabiri von der Universität Stanford. Er kritisiert die Berechnungsmethode von Miller und Keith und verweist auf frühere, seiner Meinung nach realistischere Simulationen. Diese hätten gezeigt, dass Windkraftanlagen nur geringe Temperaturveränderungen nahe der Erdoberfläche auslösten.

Verstärken damit Windkraftanlagen den Klimawandel?

Nein. Ein Faktor für den Klimawandel ist dieser mögliche lokale Erwärmungseffekt nicht, da damit der Erde keine zusätzliche Energie zugeführt wird. Vielmehr würde die vorhandene Wärme, die bereits in der Atmosphäre vorhanden ist, nur neu verteilt, so Bernhard Stoevesandt, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fraunhofer-Institut für Windenergiesysteme (Iwes) in Oldenburg.

Sind die extrem trockenen Sommer der vergangenen Jahre auf die Einflüsse von Windkraftanlagen zurückzuführen?

Nein. Der generelle Temperaturanstieg ist seit mehr als 100 Jahren nachweisbar. Er ist die Folge der Industrialisierung, die zu einer Zunahme der Treibhausgase wie Methan und Kohlendioxid (CO2) geführt hat. Die massive Nutzung der Windenergie hat erst vor gut 20 Jahren begonnen.

Reduzieren Windkraftanlagen die Windgeschwindigkeit?

„Windkraftanlagen entziehen der Atmosphäre Energie, die in Strom umgewandelt wird“, erläutert Dr. Astrid Lampert, Atmosphärenphysikerin am Institut für Flugführung der TU Braunschweig. Je nach der Rauigkeit der Oberfläche und nach der Durchmischung der Atmosphäre sei der Effekt sehr schnell wieder verschwunden, oder über einen längeren Bereich sichtbar. Eine Extremsituation seien dabei Offshore-Windparks. Wenn die Atmosphäre stabil geschichtet ist, also wärmere Luft vom Land über die kühle Meeresoberfläche strömt, werde die Windgeschwindigkeit direkt hinter Windparks auf bis zu 70 Prozent reduziert. Erst 50 Kilometer weiter habe sich die Windgeschwindigkeit wieder auf 95 Prozent erholt. Bei gut durchmischter Atmosphäre dagegen erreicht die Windgeschwindigkeit schon nach 5 bis 20 Kilometern wieder 95 Prozent. Über Land ist nach Lampert dieser Bremseffekt noch schneller verschwunden.

Haben Windkraftanlagen Einfluss auf die Wolkenbildung?

Generell entstehen Wolken durch Verdunstung von Wasser auf der Erdoberfläche (einschließlich der Ozeane), Wind wird nicht gebraucht. Das verdunstete Wasser steigt mit der warmen Luft auf, die sich allmählich dabei abkühlt. Das Wasser kondensiert, Wolken entstehen. Diese werden dann vom Wind weitergetragen.

Bei uns weht der Wind vor allem aus Richtung Westen. Das Wasser, das bei uns vom Himmel fällt, stammt überwiegend aus dem Atlantik. Die Umströmung von Windparks kann aber nach den Worten von Dr. Astrid Lampert Einfluss auf Wolken haben.

In seltenen Fällen, bei sehr hoher Luftfeuchte nahe 100 Prozent, können die Rotoren diese Luft anheben. Durch die damit verbundene Abkühlung können in Windparks dann Wolken entstehen. (Olaf Weiss)

Auch interessant

Kommentare