Marktplatz: Ein Musiker mit Leib und Seele

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Hanns Lecke liebt seine Instrumente: Hier ist er beim Spiel auf seiner Violone zu sehen.

Es gibt Menschen die hören Musik, es gibt Menschen, die machen Musik und es gibt Menschen, die leben ihre Musik. „Meine Tochter fragte mich einmal: Papa, in wie vielen Gruppen spielst Du eigentlich.

Da habe ich mich mit einem Zettel hingesetzt und habe sie aufgelistet. Zu den Höchstzeiten waren es 19 Gruppen“, erzählt der Hardegser Vollblut-Jazzmusiker Hanns Lecke. Zurzeit nennt Lecke noch 35 Musikinstrumente wie afrikanische Kuhhörner mit ihrem unglaublich warmen Klang, unterschiedlichste Blockflöten oder Banjo, Klavier, Gambe, Violone, Cembalo, Grossbass oder Kontrabass und viele weitere sein Eigentum – und wenn der heute 82-Jährige anfängt, aus seinem Musikerleben zu erzählen, dann will man einfach nicht aufhören ihm zuzuhören. „Ich kann nichts richtig, aber das auf vielen verschiedenen Instrumenten“, erzählt er bescheiden lachend. Doch wenn er auf dem Fernseher ein paar Konzert-Clips aus den Zeiten als Chorleiter der „Hardegser Sing- und Spielleutt“ startet, leuchten seine Augen sofort auf.

Marktplatz: Ein Musiker mit Leib und Seele

Hanns Lecke in seinem Element als Musiker
Hanns Lecke in seinem Element als Musiker © privat/Repro: Margitta Hild
Hanns Lecke in seinem Element als Musiker
Hanns Lecke in seinem Element als Musiker © privat/Repro: Margitta Hild
Als kleine Renaissancegruppe Ende der Achtziger gestartet und mit Hanns Lecke als Chorleiter zum Schluss 30 Mitglieder und Musiker
Als kleine Renaissancegruppe Ende der Achtziger gestartet und mit Hanns Lecke als Chorleiter zum Schluss 30 Mitglieder und Musiker © privat/Repro: Margitta Hild
Zu verkaufen: Vorne das Bariton Saxophon, dahinter der Kontrabass
Zu verkaufen: Vorne das Bariton Saxophon, dahinter der Kontrabass © Margitta Hild
Zu verkaufen: Der Kontrabass und  das Bariton Saxophon.
Zu verkaufen: Der Kontrabass und das Bariton Saxophon. © Margitta Hild
Sowie die ersten Töne am Cembalo erklingen, taucht Lecke in seine Musik ein.
Sowie die ersten Töne am Cembalo erklingen, taucht Lecke in seine Musik ein. © Margitta Hild
Sowie die ersten Töne am Cembalo erklingen, taucht Lecke in seine Musik ein.
Sowie die ersten Töne am Cembalo erklingen, taucht Lecke in seine Musik ein. © Margitta Hild
Sowie die ersten Töne am Cembalo erklingen, taucht Lecke in seine Musik ein.
Sowie die ersten Töne am Cembalo erklingen, taucht Lecke in seine Musik ein. © Margitta Hild
Sowie die ersten Töne am Cembalo erklingen, taucht Lecke in seine Musik ein.
Sowie die ersten Töne am Cembalo erklingen, taucht Lecke in seine Musik ein. © Margitta Hild
Fan der tiefen Töne Hanns Lecke beim Spiel auf der Grossbassflöte
Fan der tiefen Töne Hanns Lecke beim Spiel auf der Grossbassflöte © Margitta Hild
Fan der tiefen Töne Hanns Lecke beim Spiel auf der Grossbassflöte
Fan der tiefen Töne Hanns Lecke beim Spiel auf der Grossbassflöte © Margitta Hild
Sowie die ersten Töne am Cembalo erklingen, taucht Lecke in seine Musik ein.
Sowie die ersten Töne am Cembalo erklingen, taucht Lecke in seine Musik ein. © Margitta Hild
Hanns Lecke als Chorleiter ließ auch das Publikum mitsingen
Hanns Lecke als Chorleiter ließ auch das Publikum mitsingen © privat/Repro: Margitta Hild
Ein Jazzer-Treffen aus der ganzen DDR in Wettin
Ein Jazzer-Treffen aus der ganzen DDR in Wettin © privat/Repro: Margitta Hild
Bevor er „rübermachte“, hatte Lecke bereits Fernsehauftritte im DDR-Fernsehen.
Bevor er „rübermachte“, hatte Lecke bereits Fernsehauftritte im DDR-Fernsehen. © privat/Repro: Margitta Hild
Als Jazzer wurde Hanns Lecke auch im Buch „Die Stasi swingt nicht“ lobend erwähnt.
Als Jazzer wurde Hanns Lecke auch im Buch „Die Stasi swingt nicht“ lobend erwähnt. © privat/Repro: Margitta Hild
Die Klezmer-Gruppe spielte „jiddische Musik“. Links Hanns Lecke
Die Klezmer-Gruppe spielte „jiddische Musik“. Links Hanns Lecke © privat/Repro: Margitta Hild
Das erste Jazz-Konzert in 1956 ist Ost-Deutschland das in einer Kirche (Halle) stattfand.
Das erste Jazz-Konzert in 1956 ist Ost-Deutschland das in einer Kirche (Halle) stattfand. © privat/Repro: Margitta Hild
Alleine von der Ranaissancegruppe hat Hanns Lecke als Chorleiter einen kompletten Ordner Unterlagen und Artikel mit Berichten und Programmen gesammelt. Die Flötenparade in seinem Wohnzimmer
Alleine von der Ranaissancegruppe hat Hanns Lecke als Chorleiter einen kompletten Ordner Unterlagen und Artikel mit Berichten und Programmen gesammelt. Die Flötenparade in seinem Wohnzimmer © Margitta Hild
Hanns Lecke liebt seine Instrumente. Hier beim Spiel auf seiner Violone
Hanns Lecke liebt seine Instrumente. Hier beim Spiel auf seiner Violone © Margitta Hild

Erfolgreich waren Konzerte der „Renaissance Gruppe“ in ihren barocken Kostümen bei denen unter anderem auch schon mal zehnstimmig gemeinsam mit dem Publikum gesungen wurde, in musikalischer Begleitung von Instrumenten der Zeit. „Während der Konzerte war es mir immer wichtig, das Publikum musikalisch abzuholen und vor allem mit in das Konzert einzubinden. Doch ich habe verlangt, dass unsere Mitglieder immer zu den Proben kamen, da bin ich Macho. Ausreden gab es nicht. Einmal kam eine Sängerin durch Blitz und Sturm zur Probe, weil sie sich nicht getraut hat abzusagen“, lacht er gemeinsam mit seiner Frau, die ebenfalls Flöte im Chor spielte.

Nicht leicht einzuordnen

Es ist schwer diesen Musiker, der sich als Autodidakt das Spielen auf den unterschiedlichsten, oft eher seltenen Instrumenten selbst beibrachte, in eine Schublade zu stecken, denn neben dem Jazz ist er ein Liebhaber der klassischen Musik und spielte in den Achtzigern zehn Jahre lang in der Gruppe „Gatsche und Gojim“, die von einem evangelischen Pastor aus Landolfshausen geleitet jiddische Musik machte.

Bis heute ist Lecke Jazz-Musiker mit Leib und Seele und spielt aktuell noch in vier Barock-und Jazzgruppen. Lässt er einen Mitschnitt von Jazz-Konzerten seiner Gruppen laufen, wippt er im Takt mit und strahlt über das ganze Gesicht. Auch wenn seine Frau um die Ecke guckt und lächelnd um Rücksicht auf die Nachbarn bittet, ist die Antwort auf Lautstärkenregulierung ein lachendes „Nein“. „Die tiefen Töne sind dass, was mich begeistert. Ist das nicht wunderbar?“

Bewegtes Leben

Geboren in Magdeburg kam er mit seiner Familie als Vierjähriger nach Halle. Als kriegsverschicktes Kind galt er für seine Eltern in Pommern als verschollen. Hatte er vor der Verschickung noch die zweite Schulklasse besucht, ging er nach seiner Heimkehr 1947 gleich in die sechste Klasse und hörte seinen Bruder, der später an der Grenze erschossen wurde, beim Turmblasen des Posaunenchors in der Kirche. „Bei der Resonanz hat mein Brustkorb gebebt“, schwärmt er noch heute. Dieses Erlebnis war der Funke, der sein Musikleben zündete. In der DDR war ihm ein Musikstudium verwehrt, da seine Eltern Akademiker waren. So bewarb er sich beim Musikkonservatorium, beantwortete bei der Vorstellung eine thematische Frage zur 5. Symphonie von Brahms mit den Worten: „Das hoffe ich hier zu lernen“, spielte dann „Hänschen klein“ vor und wurde angenommen. „Quatschen ohne zu wissen, was man redet, haben wir ja in der DDR gelernt“, lacht er noch heute.

Im Jahr 1957 durfte er nur mit polizeilicher Erlaubnis zu einem erlogenen Konzertengagement ausreisen, blieb im Westen, studierte in Göttingen und wurde nach einigen Studienschwenks von 1968 bis 1995 Lehrer an der Hardegser Schule.

Obwohl Lecke strikt zu den Proben seiner Musikgruppen geht mit denen er regional auftritt, möchte er sich von ein paar seiner Schätze trennen. Der komplett überholte Kontrabass (3800 Euro), das Cembalo (4800 Euro), die Großbassblockflöte (700 Euro) und zusätzlich auch das wunderschön glänzende Bariton Saxophon (1600 Euro) stehen zum Verkauf. „Das Saxophon wird mir leider einfach zu schwer, wenn ich zwei Stunden auf ihm spiele. Deshalb habe ich mich erst letzte Woche entschlossen, es zu verkaufen“, erzählt Lecke.

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