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Vorsicht vor Diebstahl auf der Ladefläche: Polizei gibt Tipps für Trucker

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Von: Michael Caspar

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Flyer verteilt: Polizistin Laura-Christin Sinschek gibt Trucker Ralf Stephan ein Exemplar.
Flyer verteilt: Polizistin Laura-Christin Sinschek gibt Trucker Ralf Stephan ein Exemplar. © Michael Caspar

Auf unbewachten Parkplätzen sind LKWs beziehungsweise ihre Ladung ein leichtes Ziel für Kriminelle. Ein Präventionsteam klärt Fahrer über Ladungsdiebstählen auf Parkplätzen auf.

Northeim – Vor international tätigen Verbrecherbanden, die die Ladeflächen von Lastwagen leerräumen, hat das Präventionsteam der Polizei Fahrer auf dem Autohof Northeim gewarnt.

„Machen Sie nur auf gut beleuchteten und möglichst bewachten Parkplätzen Pause“, riet Polizistin Laura-Christin Sinschek Fahrer Ralf Stephan. Sie empfahl ihm, sein Fahrzeug nie unbeaufsichtigt stehen zu lassen, warnte davor, Fremden etwas über Strecke, Ziel und Ladung zu erzählen oder Anhalter mitzunehmen. Nach einem längeren Aufenthalt seien Fahrzeug und Ladung immer zu kontrollieren.

Trucker Stephan, der Möbelteile geladen hatte, war bereits im Bild. Kollegen von ihm seien schon überfallen, niedergeschlagen und ausgeraubt worden, erzählte er. Vor allem in Großbritannien, wo die Hälfte der Lkw-Flotte seines Arbeitgebers unterwegs sei, herrschten raue Verhältnisse.

Dort dürften sie auf Anweisung des Chefs nur bewachte Parkplätze anfahren, betonte der Fahrer, der seit 32 Jahren hinterm Steuer sitzt. „Der Autohof Northeim und der Parkplatz Schlochau sind Brennpunkte für Ladungsdiebstähle“, erklärte Hauptkommissar Dirk Schubert vom Präventionsteam der Polizei Northeim. 2020 habe es im Bereich der Polizei-Inspektionen Göttingen und Northeim 29, im Jahr darauf 43 solcher Verbrechen gegeben. Der Schaden habe sich allein in Northeim 2020 auf 101 000 Euro, 2021 auf 137 000 Euro belaufen.

„Die Täter bekommen teilweise Insider-Tipps von Mitarbeitenden aus den Speditionen“, ergänzte Polizist Jörg Aßmann. Andere Täter gehen um das Fahrzeug herum und schlitzen dabei - auf der Suche nach lukrativer Beute - die Plane alle ein, zwei Meter auf. Damit die Fahrer vom Diebstahl nichts mitbekommen, leiten die Verbrecher zum Teil betäubende Gase durch die offenen Fenster oder über Lüftungsschlitze in die Fahrerkabine.

Teilweise heben die Täter die Anhänger außerdem mit einem Wagenheber so an, dass beim Entladen die Kabine nicht zu schaukeln beginnt. Verladen wird das Diebesgut zum Teil auf einem nebenan geparkten Sattelschlepper.

„Fahrer, die Zeuge einer Tat werden, sollten sofort die Polizei rufen“, erklärte Aßmann. In Northeim treffe der Streifenwagen innerhalb von Minuten ein. Er warnte davor, auszusteigen und die Täter selbst zu stellen. Diese seien in der Regel in Gruppen unterwegs und legten alles daran, nicht erwischt zu werden. Dabei schreckten sie vor Gewalt nicht zurück.

Am Nachmittag hatte das Präventionsteam vor allem mit deutschen Fahrern zu tun. Im Laufe des Abends trafen dann zunehmend ausländische Chauffeure ein. Die Polizei verteilte mehrsprachige Flyer.

Die Aktion ist Teil des Projekts Cargo, das die Europäische Union aus dem Fonds für Innere Sicherheit finanziert. Erhoben werden Fallzahlen, Schadenssummen, Vorgehensweisen, Trends und Brennpunkte. Ziel ist es, Banden zu zerschlagen und die gestohlenen Güter den rechtmäßigen Besitzern zurückzugeben.

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