Gründergeist trotz Pandemie

IHK meldet über 600 neue Gewerbeanmeldungen in 2020

Nadja Huttanus, Teamleiterin der Arbeitsvermittlung in der Agentur für Arbeit Northeim, berät interessierte Firmengründer.
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Nadja Huttanus, Teamleiterin der Arbeitsvermittlung in der Agentur für Arbeit Northeim, berät interessierte Firmengründer.

Der Unternehmergeist in Südniedersachsen zeigt sich auch in Coronazeiten ungebrochen, was sich in einer Vielzahl von Firmenneugründungen ausdrückt.

Northeim – Es lasse sich eine positive Entwicklung aufzeigen, sagt Dr. Martin Rudolph, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Südniedersachsen. Insbesondere im Bereich der Digitalisierung seien im Vergleich zu den Vorjahren vermehrt Neugründungen zu verzeichnen, aber auch im Bereich Handel kommen neue Firmen dazu.

Laut IHK gab es im vorigen Jahr im Kreis Northeim 608 neue Gewerbeanmeldungen, denen stehen 528 Abmeldungen entgegen. Im Bereich Handel wurden 156 Anmeldungen verzeichnet, gefolgt von wirtschaftlichen Dienstleistungen (79), und freiberuflichen, wissenschaftlichen, technischen Dienstleistungen (57). Im Bereich Information/Kommunikation wurden 32 Betriebe gegründet.

Viele Menschen seien coronabedingt in Kurzarbeit oder in Problembranchen tätig, diese Leute würden nun die Initiative ergreifen und Ideen zur Selbstständigkeit, die sie vielleicht schon seit Langem mit sich tragen umsetzen. Aber auch dem Homeoffice, misst Rudolph eine Bedeutung zu. Da ändere sich bei vielen Menschen das Bewusstsein. Man erkenne, dass man sich selbst gut organisieren könne und sehe den Vorteil der stärkeren Eigenständigkeit. Das alles werde nun im Rahmen einer Selbstständigkeit umgesetzt.

Allerdings seien Ideen und Erkennen von Nischen gefragt, damit man am Markt mit einer Firmengründung bestehen könne, so Rudolph.

Die Branchen, in denen 2020 in Northeim vermehrt gegründet wurden, sind: Coaching, Fotografie, Marketing, IT-Support und Online-Handel. Insbesondere im Bereich IT gebe es Leute, die ganz bewusst sagen, dass sie auf den digitalen Zug aufspringen wollen, da die Branche gerade boomt.

Auf dem Rückzug seien Branchen mit Direkt-Kundenkontakt, fasst Maike Lotze, Abteilungsleiterin der Beschäftigungsförderung Göttingen, die als kommunale Anstalt öffentlichen Rechts eine Beratungsstelle in Northeim unterhält, die Entwicklung zusammen

Seit Januar 2020 wurden insgesamt 49 Northeimer von der Beschäftigungsförderung, die seit Juni die Gründungsberatung Mobil in Northeim (Matthias-Grünewald-Straße) anbietet, beraten, 25 Frauen und 24 Männer. Davon haben bislang 18 gegründet, elf haben ihre Gründung coronabedingt nach hinten verschoben und zehn befinden sich noch in Beratung, so Lotze.

Nadja Huttanus, Teamleiterin der Arbeitsvermittlung in der Agentur für Arbeit Northeim schätzt die Lage wie folgt ein: „Eine Existenzgründung kann in jedem Fall eine Antwort auf die Krise sein. Die Anzahl der Menschen, die sich mit unserer Unterstützung in die Selbstständigkeit begeben, liegt aktuell knapp unter der des Vorjahres, die Anfragen nach Unterstützungsmöglichkeiten und der Beratungsbedarf steigen allerdings zurzeit.“

Sie gibt den Gründern folgende Tipps mit auf den Weg: Neben den allgemeinen Voraussetzungen, ist ein Fokus auf folgende Punkte aus Sicht der Arbeitsagentur wichtig:

- Beachten Sie Ihre persönlichen Rahmenbedingungen. Das heißt, halten Sie sich im Falle einer Selbstständigkeit den Rücken frei, auch unter sich verändernden pandemischen Bedingungen. Viele Menschen müssen derzeit Kinderbetreuung, Einkaufsservice für die Eltern und mehr organisieren, um im Fall einer Schulschließung bei steigenden Inzidenzen weiterhin arbeitsfähig zu bleiben. Diese Rahmenbedingungen sind vorrangig vor allen anderen sicherzustellen, da Ausfallzeiten in der Selbstständigkeit nicht so leicht vom Kunden verziehen werden.

- Die Geschäftsidee muss tragfähig sein, mit und ohne Corona. Auch die Tätigkeit an sich sollte dahingehend betrachtet werden, ob sie auch unter verändernden Pandemiebedingungen tragfähig ist. Stichwörter sind hierbei unter anderem Hygienekonzepte, Onlineauftritt und so weiter. Ob die Geschäftsidee auch langfristig angelegt ist, da sich die Bedarfe in der Pandemie stark verändert haben, sollte bedacht werden. Ein Beispiel: Wer jetzt einen Lieferservice gründet, sollte sich bereits überlegen, wie das Unternehmen auch nach Corona erfolgreich bleibt.

Informationen für Gründer

Weitere Informationen gibt es unter: arbeitsagentur.de, Termine für eine Beratung bei der Arbeitsagentur: Tel. 05 51/52 08 00. Mehr über die Angebote der Beschäftigungsförderung: im Internet unter bfgoe.de (Hier werden auch Kurse für angehende Gründer angeboten). Anmeldungen für Beratungen unter Tel. 0 55 51/9 19 98 65 oder per E-Mail an mobil-nom@goettingen.de.

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