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50 Minuten Wiederbelebung

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Von: Olaf Weiss

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Abschied vom Langzeitpatienten: Andreas K. (vorn sitzend) mit (von links) Notaufnahmeleiterin Susanne Grünert, Intensivstationsleiterin Sina Modest, Oberarzt Ric-Alexander Steifensand und Oberärztin Dr. Ulrike Rosenberg.
Abschied vom Langzeitpatienten: Andreas K. (vorn sitzend) mit (von links) Notaufnahmeleiterin Susanne Grünert, Intensivstationsleiterin Sina Modest, Oberarzt Ric-Alexander Steifensand und Oberärztin Dr. Ulrike Rosenberg. © Martin Wilmsmeier/Helios

Eine Reanimation und eine anschließende Notoperation im Northeimer Helios-Krankenhaus haben Andreas K. das Leben gerettet.

Northeim - Am 17. Juli, einem hochsommerlich heißen Sonntag. gönnt sich der 46-Jährige nach Mitteilung von Helios etwas Ruhe auf dem Sofa und sieht die Übertragung der Tour de France im Fernsehen. Dann fühlt er sich unwohl, bekommt schlecht Luft und legt sich kurz aufs Bett. Nach ein paar Minuten scheint es ihm wieder besser zu gehen, und er kehrt ins Wohnzimmer zurück. Doch nur kurze Zeit später bricht er zusammen. Sohn Lucas hört den Vater auf dem Boden aufschlagen, eilt herbei und bringt ihn zunächst in dir stabile Seitenlage. Die Rettungsleitstelle habe den 20-Jährigen dann aufgefordert, sofort mit der Herzdruckmassage zu beginnen, erzählt Andreas K., der das alles selbst nur aus Erzählungen kennt. „Meine Erinnerung hört mit meinem Zusammenbruch auf“, sagt er im Gespräch mit der HNA.

Der alarmierte Rettungsdienst kann bereits nach kurzer Zeit übernehmen und bringt den Patienten in die Notaufnahme der Helios-Klinik – alles unter laufender Reanimation. Insgesamt 50 Minuten habe die Wiederbelebung gedauert. 18 Mal sei der Defibrillator zum Einsatz gekommen, bis das Herz wieder regelmäßig geschlagen habe und das Kammerflimmern beendet gewesen sei, schildert Helios-Pressesprecher Martin Wilmsmeier das dramatische Geschehen. Andreas K., der nicht möchte, dass sein vollständiger Name in der Zeitung erscheint, liegt nun im Koma.

Die folgende Untersuchung bringt Hinweise auf einen abgestorbenen Darmabschnitt (Darmischämie). Der sogenannte schwarze Darm könnte laut Helios Ursache des Kammerflimmerns aber auch seine Folge sein. In jedem Fall ist er lebensbedrohlich. Der Familienvater muss schnellstmöglich operiert werden – sobald sich sein Zustand im Koma ausreichend stabilisiert hat.

Bei der notfallmäßigen Öffnung des Bauchraumes zeigte sich eine fortgeschrittene Bauchfellentzündung durch einen abgestorbenen Anteil des Dickdarms“, erläutert der Leitende Oberarzt Ric Steifensand, der die Operation vorgenommen hat. Dieser Darmabschnitt sei entfernt worden. Am nächsten Tag folgte nach seinen Worten noch ein weiterer Teil des Dickdarms. „Durch die Darm-OP bin ich dem Tod zum zweiten Mal in kurzer Zeit von der Schippe gesprungen“, sagt Andreas K.

Am 25. Juli folgt auf der Intensivstation die große Erleichterung: Der Familienvater wacht aus dem Koma auf. Behutsam, aber beharrlich prüfen die Ärzte über mehrere Tage, wie es um die Gehirnfunktionen des 56-Jährigen bestellt ist. Sind Erinnerungslücken da? Wie gut kann er sich verständigen und die Finger bewegen?

„Das größte Wunder und die größte Freude ist für mich, dass Herr K. trotz 50 Minuten ohne Puls keine Hirnschäden davongetragen hat“, sagt Intensivmedizinerin und Oberärztin Dr. Ulrike Rosenberg.

Es folgen weitere Operationen, um den Bauch vollkommen wiederherzustellen. Es sind mehrere Bauchhöhlenspülungen notwendig. Außerdem hatte sich die Bauchwand zurückgebildet. Um sie schonend zu verschließen, wendet das Team der Allgemein- und Viszeralchirurgie mit der Bauchdecken-Fasziendehnung ein neues Operationsverfahren an. Die Bauchdecke wird dabei laut Mitteilung von Helios um mehr als fünf Zentimeter gedehnt und schließlich zusammengeführt. Durch den vollständigen Bauchverschluss blieben dem Patienten aufwendige Folgebehandlungen erspart.

Fast genau zwei Monate verbringt der Northeimer letztlich in der Helios-Klinik Northeim, zunächst auf der Intensiv- und später auf einer Normalstation. Im OP-Trakt grüßt er sich mit den Anästhesisten schon von Weitem. Aber mit den Pflegern und Ärzten der Intensivstation fühlt sich der 56-Jährige besonders verbunden.

„Es ist eine freundschaftliche Atmosphäre entstanden, die mir den Abschied fast ein wenig schwergemacht hat“, sagt Andreas K.   „Die Zeit in der Klinik werde ich nicht vergessen – und feiere ab sofort zweimal im Jahr Geburtstag.“ Neben seinem eigentlichen Geburtstag im Winter hat er künftig auch im Hochsommer Grund zum Feiern.

Mittlerweile ist er aus der Klinik entlassen und kuriert sich in einer dreiwöchigen Reha weiter aus. (Olaf Weiss)

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