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Der Lebenshof kümmert sich um den männlichen Nachwuchs von Milchkühen

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Von: Michael Caspar

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Hat in den vergangenen Jahren 30 Bruderkälber aufgezogen: Tierschützerin Melanie Vogelei vom Lebenshof Wilde Hilde – hier mit einem der auf dem Hof lebenden Rinder.
Hat in den vergangenen Jahren 30 Bruderkälber aufgezogen: Tierschützerin Melanie Vogelei vom Lebenshof Wilde Hilde – hier mit einem der auf dem Hof lebenden Rinder. © MICHAEL CASPAR

30 junge Bullen hat der Lebenshof Wilde Hilde in den vergangenen Jahren gerettet.

Oldenrode – „Viele wissen nichts vom Leid der Bruderkälber“, sagt Melanie Vogelei, die Leiterin des Hofes in der Moringer Ortschaft Oldenrode. „Damit eine Kuh Milch gibt, muss sie jedes Jahr ein Kalb zur Welt bringen“, erläutert die Tierschützerin. Milchviehbetriebe nehmen den Muttertieren die Kälber einige Zeit nach der Geburt weg. „Derzeit dürfen die Tiere nach zwei Wochen abtransportiert werden, von November an dann erst nach 28 Tagen“, ergänzt Gerhard Rudolph, der stellvertretende Geschäftsführer des Landvolks Northeim Osterode.

Ein Teil der weiblichen Kälber ersetzt später ältere Mutterkühe, die nicht mehr so viel Milch geben. „Das ist je nach Rasse nach vier, sechs oder zehn Lebensjahren der Fall“, berichtet Rudolph. Bruderkälber sind dagegen für den Milchbauern wertlos. Mastbetriebe zahlen für die jungen Tiere wenig, da Milchrassen während der sechsmonatigen Kälbermastzeit weniger schnell Fleisch ansetzen als die eigens dafür gezüchteten Rinder.

„In guten Jahren gibt es 40 bis 50 Euro für männliche und weibliche Kälber“, erklärt Rudolph. Der Preis sei aber auch schon mal unter zehn Euro gerutscht. „Kranke Tiere nimmt der Viehhändler nicht an“, ergänzt Tierschützerin Vogelei. Der Bauer sei gesetzlich verpflichtet, das Kalb zu behandeln, bekomme die Tierarztkosten aber durch den Verkaufserlös nicht wieder herein. Verende ein krankes Tier auf seinem Hof, gebe es kritische Nachfragen vom Veterinäramt.

„Viele Milchbauern, aber auch Viehhändler sind daher dankbar, wenn wir ihnen kranke Kälber abnehmen“, sagt die Tierschützerin.

Landvolk-Geschäftsführer Rudolph bestätigt das Dilemma. Steigende Kosten aufgrund strengerer Auflagen, die nicht über höhere Preise weitergegeben werden könnten, seien ein Grund, warum die Zahl der Tierhalter in Deutschland sinke. In Bereich des Landvolks Northeim Osterode gebe es keine 100 Milchviehbetriebe mehr.

„Unser Trägerverein, White Paw („weiße Pfote“) sammelt für kranke Kälber gezielt Spenden, um die Tierarztkosten zu decken“, sagt Vogelei. Seit Beginn der Pandemie sei die Spendenbereitschaft allerdings gesunken. Das erschwere es dem Verein, der den Lebenshof und zwei weitere Pensionshöfe in Witzenhausen und Hessisch Lichtenau betreibe, die Arbeit.

Vogelei und ihre Mitstreiter pflegen kranke Tiere. Viele Kälber haben sie mit der Flasche aufgezogen. Stiere lassen sie später kastrieren, weil sie dann „im Umgang einfacher“ sind, führt die Tierschützerin aus. Insgesamt betreuen die drei Höfe 113 Rinder.

Vogelei staunt darüber, wie unterschiedlich die Tiere sind. „Es gibt Freche, Furchtlose und Dominante, aber auch Sanfte, Verträumte oder Zickige“, erzählt sie. Die Tiere stehen den Sommer über auf der Weide. Im Winter holt sie sie in den Stall, damit die Rinder an Regentagen nicht die Grasnarbe zertreten. (Michael Caspar)

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