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Wo Frauen Zuflucht finden: Northeimer Frauenhaus nimmt Gewaltopfer auf

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Von: Josefin Schröder

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Frauenhäuser bieten von Gewalt betroffenen oder bedrohten Frauen und Müttern Unterstützung. Unabhängig von der Art der erlebten Gewalt.
Frauenhäuser bieten von Gewalt betroffenen oder bedrohten Frauen und Müttern Unterstützung. Unabhängig von der Art der erlebten Gewalt. © Maurizio Gambarini

Frauen, die Zuhause an einem Ort, der für Sicherheit und Geborgenheit stehen sollte, Gewalt erfahren, brauchen Schutz. Im Frauenhaus Northeim finden sie eine sichere Unterkunft und die nötige Hilfe.

Northeim – Jede dritte Frau in Deutschland wird mindestens einmal im Leben Opfer von Gewalt. Das teilt das Bundesfamilienministerium mit. Sarah (Name von der Redaktion geändert) ist eine von ihnen – sie erlebte Gewalt durch ihren Partner. Im Northeimer Frauenhaus fand sie jetzt Schutz.

In ganz Deutschland gibt es 400 Frauenhäuser, 43 davon in Niedersachsen. Dazu zählt nun auch das Frauenhaus Northeim, das in Trägerschaft der Werk-statt-Schule besteht. Seit April finden dort Frauen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind, einen sicheren Ort und ein Unterstützungsnetzwerk. Der Standort der Einrichtung in Northeim wird aus Sicherheitsgründen und zum Schutz der Frauen nicht veröffentlicht.

Aktuell können in der Northeimer Einrichtung fünf Frauen mit ihren Kindern in drei Wohneinheiten unterkommen.

Demnächst kommen noch zwei weitere Wohnungen hinzu. Entstehen soll eine barrierearme Etage, sodass insgesamt acht Plätze zur Verfügung stehen. Zusätzlich soll bald ein Notplatz angeboten werden.

Ampelsystem zeigt freie Plätze

Anders als im Frauenhaus Göttingen werden in Northeim auch Frauen mit Söhnen untergebracht, die älter als zwölf Jahre sind. Wegen des Risikos der Täterübertragung und der Retraumatisierung würden viele Frauenhäuser in Deutschland jedoch davon absehen, erklärt Sozialarbeiterin Doreen. In Northeim ist dafür eine separate Wohneinheit vorgesehen.

Sarah hat den Platz in Northeim auf der Website der bundesweiten Frauenhaussuche gefunden. Mit vier Kindern hatte sie wenig Hoffnung, überhaupt einen Schutzort zu finden. „Die Ampel auf der Website war immer wieder Rot, alles belegt, kein Platz“, sagt sie.

Die meisten Frauenhäuser würden Frauen mit maximal zwei Kindern aufnehmen, erklärt Maik Schwartau, Geschäftsführer der Werk-statt-Schule. In Northeim sei das anders. „Wir haben zwei große Wohnungen, sodass wir auch Frauen mit mehreren Kindern aufnehmen können. Das ist unsere Besonderheit“, ergänzt die Sozialpädagogin Paula.

Eine besondere Herausforderung sei die Aufnahme von Frauen aus dem Landkreis Northeim aufgrund der Nähe zum Täter. Um die Sicherheit der Frauen zu gewährleisten, sei eine größere Entfernung zum eigentlichen Wohnort darum empfehlenswert.

„Wir nehmen trotzdem Hilfesuchende aus der Region auf und entscheiden individuell mit den Frauen, ob wir sie an ein anderes, entfernteres Frauenhaus vermitteln. Der Schutz der betroffenen Frau, aber auch der Schutz der anderen Frauen im Haus, steht dabei immer im Vordergrund“, sagt Doreen.

Nach Ankunft der Frauen kümmert sich das vierköpfige Team, bestehend aus drei Sozialarbeiterinnen und einer Erzieherin, zusammen mit den Schutzsuchenden um wichtige Dinge: Ausfüllen von Datenschutzerklärungen und anderen Dokumenten, Kommunikation mit den Ämtern, Schulanmeldung der Kinder und vor allem um den Zugang zu Geld. Aber auch ganz praktische Dinge werden geregelt. Was muss eingekauft werden? Ist ausreichend Kleidung vorhanden? Welche Bedürfnisse haben die Kinder? Im Laufe des Aufenthalts könnten die Frauen und auch die Kinder psychosoziale Beratung sowie Freizeitangebote in Anspruch nehmen.

Die Kolleginnen teilen sich die sogenannte „Bezugsarbeit“ auf, so Doreen weiter. Das bedeutet, dass jeweils eine Sozialarbeiterin als hauptsächliche Ansprechpartnerin fungiere und für eine Familie zuständig sei. Zwischen Sarah und den Mitarbeiterinnen sei bereits ein gegenseitiges Vertrauen zu spüren, obwohl man sich noch nicht lange kennt.

Seit der Eröffnung sei die Einrichtung in Northeim sehr gefragt. Die Verweildauer der Frauen sei unterschiedlich. Manche Frauen blieben nur für eine Nacht, manche zwei Monate oder länger. Und wie geht es dann weiter? Einige Frauen seien in andere Frauenhäuser gegangen, wieder andere in ihre Familie zurückgekehrt. Sind Kinder mitbetroffen, sei das oft ein Grund für die Frauen, zurück zum Partner zu gehen und es noch einmal zu versuchen, beobachten die Mitarbeiterinnen.

„Wir lassen immer die Frau entscheiden, wie es weitergeht, und begleiten sie bei ihrem nächsten Schritt – egal wie der aussieht“, betont Sozialarbeiterin Doreen. Auch nach dem Aufenthalt sei das Mitarbeiter-Team für die ehemaligen Bewohnerinnen erreichbar.

Eine systematische Nachbetreuung sei im Konzept nicht vorgesehen, obwohl das durchaus sinnvoll sei, ist man sich im Frauenhaus Northeim einig. Denn so könnten die Frauen besser begleitet werden, wenn sie sich dazu entscheiden, ihren Alltag in Northeim und in einer eigenen Wohnung zu bestreiten.

Bewohnerin Sarah geht es inzwischen wieder besser. Als Betroffene wolle sie andere Frauen ermutigen, sich Hilfe zu holen, und ihnen die Angst nehmen: „Es gibt Hilfe.“ frauenhaus-suche.de

Kontakt

Das Frauenhaus in Northeim ist zu erreichen unter der Telefonnummer 0 55 51/9 19 16 16 oder per E-Mail an frauenhaus-northeim@werk-statt-schule.de. Außerdem ist das Hilfetelefon Tag und Nacht unter der Nummer 08000/116016 erreichbar - kostenlos und anonym. Über die Internetseite hilfetelefon.de können sich Betroffene zudem online per E-Mail oder Chat beraten lassen.

Für die Einrichtung einer Kleiderkammer sucht das Frauenhaus-Team noch Kleidung für Teenager, Kinder und Frauen). Für Spenden kann die Werk-statt-Schule kontaktiert werden.

Ein Blick in das Northeimer Frauenhaus: Hier können die Frauen zur Ruhe kommen, selbst wenn es nur für eine Nacht ist.
Ein Blick in das Northeimer Frauenhaus: Hier können die Frauen zur Ruhe kommen, selbst wenn es nur für eine Nacht ist. © Frauenhaus Northeim

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