Mehrere tausend Besucher waren mit dabei

NDR Bigband, Kinderstar und mehr beim Geburtstag des Musikvereins Wolbrechtshausen

Im Dirndl: Für das Gipfeltreffen der Blasmusik hatten die Wolbrechtshäuser Musikerinnen auf die weiß-rot-schwarze Tracht verzichtet.

Wolbrechtshausen. Zu seiner 100-Jahr-Feier hatte sich der Musikverein Wolbrechtshausen prominente Gäste wie die Egerländer Musikanten und die NDR Bigband eingeladen. Mehrere tausend Gäste kamen.

Nach einem musikalischen Kommers, bei dem sich das Geburtstagskind umfangreich selbst vorgestellt hat, folgten weitere, hochkarätige Konzerte.

Der Samstagabend stand mit nicht weniger als vier Orchestern ganz im Zeichen der Blasmusik. Für jeden Geschmack war etwas dabei, und das Publikum im brechend vollen Festzelt war von Beginn an außer Rand und Band.

Den Anfang machte das große Jubiläums-Blasorchester unter Leitung von Markus Klein. Zur Feier des Tages hatten die Musikerinnen Dirndl angezogen. Als zum Schluss das Niedersachsenlied erklang, standen alle Besucher auf und belohnten das hervorragende Spiel der Wolbrechtshäuser mit taktfestem Klatschten.

Moderiert von der Stimmungskanone Holger Müller am Schlagzeug unterhielt die Siebener-Besetzung der Egerländer Musikanten in zwei Sets mit einem Querschnitt ihrer größten Hits. „Sie sind toll. Das sind schon Vorbilder für uns“, sagte der Wolbrechtshäuser Trompeter Bernd Schneider.

Die dreiköpfige, Blaskapelle „Die Fexer“ toppte in der Publikumsgunst sogar noch die Egerländer, die ihnen einen tosenden Applaus hinter die Bühne schickten, als sie selbst wieder dran waren. Eine feine, kollegiale Geste.

„Die Fexer“ waren weit mehr als „Umbaupausen-Überbrücker“. Alex auf der Trompete und Sophie am Flügelhorn – „unsere Akkord-Maschine“, so der Tuba-Spieler – waren schon sehr gut. Aber was Daniel auf seiner Tuba mit sieben statt normal drei Ventilen und einem Tonumfang von dreieinhalb Oktaven in einem Wahnsinnstempo zauberte, war nicht von dieser Welt. Ein Wunder, dass er keine Knoten in die Finger bekam.

„Affengeil“ war die einhellige Meinung der Besucher und vor allem der Wolbrechtshäuser Musiker, die nach jedem Stück jubelnd im Stehen applaudierten. Auch der trockene Humor Daniels in ziemlich verständlichem Bayerisch kam gut an.

Gut singen können die drei übrigens auch. „An Englishman in New York“ von Sting beendeten sie mit einem sauber intonierten Blues-Akkord a cappella.

Die österreichische Band „Pro Solist’y“, auch PS.reloaded genannt und Europameister der böhmisch-mährischen Blasmusik, setzte die gute Stimmung fort, unter anderem aus Stimmungsliedern und Hits der 80er-Jahre. Die ausgelassene Party dauerte bis nach Mitternacht.

Swing und Jazz mit der NDR-Bigband

Gleich drei unterschiedliche Konzerte erlebten die Zuschauer Pfingstsonntag im sehr gut gefüllten Festzelt. Der Spannungsbogen reichte von konzertantem Swing und funkigen Latino-Rhythmen der gut aufgelegten Bigband Presto des Musikvereins über Trompeten-orientierten Jazzrock bis zu Freejazz-Anklängen im zweiten Teil des umjubelten NDR Bigband-Konzerts. 

Südniedersachsens bekannteste Bigband eröffnete den Abend. Unter dem temperamentvollen Dirigat von Christian Archontidis ragte Julia Schniersmeier stimmlich hervor und überzeugte mit Stücken aus dem neuen Programm „Uptown Funk“. Eine weniger langatmige Moderation und dafür ein weiteres Stück der gut intonierten Band mit ihr wäre schön gewesen. 

Ende eines wunderbaren Jazz-Abends: die NDR Bigband mit dem kubanischen Star-Pianisten Omar Sosa beim Schlussapplaus. 

Gleich zwei Konzerte brachte die NDR Bigband ins Zelt zur Landpartie mit. Jörg Achim Keller, langjähriger Leiter der NDR Bigband, hatte für Solo-Trompeter Ingolf Burkhardt fünf Werke der Fusion-Jazzband Crusaders arrangiert und ließ die Band einen gefühlvollen Teppich voller interessanter Harmonien ausbreiten, auf denen sich Burkhardt und vor allem Fiete Felsch an der Querflöte solistisch präsentierten. 

Beim meditativen „Ashes to Ashes“ von Crusader-Keyborder Joe Sample wechselte Burkhardt auf das gefühlvolle Flügelhorn, bevor die Trompeten- und Saxofon-Section der Band beim temperamentvollen „Streetlife“ wieder satten 70er-Jahre Funk blies. 

Mit dem Auftritt des kubanischen Pianisten Omar Sosa ging ein Ruck durch die Band. Sehr konzentriert setzte sie die teilweise recht komplexen, vom Brasilianer Jaques Morelenbaum arrangierten Stücke Omar Sosas um. Karibische Musik mit Freejazz-Anklängen, die besonders von Peter Bolte (Alt-Saxofon) und dem jungen Stefan Karl Schmidt am Sopran-Saxofon mit viel Applaus aufgenommen wurden, brachten das Zelt beim „Cha Cha du Nord“ erstmalig zum Kochen. 

Bei der Zugabe „Yeade“ ließ Sosa das Publikum als Background-Chor mitsingen, bevor Dan Gottshal an der Posaune mit einem Solo einen durch seine Vielfalt überzeugenden Abend beendete.

Ein Känguru und coole Solisten

Am Morgen des Pfingstsonntags wurden die Bürger zur Musikbegleitung abgeholt. Danach hielt Pastor Horst Metje einen Zeltgottesdienst ab, bei dem auch der Musikverein Thema war. Statt Orgelmusik spielten Fridolin und Andreas Parth Keyboard und Trompete. 

Nach dem Mittagessen zeigten Jugendbetreuerin Wiebke Häßner und das Jugendblasorchester JBO die viel gerühmte frühkindliche Musikerziehung des Musikvereins. Drei Bühnentechniker, die Vorbereitungen für das Konzert der NDR-Bigband am Abend trafen, machten auf der Bühne bei den Bewegungsliedern mit. Als Dirigent Marc Häßner das bemerkte, ließ er extra für sie einen Walzer nochmals spielen. Brausender Beifall vom Publikum. 

Es gab ein Geburtstagsständchen für den nicht mehr ganz jungen Georg Sponfeldner, bevor eine Person im Känguru-Kostüm herein gehüpft kam und beim Lied „Das singende Känguru“ mittanzte, bei der brütenden Hitze im Zelt eine tolle Leistung. 

Bewegung, Bewegung, Bewegung: Bei Volker Rosins Kinderliedern wird gesprungen und mit den Armen gewedelt. 

Auf diese Weise „aufgewärmt“ waren die Kinder bereit für Volker Rosin. Der seit vier Jahrzehnten tätige, quirlige Kinderliedermacher, Musiker und Entertainer hatte keine Mühe, die Kinder und ihre Eltern zum Mitmachen zu bewegen. Bewegen im wahrsten Sinne des Wortes, denn bei seinen Liedern, die auch die Erwachsenen auswendig kannten, wurde begeistert gesprungen, getanzt und mit den Armen gewedelt. 

Volker Rosin und sein Publikum bekamen nicht mit, dass ein Bühnentechniker der NDR-Bigband, der von Rosins Leinwand verdeckt das Schlagzeug aufgebaut hatte, spontan bei einem der Kinderlieder live mitspielte, deren Instrumentalbegleitung vom Band kam. Ein Kollege filmte seinen Einsatz mit dem Handy.

Zwei Kinder, die sechsjährige Isabella und der vierjährige Leonhardt, durften auf die Bühne und am Mikro mitsingen. Sie bekamen natürlich tosenden Applaus und von Volker Rosin einen Ehren-Button. Die einstündige Veranstaltung verging wie im Nu, und erst nach zwei Zugaben war Schluss. Autogrammkarten sowie Ton- und Filmträger gab es draußen, denn das Zelt musste für die Vorbereitungen des Abends geräumt werden. 

Das JBO spielte bis zur Ziehung der Tombolapreise auf der kleinen Bühne im Freien. Es war der letzte Einsatz der drei Formationen am Jubiläumswochenende des Musikvereins Wolbrechtshausen. „Das reicht jetzt auch, wir sind platt“, sagten zwei erwachsene Musiker, die unter den Zuhörern im Schatten standen.

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