Niedergelassene Ärzte wünschen sich bessere Logistik

Corona: Impfzentren werden auch für vierte Impfung gebraucht

Ein Patient erhält eine Impfspritze in den Oberarm.
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Eine vierte Impfung gegen Corona ist wahrscheinlich. (Symbolfoto)

Auch eine mögliche vierte Corona-Impfung wird wohl nicht allein in Haus- und Facharztpraxen bewältigt werden können.

Northeim – Nur wenn die Logistik der Impfstofflieferung verbessert werde, seien die Impfungen zu bewältigen, sagt der Northeimer Ärztevereinsvorsitzende Wolfgang Boldt (Moringen).

„Wenn das Procedere so bleibt, brauchen wir Impfzentren“, betont auch Christoph Wolf, Hausarzt in Volpriehausen. Zum einen müsste die Verfügbarkeit der Impfstoffe verbessert werden, um Impfungen leichter planbar zu machen. Er erfahre erst in der nächsten Woche, was von dem von ihm bestellten Impfstoff er bekomme, berichtet Wolf. Zum anderen müssten die Vakzine in Einzeldosen geliefert werden wie bei der Grippeimpfung – und nicht in 6er- (Biontech) oder gar 20er-Portionen (Moderna).

Ärztevereinsvorsitzender Wolfgang Boldt

Dass die Praxen Corona-Impfstoff einfach auf Lager haben und die Impfung wie bei der Grippe dann daran interessierte Patienten verabreichen könnten, wenn diese beispielsweise für eine Blutprobe sowieso in der Praxis seien, wünscht sich Rüdiger Englert, Hausarzt in Katlenburg für die Zukunft. „Das wäre eine enorme Entlastung.“

Damit die Arztpraxen nicht an ihre Grenzen kommen, müssten sich die Impfungen auch besser verteilen. Zurzeit sei der gleichzeitige Ansturm der Impfwilligen zu groß. Verteilt über das Jahr hält es Boldt für möglich, dass die niedergelassenen Ärzte deutschlandweit 80 Millionen Impfungen bewerkstelligen. Sie bewältigen alljährlich saisonal auch 20 Millionen Grippeimpfungen.

Die mobilen Impfteams haben laut Landkreis Northeim vom niedersächsischen Gesundheitsministerium einen Einsatzauftrag bis zum 31. Dezember 2022. Weil das Land darüber entscheide, könne man nicht sagen, wie bei einer möglichen vierten Impfung verfahren werde, so Kreis-Sprecherin Tanita Schebitz auf HNA-Anfrage. Bis wann die Impfstationen in Einbeck, Wolbrechtshausen und Northeim betrieben werden, sei ebenso offen wie die Frage, ob Impfstationen an andere Orten verlagert werden müssen.

Vierte Impfung sehr wahrscheinlich

Vor dem Hintergrund der sich allmählich in Deutschland ausbreitenden Omikron-Variante des Coronavirus wird auf Bundesebene bereits laut über eine vierte Impfung nachgedacht. In Israel hat ein Test für eine zweite Auffrischungsimpfung bereits begonnen. Wann es eine solche in Deutschland geben könnte, ist allerdings noch offen. Hersteller Biontech/Pfizer will spätestens im April ein an Omikron angepasstes Vakzin anbieten. (ows) 

Die Hauptlast tragen die Mitarbeiterinnen

Die Hauptlast beim Impfen gegen Corona tragen in den Arztpraxen nicht die Mediziner selbst, sondern die Mitarbeiterinnen. Darauf weisen die Ärzte unisono hin. Im Gegensatz zu den Leistungen des Pflegepersonals in Kliniken und Altenheimen werde das aber kaum wahrgenommen, bedauert Ärztevereinsvorsitzender Wolfgang Boldt.

Häufig am Telefon: Diana Jasinski, Medizinische Fachangestellte in der Gemeinschaftspraxis, die der Wolfgang Boldt praktiziert.

Dabei sei das Impfen, das parallel zum Alltagsgeschäft stattfinde, nur durch Mehrarbeit der Medizinischen Fachangestellten (MFA) zu bewältigen. Denn im Gegensatz zum Beginn der Pandemie gebe es bei den Patienten keine Zurückhaltung mehr, in die Praxen zukommen. Es seien zahlreiche Überstunden aufgelaufen. Die Akkus der Mitarbeiter seien leer.

In seiner Praxis ließen sich die drei Vollzeit- und eine Teilzeitkraft im Dezember alle 30 Überstunden auszahlen, seien damit aber noch nicht auf null. Dabei sei der Vorgang des Impfens das Wenigste, so Boldt. Vorbereitung und Organisation machten den Hauptteil aus.

Darauf, dass es unter den Patienten zwei Gruppen gebe, nämlich diejenigen, die geimpft werden sollen, und diejenigen, die geimpft werden wollen, weist der Katlenburger Hausarzt Rüdiger Englert hin. „Das zu regeln, geht schon zulasten der MFA.“

Bei seinen Mitarbeiterinnen liefen die Telefone heiß, berichtet auch Boldt. Und nicht jeder reagiere souverän, wenn er nicht in Kürze einen Impftermin bekomme, berichten beide. An jeder Impfung hänge in der Regel mehr als ein Telefonat.

Dabei verweist Boldt darauf, dass beispielsweise die drei Arztpraxen in Moringen allein im Dezember 1900 Impfungen vorgenommen hätten. Seine MFA müssten derzeit täglich mindestens 300 Anrufe bewältigen.

Hausarzt Christoph Wolf

Auch Christoph Wolf, Hausarzt in Volpriehausen, lobt das hohe Engagement seiner MFA in der Impfkampagne. Sie hätten die gesamte Vorbereitung gestemmt: extra samstags Patientenlisten danach durchforstet, wer vordringlich geimpft werden sollte, Termine vereinbart und geregelt, dass für jeden Patienten der Impfstoff in der richtigen Dosierung bereitsteht.

Dazu kämen die Überstunden an den speziellen Impfnachmittagen, die er in seiner Praxis anbietet. Dann beginne die Arbeit in der Praxis nämlich eine Stunde früher und ende eine Stunde später. (Olaf Weiss)

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