Alheim

„130 Euro sind Wahnsinn“: Kritik an Quadratmeterpreisen im Heinebacher Neubaugebiet Kuttendelle

Bis zu 130 Euro pro Quadratmeter für die neuen Grundstücke in Heinebach – das hat Anwohner und Interessent Karlheinz Kerst „schockiert“, sagt er.
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Bis zu 130 Euro pro Quadratmeter für die neuen Grundstücke in Heinebach – das hat Anwohner und Interessent Karlheinz Kerst „schockiert“, sagt er.

„Schockiert“ sei er gewesen, als er von den Preisen für die Grundstücke im Neubaugebiet Kuttendelle gehört hat, sagt Heinebacher Karlheinz Kerst. Der Quadratmeterpreis liege mittlerweile bei 130 Euro.

Heinebach - Auf der Fläche oberhalb des Schützenhauses am Ortsausgang Richtung Morschen rollen die Bagger: Die Erschließung des Gebiets, wo auch ein Seniorenheim gebaut werden soll, hat begonnen. Auch Kerst, der direkt nebenan wohnt, hatte sein Interesse für ein Grundstück bei der Gemeinde hinterlegt, eventuell für seine Töchter. „Im Gespräch waren anfangs immer Quadratmeterpreise von rund 70 Euro. Nun sind es 110 bis 130 Euro. Das ist Wahnsinn. Dadurch hat sich für mich ein Kauf total erledigt“, sagt Kerst.

Er verweist auf das Neubaugebiet in Ronshausen, wo die Gemeindevertretung einen Preis von 68 Euro je Quadratmeter festgelegt hat. Im Gegensatz zu anderen Gemeinden im Landkreis habe man in Alheim einen Weg gewählt, „der kaum Arbeit macht“, aber nicht im Interesse der Bürger sei. Die drei bisherigen Eigentümer verkauften direkt an den Investor, die Emmeluth Baugesellschaft aus Kassel. Allerdings hätte man trotzdem mit einem Parlamentsbeschluss die Preise deckeln können.

Friedhelm Diegel, Vorsitzender des Bauausschusses des Gemeindeparlaments, sagt dazu: „Mit der Preisklasse ist man jetzt ein ganzes Stück von dem entfernt, was normal ist. Das braucht man nicht schönzureden. Das kann passieren, wenn man etwas aus der Hand gibt. Da kann jetzt keine der drei Parteien im Parlament ankommen und sich beschweren. Wir waren alle dabei.“ Wenn die nun aufgerufenen Preise damals bekannt gewesen wären, hätte man andere Beschlüsse gefasst. Es gebe bei Neubaugebieten auch immer die Möglichkeit, mit der Hessischen Landgesellschaft HLG zusammenzuarbeiten – eine staatliche Treuhandstelle.

Anwohner Kerst macht aber nicht nur den Vertretern, sondern auch der Verwaltung Vorwürfe. Auch dort sei versäumt worden, „wie versprochen“, günstigen Wohnraum sicherzustellen. Der neue Bürgermeister Jochen Schmidt, der an den Beschlüssen bezüglich des Neubaugebiets noch nicht beteiligt gewesen war, sagt: „Die Gemeinde nimmt im Allgemeinen keine Bewertung bezüglich der vom Investor geforderten Preise vor. Ebenso möchten wir die von der Gemeindevertretung gefassten Beschlüsse nicht im Nachhinein diskutieren. Das ist nicht unsere Aufgabe, sondern die Aufgabe der Politik.“

Einer der früheren Grundstückseigentümer spricht davon, dass die Gemeinde „uns im Grunde betrogen hat“. Wenn man gewusst hätte, mit welch hohen Preisen die Grundstücke weiterverkauft werden, hätte man niemals so günstig, für 21 Euro je Quadratmeter, verkauft. Die Gemeinde habe darüber hart verhandelt und stets von späteren Verkaufspreisen von 65 bis maximal 80 Euro gesprochen. „Uns wurde immer gesagt, man kann uns nicht mehr bezahlen, weil sich das Neubaugebiet sonst nicht rechnet.“ Ein anderer der früheren Eigentümer meint hingegen, die Gemeinde habe alle Zusagen eingehalten.

„Die Preise sind marktüblich“: Geschäftsführer des Investors äußert sich

Kai Emmeluth, Geschäftsführer des Investors, schätzt die Verkaufspreise für das Neubaugebiet auf Nachfrage als „marktüblich“ ein und verweist auf andere Projekte in Immenhausen (150 Euro/Quadratmeter), Melsungen (150 Euro) und Körle (135 Euro). Heinebach sei durch Zuganbindung, Autobahnnähe und das nicht weit entfernte B.Braun ein attraktiver Wohnort.

Die Kuttendelle sei relativ schwieriges hügeliges Gelände. Man müsse auch berücksichtigen, dass ein Teil der Flächen auch für Straßen benötigt wird und also nicht als Grundstück verkauft werden kann. Auch seien noch zusätzliche Auflagen vom Regierungspräsidium gekommen. Etwa ein vorher nicht geplantes Wasserrückhaltebecken, wodurch sich die Verkaufsfläche noch einmal verringere.

Neben dem geplanten Seniorenheim will die Baugesellschaft noch eine Fläche an einen Investor für ein Wohnbauprojekt verkaufen. Für die übrigen 21 Grundstücke gebe es bislang zwei feste Zusagen, zehn Reservierungen und täglich neue Anfragen. In rund fünf Monaten soll die Fläche für das Seniorenheim erschlossen sein, das gesamte Wohngebiet im Herbst.

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