Camee-Theres Fritsch liebt ihr Heimatdorf

23-Jährige ist Ortsvorsteherin in Licherode

„Ich bleibe hier, komme was wolle.“ Das sagt Camee-Theres Fritsch. Sie ist die neue Ortsvorsteherin von Licherode.
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„Ich bleibe hier, komme was wolle.“ Das sagt Camee-Theres Fritsch. Sie ist die neue Ortsvorsteherin von Licherode.

Die neue Ortsvorsteherin des Alheimer Ortsteils Licherode ist erst 23 Jahre alt. Camee-Theres Fritsch hat bei der Ortsbeiratswahl die meisten Stimmen bekommen.

Alheim - Camee-Theres Fritsch hat nun in der konstituierenden Sitzung auch die Wahl an die Spitze des Gremiums angenommen. Ihr Herz schlägt für Licherode, das Dorf ohne Handyempfang.

Wie sehr, das merkte sie spätestens vor anderthalb Jahren, als sie für einige Monate in Homberg lebte. „Ich war mehr hier als da. Ich habe mich hier schon immer sehr wohl damit gefühlt, dass sich wirklich jeder kennt. Ich bin ein sehr kontaktfreudiger Mensch“, sagt die 23-Jährige. Auch die Tiere, um die sie sich mit ihren Eltern und ihrem jüngeren Bruder kümmert, liegen ihr am Herzen. Familie Fritsch hat Schafe, Pferde, Gänse und Hühner.

Der Weg der Tochter in den Ortsbeirat war im Grunde vorgezeichnet: Auch Mutter Tanja und Vater Martin haben lange in dem Gremium mitgearbeitet, Martin Fritsch zuletzt als stellvertretender Ortsvorsteher. Außerdem ist er Ortslandwirt. „Darüber habe ich schon immer viel mitbekommen. Mein Vater wollte jetzt etwas kürzer treten – und für mich steht fest, dass ich hier bleibe, komme was wolle. Dann kann ich mich auch für meinen Ort engagieren“, sagt die aktive Feuerwehrfrau. Aber gleich Ortsvorsteherin? Zwei Tage nach dem Entschluss der 23-Jährigen, für den Ortsbeirat zu kandidieren, sprach sie Georg Knierim, der das Amt selbst lange bekleidet hatte, auf der Straße auf dem Weg zum Füttern an. „Er hat gefragt, ob ich mir das vorstellen kann. Ich war ziemlich perplex. Darüber hatte ich mir überhaupt keine Gedanken gemacht. Aber Georg hat nicht locker gelassen. Also hab ich gesagt, ich will erst mal schauen, wie viele Stimmen ich bekomme.“

Am Tag vor der Wahl rief dann ein anderer Licheröder an und fragte, wie sie sich denn ihre Zukunft vorstellt – er wolle sein Kreuz ja an der richtigen Stelle machen. Nicht, dass sie dann doch zu ihrem Freund nach Remsfeld zieht. Camee-Theres Fritschs Antwort ist eindeutig: „Wenn ich hier wegwollte, hätte ich mich nicht aufstellen lassen.“

Sie bekommt 139 Stimmen, 32 mehr als die Zweitplatzierte. Damit ist die Sache klar. Die junge Frau ist bekannt im Dorf. Sie ist bei jeder Feier auf der Hütte dabei und gehört dann zu denen, die am nächsten Tag aufräumen – genauso wie zu denen, die beim Tag der Heimatpflege anpacken. Dass bei solchen Anlässen oft, wie in anderen Dörfern auch, meist dieselben Gesichter zu sehen sind, stört die neue Ortsvorsteherin nicht. „Das ist wichtig für ein Dorf, dass es diese Leute gibt und dass das funktioniert. Und das ist hier so.“

Was sind derzeit die Baustellen in Licherode? Die Arbeiten an der Stromtrasse sind abgeschlossen, ebenso wie die Renovierung des einen Teils des Dorfgemeinschaftshauses. Für den anderen Teil des Hauses soll nun über die Dorferneuerung ebenfalls ein Antrag gestellt werden – das ist eines der Projekte, in die der Ortsbeirat eingebunden ist. „Ich bin auch schon angesprochen worden wegen einem ‘Freiwillig-Tempo-30-Schild’. Aber solche Dinge kann ich natürlich nicht alleine entscheiden. Ich bin in erster Linie das Sprachrohr von der Bevölkerung zum Rathaus.“ Auch zum Bauhof, wenn zum Beispiel Hecken geschnitten werden müssen. Am 29. Mai steht die nächste Dorfreinigung an, das erste Mal unter Federführung der neuen Ortsvorsteherin. Bei Fragen kann sie sich jederzeit nicht nur an ihre Eltern, sondern auch an ihre beiden Vorgänger Georg Knierim und Udo Aschenbrenner wenden. „Für diese Unterstützung bin ich sehr dankbar.“

Aber wird eine 23-Jährige überhaupt von allen ernst genommen? Da macht sie sich keine Sorgen. Nach ihrem Realschulabschluss in Rotenburg und einer Ausbildung zur Speditionskauffrau in Remsfeld wechselte sie vor zwei Jahren ins Qualitätsmanagement der Homberger Firma AKH. In ihrer Funktion hat sie mit allen 180 Mitarbeitern zu tun, in einem von Männern dominierten Betrieb. „Die waren anfangs schon skeptisch. Aber sie haben schnell gemerkt, dass ich kein Püppchen bin“, sagt Camee-Theres Fritsch.

Von Christopher Ziermann

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