Fördergeld aus Landesprogramm

364.000 Euro für Corona-geplagte Schüler in Hersfeld-Rotenburg

Endlich toben in der Gruppe: An der Brüder-Grimm-Grundschule in Bebra wurde kürzlich ein Sportest gefeiert, um den Kindern nach Wechselunterricht und Homeschooling eine Freude und gemeinschaftliches Erleben zu ermöglichen. Das Fest war aber unabhängig vom Landesprogramm Löwenstark eine Initiative der Schule.
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Endlich toben in der Gruppe: An der Brüder-Grimm-Grundschule in Bebra wurde kürzlich ein Sportfest gefeiert, um den Kindern nach Wechselunterricht und Homeschooling eine Freude und gemeinschaftliches Erleben zu ermöglichen. Das Fest war aber unabhängig vom Landesprogramm Löwenstark eine Initiative der Schule.

Die Corona-Pandemie hat sich massiv auf die Schüler aller Jahrgangsstufen ausgewirkt. Ein Programm von Land und Bund soll helfen, die negativen Folgen zu mindern.

Hersfeld-Rotenburg – In Hessen heißt das millionenschwere Förderprogramm „Löwenstark“. Auch die Schulen in Hersfeld-Rotenburg – von der Grundschule bis zu Beruflichen Schulen – erhalten daraus Geld, anteilig nach Anzahl der Schüler. Bis zum Jahresende sollen 364 000 Euro in den Landkreis fließen.

Homeschooling und Wechselunterricht haben zu einer völlig veränderten Schule geführt, sagt auch Jürgen Krompholz, stellvertretender Leiter des Staatlichen Schulamts in Bebra. „Die fehlenden sozialen Kontakte und die mangelnde Bewegung haben vielen Kindern und Jugendlichen geschadet. Viele haben sich regelrecht eingeigelt“, sagt Krompholz. Die enorm gestiegene Nachfrage nach schulpsychologischen Beratungen zeige auch, dass es Probleme über die verminderte Wissensvermittlung hinaus gebe. Deshalb sei in den Staatlichen Schulämtern Hessens jeweils eine weitere Stelle für Schulpsychologen geschaffen worden.

Wie das zusätzliche Geld aus dem Landesprogramm ausgegeben wird, liege ausschließlich in er Hand der Schulen, weil diese ihre Bedarfe am besten kennen, erklärt Krompholz. Das Geld könne für Sachmittel, für außerschulische Leistungen, für zusätzliche Lernförderung und für das soziale Miteinander ausgegeben werden. Musik und Tanz, Gesundheitserziehung und Schwimmkurse sowie Konfliktbewältigung sind Beispiele der Schulangebote, ebenso Hausaufgabenhilfe, zusätzliche Lernförderung in Kleingruppen und die sogenannte Doppelsteckung im Unterricht – also zwei Lehrkräfte in einer Klasse.

150 Millionen Euro für die Bildung

Für das Landesprogramm „Löwenstark – der Bildungskick“ werden rund 150 Millionen Euro jeweils zur Hälfte vom Land Hessen aus dem Corona-Sondervermögen und vom Bund über das Aktionsprogramm „Aufholen nach Corona für Kinder und Jugendliche“ zur Verfügung gestellt. Das Programm ist im Frühjahr gestartet und kann über zwei Jahre genutzt werden. In den Landkreis fließen bis zum Jahresende 364.000 Euro, die anteilig an die Schulen ausgezahlt werden.

Schwierig sei es allerdings, genügend Personal für zusätzliche Förderung zu bekommen, sagt Jürgen Krompholz. Es herrsche ohnehin Lehrermangel. Pensionäre, Studierende und U-plus-Kräfte springen zum Teil ein.

Kreiselternbeiratsvorsitzender Mario Knoch (Rotenburg) ist sicher, dass das Geld gut angelegt ist in der psycho-sozialen Unterstützung. Allerdings: Ausreichend sei es noch nicht.

Schulen in Hersfeld-Rotenburg setzen unterschiedliche Schwerpunkte

An Schulen im Landkreis wird das Geld aus dem Programm „Löwenstark“ offenbar ganz unterschiedlich eingesetzt. Das zeigen stichprobenartige Nachfragen. Hessische Schulen sollen auch im ersten Halbjahr 2022 zusätzliches Geld dafür bekommen.

An der Jakob-Grimm-Schule in Rotenburg (JGS) setzt man vor allem darauf, Defizite im Unterrichtsstoff aufzuarbeiten, erklärte der stellvertretende Schulleiter Dr. Roland Kaplonek. Die Kinder und Jugendlichen sollen verstärkt Unterricht erhalten. Die Schwerpunkte liegen auf den Hauptfächern. Es wird versucht, kleinere Lerngruppen zu bilden, etwa durch Doppelsteckung im Stundenplan. Das heißt, es wird eine weitere Lehrkraft im Unterricht eingesetzt.

Allerdings sei es schwierig, geeignetes Personal in ausreichender Zahl zu finden, sagt Kaplonek. Die JGS hat zum Beispiel pensionierte Lehrkräfte angefragt, ob sie unterstützen können. Die Schule investiert außerdem in weiteres Unterrichtsmaterial. Bis zum Jahresende bekommt sie rund 27 000 Euro aus dem Programm.

Die Brüder-Grimm-Grundschule in Bebra wird zeitweise von zwei Studentinnen aus Kassel sowie einer Lehrerin im Mutterschutz unterstützt. Die Kinder sollen in ihrer Lernkompetenz gefördert werden. Vor allem aber soll das zusätzliche Geld in den psycho-sozialen Bereich fließen: In den Klassen 3 und 4 wird mit dem Verein Smog (Schule machen ohne Gewalt) im Bereich Sozialverhalten zusammengearbeitet, berichtet Schulleiterin Inis Rabe. Corona hat den Kindern auch nach ihrer Einschätzung vor allem im Bereich sozialen Lernen geschadet.

Der direkte Umgang mit Freunden und ein Übermaß an Computerspielen hätten sich negativ ausgewirkt. Lernrückstände im Unterrichtsbereich machten ihr weniger Sorgen: „Den schulischen Teil schaffen wir“. 330 Kinder besuchen aktuell die Schule. Mit einem Sportfest der besonderen Art wurde vor wenigen Tagen die Rückkehr in den Alltag gefeiert. „Es war super schön, die leuchtenden Augen der Kinder zu sehen“, sagt Rabes Stellvertreterin Kirsten Jähnert. Die Schule hatte dazu ein Unternehmen engagiert, das Sportfeste auch mit ungewöhnlichen Spielen organisiert.

An der Gesamtschule in Niederaula setzt man das zusätzliche Geld, rund 16 000 Euro, für Lehrerstunden ein, berichtet Schulleiterin Nicole Stutz. Sie konnte sich die Mitarbeit eines ehemaligen Referendars sichern, der zum Beispiel Schülerinnen und Schüler begleiten soll, die nur aus pädagogischen Gründen versetzt worden waren, also von der Leistung her Hilfe benötigen. Dass sich die Jugendlichen in der Pandemie im Verhalten auffällig negativ entwickelt haben, will Stutz nicht bestätigen. In dieser Altersklasse, also der Pubertät, gebe es auch andere entwicklungspsychologisch begründete Auffälligkeiten.

In den Beruflichen Schulen in Bad Hersfeld, die ebenfalls 16 000 Euro erhalten, will man mit der zusätzlichen Unterstützung vor allem Sprachdefizite aufholen und den Jugendlichen sozialpädagogische Unterstützung zukommen lassen. Der Schwerpunkt liegt in den Bildungsgängen zur Berufsvorbereitung, erklärte Schulleiter Guido Lomb. 30 Jugendliche aus dem gesamten Landkreis sollen damit gestärkt und motiviert werden. Es geht darum, mit ihnen, in denen laut Lob viel Potenzial steckt, eine berufliche Orientierung und Perspektive zu entwickeln. Sozialpädagogische Unterstützung sei dabei dringend nötig.

Obwohl die Schulen gerade durch die Pandemie gezwungen und somit erfahren waren, immer wieder kurzfristig auf die Entwicklungen zu reagieren, hätte man sich im Bereich der Finanzhilfe auch ein wenig mehr Vorlauf gewünscht, um sich rechtzeitig personelle Unterstützung sichern zu können, hieß es auch.

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